Interview

Interview mit Holly-Jane Rahlens – über Berlin, Deutsch lernen und Prinz William

  Du kommst aus Amerika. Seit wann bist du in Deutschland?

Ich bin eigentlich seit 30 Jahren in Deutschland. Das ist ziemlich lang. Jedenfalls bin ich länger in Deutschland als ich in Amerika war. Ich bin in Amerika geboren und aufgewachsen. Und nach der Studium bin ich dann nach Deutschland gegangen Und wer jetzt genau aufgepasst hat, kann sich fast ausrechnen, wie alt ich bin. Aber das sage ich natürlich nicht…

Warum bist du nach Deutschland gegangen?

Ich habe mich verliebt, in einen Berliner den ich in New York kennen gelernt habe. Tja, und dann dachte ich, ich gehe nach Berlin und gucke mir das an. Ich habe mich beurlauben lassen von der Uni. Und dann war ich 6 Monate in Berlin. Ich fand Berlin damals unheimlich interessant, aufregend, spannend. Ganz anders als New York City. Und dann bin ich zurückgegangen und habe meinen Uniabschluss gemacht und dann bin ich ganz nach Berlin gezogen.

Wie und wo hast du Deutsch gelernt?

Als ich zum ersten Mal nach Berlin gekommen bin, habe ich kein Wort Deutsch gesprochen. Oder sagen wir mal, ich konnte drei Wörter Deutsch sprechen: „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“ und „Mäuschen“! Das hat mein Freund immer zu mir gesagt. Dann habe ich einen Sprachkurs gemacht, da war ich jeden Tag fünf Wochen lang. Ich habe hier in Deutschland einfach gelebt. An der Uni in Amerika habe ich auch nebenbei weiter Deutsch gemacht. Und nach einem Jahr kam ich zurück nach Berlin. Ich hab sehr schnell Deutsch lernen müssen. Ich habe Arbeit beim deutschen Rundfunk bekommen und habe mit Deutschen gelebt und gewohnt. Ich musste einfach schnell Deutsch lernen.

War das schwierig?

Ich fand das schrecklich! Ich habe ein Buch geschrieben mit dem Titel „Becky Bernstein goes Berlin“. Darin gibt es ein Kapitel mit dem Titel „Neuköllner Lehrjahre oder: Mein Leben vor dem deutschen Dativ“, Neukölln ist ein Stadtteil von Berlin. Und da beschreibe ich diese schreckliche deutsche Sprache und meine Probleme damit. Als ich zuerst nach Berlin gekommen bin, ich erinnere mich noch gut daran, da habe ich mir in der U-Bahn immer die Reklame angeschaut. Da war eine Reklame für Brot, und es stand so was wie „zu, zur, zum Brot, zu dem“, und ich dachte, ich verstehe das nicht. Ich werde das niemals lernen. Ich werde niemals wissen, wie man Akkusativ bildet oder Dativ! Das hat mich wirklich sehr nervös gemacht. Ich habe sehr lange gebraucht, ehe ich wirklich frei und ohne Probleme Deutsch sprechen konnte. Das hat bestimmt zwei, drei Jahre gedauert, bis ich das Gefühl hatte: Jetzt kann ich diese Sprache. Bei Deutsch ist das so: es ist eine Sprache, bei der man nicht einfach gleich loslegen kann. Am Anfang ist es besonders schwierig, bis man sich geordnet hat in der Sprache. Bei Englisch hat man am Anfang viele positive Erlebnisse. Englisch ist allerdings sehr kompliziert, wenn man gut schreiben will oder sich richtig unterhalten will. Dann beginnt Englisch richtig schwierig zu werden. Umgekehrt: Deutsch ist sehr schwierig am Anfang und hat man das endlich, dann ist das, wie man im Englischen sagt „easy going“.

Was gefällt dir an der deutschen Sprache?

Ach, das hab ich mir auch schon überlegt. Hat mich neulich schon mal jemand gefragt. Ich liebe den deutschen Dativ! Haha, na ja, ich weiß es nicht. Ach, ich kann es nicht sagen, was es ist. Es ist nicht so, dass ich sagen kann, das gefällt mir oder jenes. Es gefällt mir einfach, dass ich das gemeistert habe, diese Sprache zu lernen! Aber es ist auch eine sehr geordnete Sprache. Und vielleicht, weil ich selbst sehr ordentlich bin, habe ich eine Affinität dafür. Aber vielleicht ist es auch nur ein Zufall, dass ich einen Typ mit schönen blauen Augen nett fand…

Ja, im Leben gibt es natürlich auch solche Zufälle, wo die Liebe mitspielt. Apropos Liebe: In deinem Buch „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“ ist die Hauptperson Nelly Sue Edelmeister. Wer ist das?

Nelly ist ein 13-jähriges Mädchen, das sehr verkopft ist, im Kopf denkt und trotzdem große Sehnsüchte hat, ein Teil von einem ganzen zu sein, von Allem, von der Welt, vom Universum, von ihrer Familie, von dem Leben, in dem sie sich befindet. Am Anfang des Buchs hat sie Probleme, ihren Platz zu finden. Sie ist eher ein Außenseiter. Und im Laufe der Geschichte erfährt sie, durch verschiedene Erfahrungen und weil sie ein Ziel im Kopf hat, wie unwichtig dieses Ziel eigentlich ist. Sie erfährt, was es bedeutet, Mitglied in diesem Universum zu sein und nicht irgendwo außerhalb.

Das Universum von ihrem Angebeteten ist ja ziemlich weit von ihrem eigenen Universum entfernt. Warum verliebt sie sich ausgerechnet in Prinz William?

Tja, I’m only the writer… Ich weiß es nicht! Ich denke, sie verliebt sich aus verschiedenen Gründen in ihn. Zum einen, weil er nicht erreichbar ist und sie superehrgeizig ist. Zum anderen, weil sie sich ein bisschen seelenverwandt mit ihm fühlt, weil er grad seine Mutter verloren hat und sie denkt er ist ganz einsam auf der Welt. Und sie verliebt sich in ihn, weil sie einsam ist und irgendwas braucht woran sie sich festhalten kann. Es gibt ja 1000 Gründe, warum ausgerechnet Prinz William. Aber letztendlich wird das im Laufe des Buchs unwichtig. Besonders in dem Moment wo sie einen echten Jungen kennen lernt.

Du lebst jetzt seit 30 Jahren in Berlin. Bleibst du für immer da?

Ich bin jetzt gerade innerhalb von Berlin umgezogen. Mit 10.000 Büchern, Computern, Kind, Kegel, Mann – ehrlich gesagt, ich ziehe nie wieder um. Ich bleibe für immer in dieser wunderschönen, neuen Berliner Altbauwohnung. Mit hohen Decken und Parkettfußboden, eine sehr großzügige Wohnung in einem tollen Stadtteil von Berlin.

Dann gibt es vielleicht noch ein paar tolle Bücher von deiner Hand auf Deutsch?!

Indeed!

Gibt es etwas, was du dir wünscht für deine Lesereise in Holland?

Ich wünsche mir, dass viele Leute kommen. Ich liebe ein volles Publikum und ich liebe es, kurz vor einer Lesung zu hören, wie die Leute unheimlich gespannt sind. Das spürt man, das fühlt man, diese „vibrations“. Wie die Mädels lachen und vor allem Liebe ist ne große Sache in meinen Lesungen. Wenn mir die Zuhörer das Gefühl geben, sie hören richtig zu und verstehen das und gehen auch mit. Und in Amsterdam möchte ich gern etwas machen: Ich habe ein Buch gelesen, das bestimmt alle in Holland gelesen habe „The girl with the Pearl Earring“. Ich wünsche mir, dieses Bild zu sehen. Und ich wollte auch zum Anne Frank Haus. Da möchte ich wirklich unbedingt hin gehen!! Ich habe das Buch als junges Mädchen gelesen und auch den Film ein paar Mal gesehen. Das interessiert mich wirklich.

Das Interview führte Kerstin Lorenz