Wie kommen Wörter in den Duden?

Seit 130 Jahren ist der Duden das tonangebende deutsche Wörterbuch: Was im Duden steht, ist gutes Deutsch. Doch wer entscheidet das? Und nach welchen Kriterien?
Konrad Duden, Direktor eines Gymnasiums, veröffentlichte 1880 sein Vollständiges Orthografisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Er wollte die damals chaotische deutsche Rechtschreibung vereinheitlichen, Schluss machen mit unterschiedlichen Schreibweisen eines Wortes. Er hat es geschafft. Der Duden setzte sich als Orthografie-Nachschlagewerk im gesamten deutschsprachigen Raum durch, ab 1902 galten seine Regeln sogar offiziell. Mehr als 90 Jahre bestimmte er die deutsche Rechtschreibung – bis 1996 eine amtliche Rechtschreibregelung sein Monopol beendete. Trotzdem ist Duden immer noch die bekannteste Marke für Wörterbücher der deutschen Sprache und Die deutsche Rechtschreibung das populärste Buch des Verlages, der außerdem auch andere Wörterbücher veröffentlicht, wie Das Fremdwörterbuch, Das Synonymwörterbuch, Das Aussprachewörterbuch oder Das Herkunftswörterbuch.
Den aktuellen Sprachgebrauch dokumentieren
Das umfangreichste Wörterbuch des Verlages ist Duden – Deutsches Universalwörterbuch. Es erfasst in rund 500.000 Stichwörtern den Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache, gibt ausführliche Worterklärungen und Anwendungsbeispiele, Angaben zu Rechtschreibung, Aussprache, Grammatik, Herkunft, zu den Stilebenen sowie zu Fach- und Sondersprachen. Im März 2011 erscheint die 7. Auflage. Sie enthält 7.000 neue Einträge, wie „Abwrackprämie“, „Aschewolke“, „Vuvuzela“ oder „skypen“.
In der Duden-Redaktion in Mannheim arbeiten zehn Redakteure an den vielen Wörterbüchern und Sprachratgebern. Um neue Wörter aufzustöbern, durchforsten die studierten Literatur- oder Sprachwissenschaftler mit Computerprogrammen eine umfangreiche Textdatenbank, in der Sachbücher, Romane und Zeitungsartikel aus Deutschland, Österreich sowie der Schweiz gespeichert sind. Die Redakteure gleichen das Wortmaterial mit dem Duden ab und filtern neues heraus. Blogs und andere Internet-Seiten beziehen sie nicht mit ein. „Da sind wir vorsichtig“, sagt Chefredakteur Dr. Werner Scholze-Stubenrecht. „Wir verwenden nur Texte, die ein Lektor gegengelesen hat.“ Auch gesprochene Sprache wird nicht berücksichtigt. „Der Aufwand wäre zu groß“, sagt Scholze-Stubenrecht, für den Zeitungsartikel am wichtigsten sind, da neue Wortschöpfungen dort sehr schnell auftreten. Auffällig sei, so Scholze-Stubenrecht, dass neue Wörter momentan vor allem in den Bereichen Unterhaltungsindustrie und Kommunikationstechnologie entstünden.
Welches Wort kommt in den Duden?
Nicht alle neuen Wörter schaffen es ins Wörterbuch, sondern nur diejenigen, die in der Allgemeinsprache etabliert sind. Für die Duden-Redakteure bedeutet das, dass die Wörter häufig und in unterschiedlichen Textsorten, von Zeitungsartikeln bis zu literarischen Texten, auftauchen müssen. „Wir setzen selbst die Grenze und sagen zum Beispiel: Wenn ein Wort mehr als 50 Mal vorkommt, schreiben wir es auf“, erzählt Scholze-Stubenrecht. Eintagsfliegen, also Begriffe, die sie nur über einen kurzen Zeitraum in den Medien finden, haben keine Chance. Genauso wenig wie Wörter, die nur in bestimmten Fachpublikationen vorkommen.
Aber nicht immer sind die Zahlen eindeutig. Diese Sonderfälle diskutieren die Redakteure im Team. „Wir sind so erfahren, dass das nicht lange dauert“, sagt Scholze-Stubenrecht, der seit 36 Jahren in der Duden-Redaktion arbeitet. Meist entscheide derjenige, der für den Anfangsbuchstaben des Wortes verantwortlich ist.
Eine Flut an neuen Wörtern
Die neuen Stichwörter sind entweder Wörter, die es schon länger gibt, die aber im Duden bisher nicht beachtet wurden, oder gänzlich neue Wörter oder Bedeutungen von Wörtern. Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim erforscht seit fast 20 Jahren Wörter, die in der deutschen Sprache neu sind und noch nicht im Wörterbuch stehen, sogenannte Neologismen. Mitarbeiter haben bereits diejenigen, die in den 1990er-Jahren neu waren, gesammelt und in einem Online-Wörterbuch zugänglich gemacht. „Viele davon stehen jetzt auch im Duden“, sagt Doris al-Wadi, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes. Wie „Mobbing“ (das Schikanieren einer Person am Arbeitsplatz), das mittlerweile tagtäglich benutzt wird. Momentan sammeln al-Wadi und ihre Kollegen Wörter, die in den Jahren 2000 bis 2010 neu im Deutschen aufgetaucht sind. Einige davon haben sich erstaunlich schnell etabliert. Sie sind jetzt schon im Duden und gehören zum aktuellen Sprachgebrauch: „vorglühen“ (sich vor einer Party durch Alkoholgenuss in Stimmung bringen), „fremdschämen“ (sich stellvertretend für andere schämen), „Gammelfleisch“ (verdorbenes Fleisch) oder „twittern“.
Gestrichen wird selten
Der Wortschatz wächst stetig. Und mit ihm der Umfang des Wörterbuches, denn gestrichen wird eher selten. Weil „Entbindungsanstalt“ (ein spezielles Krankenhaus für Gebärende) und „Luderwirtschaft“ (eine schlampige Wirtschaft) zu alt und staubig klingen, haben die Duden-Redakteure sich nun von ihnen verabschiedet. Wörter zu streichen, sei sehr schwierig, sagt Duden-Chefredakteur Werner Scholze-Stubenrecht und fügt hinzu: „Wir vermeiden es, wenn wir es können.“
Katja Hanke
nyelvész és szabad foglalkozású újságíró, Berlinben él.
Fordította: Márton László
Copyright: Goethe-Institut, online szerkesztőség
2011. augusztus










