Clemens von Wedemeyer: The Fourth Wall
Februar - August 2012
Auckland, Dunedin

Der Titel The Fourth Wall ist ein der Theatertheorie entlehnter Begriff. „Die Vierte Wand“ bezieht sich auf die Berücksichtigung der Trennung zwischen Bühnen- und Zuschauerraum. Obwohl inexistent, stellt sie für die Schauspieler eine Grenze dar, die nicht durchbrochen werden darf, soll die Illusion des Spiels aufrechterhalten werden. Während die Betrachter ungehindert auf die Bühne blicken, agieren die Schauspieler so, als wäre der Zuschauerraum nicht vorhanden.
Von Wedemeyers Arbeit befasst sich mit der Geschichte der Tasaday, einer Gruppe von 26 Menschen, die 1971 im Urwald der zu den Philippinen gehörenden Insel Mindanao „entdeckt“ wurden. Die Höhlenbewohner, erfuhren als die letzten „Steinzeitmenschen“ ein ungeheures Medieninteresse, das von dem philippinischen Millionär Manuel Elizalde gesteuert wurde. Er initiierte eine Art Reservat, um den Lebensraum der Tasaday zu schützen und kontrollierte den Zugang von Medienvertretern und Wissenschaftlern, die die Lebensgewohnheiten, die Sprache und Ernährung des Stammes erforschen wollten.
Das Marcos- Regime beschränkte den Zugang zu dem Gebiet, um sich als Bewahrer der Rechte der indigenen Bevölkerung in ein positives Licht rücken zu können. Nach der Erklärung des Kriegszustandes 1972 war es für viele Jahre unmöglich, nach Mindanao zu reisen. Als 1986 der Schweizer Ethnologe Oswalt Iten das Reservat besuchte, fand er die Höhlen verlassen. Die Tasaday wohnten in der Nähe in Hütten, rauchten Zigaretten und waren mit Jeans bekleidet. Seine Behauptung, die „Entdeckung“ des Steinzeitstamms sei ein für die Medien inszenierter Betrug des Marcos-Regimes gewesen, entfachte weltweite Entrüstung.
Es ist heute nicht mehr zu entscheiden welche Version der Geschichte der Tasaday der Wahrheit entspricht. Dies hat seinen Grund entscheidend darin, dass die Tasaday keine Deutung ihrer eigenen Geschichte präsentieren durften oder können. Allein der Blick von außen entscheidet darüber, welche Bedeutung das Spiel hat, das auf der Bühne gespielt wird - und ob, was auf der Bühne stattfindet, als Spiel oder Wirklichkeit bezeichnet wird. Clemens von Wedemeyer greift dieses Thema auf vielfältige Art und Weise auf.
Das ehrgeizige Installationsprojekt wurde 2009 von der Barbican Art Gallery initiiert. Die Ausstellung kann durch die ST PAUL St Gallery und die Dunedin Public Art Gallery in Kooperation mit dem Goethe-Insitut und durch die Unterstützug des Deutschen Auswärtigen Amtes in Neuseeland gezeigt werden.
Ausstellungsdaten:
Auckland: 24. Februar - 4. April, St Paul St Gallery
Dunedin: 14. April - 12 August, Dunedin Public Art Gallery







