My Promised City Berlin

Club Berlin - die Stadt als temporäre autonome Zone

© Promised City

„Macht Geld sexy?“, fragten Journalisten vor einigen Jahren Berlins regierenden Bürgermeister. Klaus Wowereit verneinte. „Nein. Das sieht man an Berlin. Wir sind zwar arm, aber trotzdem sexy.“ In der Tat lässt sich der Widerspruch zwischen der ökonomischen Realität und dem Image, das Berlin prägt, nicht knapper charakterisieren. Berlin ist im Vergleich zu den meisten anderen Großstädten Deutschlands eine arme Stadt. Dennoch hat sich Berlin seit der Maueröffnung zu einer der kulturell produktivsten Städte der Welt entwickelt. Berlin ist berühmt für seine Clubszene und die große Zahl der hier lebenden Musiker, DJs und bildenden Künstler. Hunderte von Galerien versuchen Kunst an Sammler zu verkaufen, die ebenso gern die Stadt besuchen wie junge Touristen aus der ganzen Welt.

Nach der Wende von 1989 war Berlin Restdeutschland um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus. Berlin-Mitte war eine Enklave in einem Land, das erst langsam begriff, was die Wiedervereinigung bedeutete. In Mitte feierte das Deutschland von morgen bereits seine Wiedervereinigung mit der Welt. Die klassenlose und farbenblinde Gesellschaft der Clubs, die babylonische Sprachvielfalt auf den Vernissagen, die Extravaganz der Straßenmode interessierte die Neugierigen aller Länder ungemein. Viele kamen für ein paar Tage, um schließlich hier zu bleiben. Wo sonst konnte man für so wenig Geld in einer so interessanten Stadt leben, in der die Nächte niemals endeten? Berlin ist arm und die Mieten vergleichsweise niedrig. So ist die wirtschaftliche Schwäche der Stadt auch eine Bedingung ihrer kulturellen Stärke.

Arm ist Berlin, seit der Krieg zu Ende ging, das Land und die Stadt geteilt wurde. Aber wann und wie wurde Berlin sexy? Zwar ist das Bild der Goldenen Zwanziger nie ganz verblasst. Dass Berlin aber auch heute wieder ein Ort der Verheißung ist, hat nicht nur mit dem Fall der Mauer zu tun. Die Wurzeln der kulturellen Explosion der frühen Neunziger reichen aber weiter zurück – in die verlassenen Straßenzüge von Berlin-Mitte, das Jahrzehnte in einem Land namens DDR lag, und die besetzten Häuser von Westberlin.