Bumm. Bumm. Bumm.

Bumm. Bumm. Bumm.

Als die Mauer fiel, strömten die Menschen aus dem Ostteil der Stadt nach Westen. Die bunten Waren der westlichen Konsumwelt gingen den umgekehrten Weg. Bald lag grüner Kunstrasen vor den Kiosken. Werbeschilder der Zigarettenmarke West drehten sich im Wind. Die weißen Plastikstühle, die die Globalisierung schon vorher in jeden Winkel der westlichen Welt gebracht hatte, standen auf den breiten Trottoirs im Osten der Stadt. Es waren aber nicht nur die bunten Dinge, die ihren Weg nach Osten fanden. Die neue Zeit wurde schon bald von einer neuen Musik begleitet. Die elektronischen Sounds und strengen Beats von Techno stampften aus Autoradios, sie diktierten den Tänzern in den Clubs der Stadt den Rhythmus. Schon bald nach Öffnung der Mauer sickerten junge Leute aus der gesamten westlichen Hemisphäre ins Zentrum der ehemaligen Hauptstadt der DDR, um zusammen mit ostdeutschen Ravern das ungeheuere Potenzial der Möglichkeiten, den weiten Raum der Zukunft mit einer Party zu feiern, die jeden Tag an vielen verschiedenen Orten stattfand und nie aufzuhören schien.

Nördlich des Checkpoint Charlie erstreckte sich 1990 eine Wildnis. Die Friedrichstraße lag in einer beinahe verlassenen, in der stadtplanerischen Hierarchie der Hauptstadt der DDR weit unten rangierenden Zone. Die Gegend des ehemaligen Regierungsviertels war von peripherer Ruhe geprägt. Viele der alten Häuser schienen leer zu stehen. Zwischen ihnen gähnten die Bombenkrater. Wilde Blumen blühten mitten in der Stadt. Wer von Süden kommend links in die Leipziger Straße abbog, erreichte bald die große Freifläche des Potsdamer Platzes. Wo einst der verkehrsreichste Platz Europas zu finden war, hatte sich eine Steppenlandschaft ausgebreitet. Tagsüber herrschte Stille, die nachts jedoch schon bald von einem festlichen Treiben unterbrochen wurde. Leute fuhren mit ihren Fahrrädern über den leeren Platz, um den Eingang des WMF zu suchen. Der Club befand sich einige Wochen lang in einer ehemaligen Toilettenanlage der S-Bahn. Man kletterte durch ein Loch im Boden hinunter in das weiß gekachelte Lokal. Trank Bier aus der Flasche und tanzte. Es war bereits das zweite WMF, denn der Club hatte seinen Namen von dem besetzten Haus der württembergischen Metallwaren Fabrik bekommen, in dessen Keller er gegründet worden war. Das Eckhaus mit dem alten WMF-Schriftzug stand an der Ecke Mauer – Leipziger Straße.