My Promised City Mumbai

Eure Stadt der unersättlichen Engel



Was ist das für eine Stadt?

Städte werden meist anhand von Klischees und/oder ihrer Verwaltungssysteme und Infrastrukturen wie unter anderem Städteplanung, Politik beurteilt. Städte sind jedoch alles andere als kristallisierte Entitäten oder Systeme. Eine gute Stadt ist eine, die sich jeder erfolgreichen Beschreibung oder Analyse entzieht – und genau eine solche Stadt ist Mumbai. Diese Metropole ist ein Sammelbecken für Gegenstände und Menschen. Wie in einem Mietshaus kann man durch Zimmer und Wohnungen, Treppenhäuser und Korridore gehen, sich ihren Grundriss anschauen oder sich auf die gegenüberliegende Straßenseite stellen, um auf ihre Fassade zu blicken; an jedem Ort wird man dabei vieldeutigen Charakteren begegnen, und wie in einem Puzzle kann man nur hoffen, das Bild zu vervollständigen – ein Bild des eigenen Verständnisses dieses Sammelsuriums an Menschen, Gegenständen und Bedeutungen.

Lassen Sie uns dazu einmal einen Blick auf „Street Corner“ von Sudhir Patwardhan, werfen, ein Gemälde einer Landschaft voller orchestrierter Gegenstände und Personen und sie auf typische Perec-Art aufzählen:

© Sudhir Patwardhan

Sudhir Patwardhan, "Street Corner", 1985, Öl auf Leinwand, 152 x 183 cm.


Drei Männer in einem roten Bus / ein Pärchen auf einem Motorroller / Ampeln / ein Mann und eine Frau auf einem Balkon (wahrscheinlich ein Ehepaar) / vier Kleidungsstücke, die auf dem Balkon trocknen/ eine Wand, von der die Farbe abblättert und eine offene Tür, die einen Blick in ein blau bemaltes Zimmer freigibt mit einem Kalender an der Wand / durch ein Fenster mit zweigeteilten Fensterläden / ein Mädchen, das singt oder sich streitet; ein alter Mann, der es anblickt / ein Bilderrahmen/ ein auf dem Boden sitzender alter Mann, mit dem Rücken zur Wand / ein Gesicht im Profil/ eine Frau, die kocht und Ratschläge erteilt (meist eine Mutter) / ein Junge, der lernt oder schreibt (meist der Sohn) / ein gefülltes Küchenregal / die Beine eines schlafenden Mannes (oder einer Frau) / eine alte Frau, die durch die Hintertür kommt / ein schlafendes Kind auf einer orangen Matte / eine schwarz-weiße Fahrbahnteilung aus Betonquadern / eine Frau mit einer Jhola beim Überqueren der Straße/ eine wie zufällig aufgetürmte Geröllmauer / auf der Straße liegender Stacheldraht / Holzbalken im Inneren eines Hauses/ ein mit Mangalore-Kacheln gedecktes Dach.

„Street Corner“ und Patwardhans „The City“ (1979) – mit einem Mann, der seinen Chai aus einer Untertasse schlürft, inmitten einer sehr urbanen, aber dennoch frisch wirkenden Umgebung und einem Mann, der sich gegen ein gitterartiges Geländer lehnt ist, so, wie ein Herumtreiber oder Faulenzer und auf den Bus schaut oder auf die Menschen darin, während im Hintergrund ein Paar nackte Beine in der Luft baumeln – beide Bilder kämpfen mit dem Puzzle namens Mumbai. Großstädtisches Beiwerk einer Metropole, die eng mit ihrer Vergangenheit (und Gegenwart) als Stadt der Zuwanderer verknüpft ist – eine nie zur Ruhe kommende Metropole, wo Schlafen, Warten, Suchen und Herumlungern weiterhin Bestandteile dieser Landschaft bleiben und Raum für Erfahrungen und Alltagsleben schaffen. Die Verkehrsampel (Vorbild für den gleichnamigen Bollywood-Film „Traffic Signal“ ) und der Rahmen eines steif wirkenden Porträts in einer Mietswohnung richten den Fokus auf Bewegung, Geschwindigkeit und Zeit – auf Kommen, Bleiben und Weitergehen.

Am Donnerstag, den 21. September 1995 sorgte das Phänomen Milch trinkender Götteridole landesweit für Schlagzeilen. Am größten aber war die Hysterie in Bombay, wo bis zum Nachmittag Gläubige wie auch Skeptiker zu den Ganesha- oder Shiva-Idolen geeilt waren, um sie Milch trinken zu lassen. Es heißt, an diesem Tag wäre die Milch tonnenweise aus der Stadt verschwunden, während diese Idole die Milch von Löffeln und aus Schälchen in sich hinein saugten. Das war der Tag des Milch-Wunders!

Die Details des Baustahlgitters, die Geröllmauer, der Balkon, die Brüstung und der Fußboden beginnen Bilder einer Stadt heraufzubeschwören, die sich stark anhand von Erlebtem charakterisieren lässt, anhand von dem, was optisch sichtbar ist und von anderen Zusammenhängen unterscheidet. In Gangadhar Gadgils „Prarambh“ beschreibt der alte Pandit, der gerade in die Stadt zu seinem Neffen gezogen ist, seine Eindrücke anhand von Bildern und Lauten der Dinge, die „anders“ sind. Jene sind, verglichen mit dem, was er bis jetzt kannte, und aufgrund der unwahrscheinlichen Größe der Stadt und einer neuen Baukultur, so ungewöhnlich, dass es auf ihn befremdend wirkt. Der alte Mann vergleicht das, was er in Bombay sieht mit Pune, dem einstigen Machtzentrum des Maratha-Reiches. Er sieht, dass diese Metropole eindeutig noch größer und noch beeindruckender ist – mit ihrem Mauerwerk, ihren Lauten und riesigen Hafenanlagen, neuen Gebäuden und Basaren, die noch größer und noch überfüllter sind. Und so beginnen über die ganze Stadt verstreute Gegenstände, die häufig nichts miteinander zu tun haben, plötzlich zueinanderzufinden, als ob sie schon immer Teil ein und desselben Geschichtenstroms gewesen wären, ein und derselben Erzählkultur. Diese weit verstreuten Gegenstände bilden die Kulisse zu einer Geschichte, die sich selbst in einen Großstadtraum verwandelt – den Lebensraum der Stadt Bombay oder Mumbai. Bombay/Mumbai ist vom Charakter her eine Stadt aus dem 19. Jahrhundert, die die Bestandteile eines modernen, postindustriellen Stadtbildes um sich scharte. Als für die Stadt das 21. Jahrhundert anbrach, wurden aus dem Streit um den Namen dieser Stadt, aus Ansprüchen auf die eine oder andere Art von Nationalismus, die gegeneinander ausgespielt werden, Programmierern und Softwareentwicklern, denen der gleiche Platz eingeräumt wird wie Leuten, die an Milch trinkende Ganesh-Idole glauben, neue Ideen, die von der Stadt Besitz ergreifen. Die Stadt wächst weiter, mit neuen Objekten und widersprüchlichen Ansichten, die weiter charakteristisch für diese Stadt bleiben; so als ob die Stadt Mumbai einst in einem mythischen Zeitalter und an einem mythischen Ort dazu auserkoren worden wäre „genau das“ zu sein!

Die Sachkultur dieser Metropole hat Gieve Patel in seinem Gedicht „From Bombay Central” verewigt.

Der Saurashtra Express wartet darauf, loszufahren
Geduldig an den Bahnsteig gefesselt,
Gutes Tierchen, während ich hineinklettere
Und mich auf meinen reservierten Fensterplatz setze,
Und es mir in der Kühle des halb leeren Abteils gemütlich mache, dringt der Gestank menschlicher Fäkalien undefinierbar und scharf von den benachbarten Bahnsteigen herüber.
Die Träger des Bahnhofs,
Budenbesitzer, Gauner und Landstreicher entleeren ihre Gedärme ohne Tickets in die Tiefen dieser wartenden Tierchen:
Gujarat Mail, Delhi Janata, Bulsar Express,


... ... ...

© Promised City

Genauso kann dem Mann in Patwardhans Irani Restaurant (1977) Folgendes durch den Kopf gegangen sein ...

Jahr für Jahr, für Jahr
Gelingt es ihnen nicht, an den Ort ihrer Herkunft zurückzukehren.
Viel ging ihnen verloren.
Eine Menge wurde erreicht.
Die Zeit bringt keinen Trost.
Erspare mir nur einen einzigen Augenblick des Leids und
ich werde dich nicht verlassen
Wie ein zerlumpter Bettler.
Mumbai,
meine geliebte Schlampe.
Erst wenn ich dich beraubt habe, werde ich gehen.


Irani Restaurants sind beliebte und preiswerte Speiserestaurants, die integraler Bestandteil der Stadtkultur von Bombay sind. Sie werden von zoroastrischen Iranern geführt, die im 13. Jahrhundert an der Küste von Gujarat landeten. Es heißt, sie hätten zunächst billige „Bun-Maska“ oder „Brun-Maska“ angeboten – süße Milchbrötchen mit weicher oder harter Kruste – die von den Hafenarbeitern, die Schicht arbeiteten,zum Tee als billiges aber sättigendes Frühstück verzehrt wurden,. Später dann führten sie in der Stadt Falooda ein, ein Milchgetränk mit Rosengeschmack und Fadennudeln und Tapiokasamen garniert. Bis weit in das 20. Jahrhundert sollen diese Zutaten aus dem Iran importiert worden sein. Irani Restaurants waren für ihre Ecklage berühmt, die nicht nur für ihre Gäste vorteilhaft war, sondern auch für eine gute Ventilation sorgte. Diese Restaurants waren beliebte Treffpunkte, insbesondere bei Studenten und Journalisten. Hier muss allerdings noch erwähnt werden, dass viele dieser Irani Restaurants McDonald Platz machten, nachdem diese alten Einrichtungen dem hohen Druck der Immobilienpreise nicht länger standhalten konnten.

Wie sich der Mann auf dem Balkon an jener Straßenecke in „Street Corner“ über „Zuhälter wundert, die gestehen eine Gruppe Fußgänger zu beobachten“, bleibt der kalte weiße Marmor der Irani Restaurants weiter ein Platz zum Unterhalten, wo man seine Sorgen los wird, auf Pump gegessen wird oder auch einmal umsonst. Die Kulisse zur Einsamkeit und Leere des Mannes im „Irani Restaurant“ bilden die schönen Spiegel und Glasmalereien von „jenem“ Bombay, das einst stolz war auf seine wohlhabende Kaufmannschaft und deren Errungenschaften. In den Spiegeln sind die Menschenmengen im Restaurant zu sehen, plaudernde Gruppen sowie die Spiegelbilder unzähliger Menschen aus der Großstadt, während auf einer verblassten Glasmalerei die heitere Landschaft einer weit entfernten idyllischen Welt an die Träume von einem verzauberten Ort oder an eine längst verflossene Zeit erinnert; von der Hoffnung auf eine Rückkehr zu etwas, was jetzt vielleicht noch schöner ist, als je zuvor, und von der Sehnsucht nach einem Zuhause, das jetzt eine Fantasie ist, viel schöner noch als die Realität. Der Mythos von der Stadt bringt den Mythos von der Vergangenheit und der Heimat hervor – Mythen, die sich im schmutzigen Fußbodenbelag mit italienischem Muster widerspiegeln, in den bunten Keramikkacheln oder einem trockenen Wasserhahn. Der Mann bleibt sitzen, schwerfällig und so formlos wie immer, während alles in seiner Umgebung – einst neu und elegant – jetzt heruntergekommen, leblos und glanzlos auf den sich zwar verlagernden aber dennoch weiter existierenden Mythos hinweist und Kritik übt am Großstadtglanz.

Bombay oder Mumbai blickt nicht auf die gleiche traditionelle Vergangenheit zurück wie andere alte Städte des Subkontinents. Es waren die Engländer, die die sieben Inseln als Hafen interessant fanden. Die Portugiesen hatten 1534 den Hafen „Bom Bahia“ oder den „Guten Hafen“ als eine Handelsniederlassung vom Sultanat von Gujarat erworben. Die Aktivitäten der Portugiesen und deren Erschließung von Grundbesitz beschränkte sich damals vor allem auf die Gegenden von Vasai (heute ein Vorort im Norden von Mumbai) und Mahim. Der Portugiese Garcia d’Orta interessierte sich aus botanischen Gründen für diese Inseln und ließ sein Haus auf der südlichen h-förmigen Insel bauen (hinter dem heutigen Asiatic Building), wo die Engländer später ihr Fort bauen sollten. 1661 gingen die sieben Inseln als Mitgift der Prinzessin Katharina von Braganza, die den englischen Thronfolger Charles II. heiratete, in den Besitz der englischen Krone über. Sie verpachtete diese Handelsniederlassung an die Ostindien-Kompanie. Als anfangs keine Gewinne erzielt wurden, beschloss man, die Entwicklung dieser Handelsniederlassung mit den Einnahmen zu finanzieren, die die Kompanie in Bengal und Bihar gemacht hatte. Im zweiten Jahr machte man sich ernsthaft Gedanken darüber, ob es aus geschäftlicher Sicht sinnvoll ist, die Handelsniederlassung Bombay zu halten, beschloss aber dann doch noch, weitere Gelder in dieses Unternehmen zu stecken – ein Zeichen für das Vertrauen, das man in diesen Vorposten hatte. Der Rest ist ja wohl dann Geschichte. Die Stadt wuchs langsam aber kontinuierlich weiter, bis aus ihr eine riesige und komplexe Metropole geworden war. Und während sie sich in eine der schönsten neo-gotischen Städte der Welt verwandelte, existierten ihre alten Dörfer und Obstplantagen weiter und fügten sich in das Bild der sich weiter ausbreitenden Großstadt ein.

Die Dörfer von Kalbadevi, die Häuser am Gamdevi und die Kolis vom Kilowad bildeten ursprünglich die erste urbane Geografie dieser Stadt. Auch wenn unter den Portugiesen aus Koliwad Cavel wurde, sind diese Namen Beweis für die Existeny von Dörfern und menschlichen Siedlungen, die es bereits vor Ankunft der Engländer auf dieser Insel gab. Laut „The Gazeteer“ wurde hier hauptsächlich mit Reis und Kokosfasern Handel getrieben. Auf den Inseln gab es außer Sumpfländern und Mangrovenhainen auch Palmenhaine und Obstgärten. Und auch hier erinnern die Namen von Straßen und Stadtvierteln wie Phanaswadi (Jackfrucht-Hain) oder Tardeo (Kokospalmenhain) an Orte aus der Zeit vor der Stadtgründung. Der Begriff “Wadi”, der dem Namen von Stadtvierteln angehängt uwrde, weist darauf hin, von welcher Gemeinschaft ein Viertel bewohnt wurde wie zum Beispiel Bhatia Wadi, Bhang Wadi oder Phanas Wadi. Bhatia Wadi wurde nach der Kaste oder Gemeinschaft benannt, die in diesem Gebäude lebte. Das zweite Beispiel – Bhan Wadi – besagt, dass an diesem Ort, wo sich einst auch das berühnte Parsee-Gujarati-Theater befand, mit Opium (Bhang) gehandelt wurde. Heute befinden sich hier ironischerweise die Niederlassungen von Vertretern, die für Arzneimittelfirmen arbeiten. Und der Name „Phanas Wadi“ leitet sich von dem Jackfrucht-Hain ab, den e shier vor 200 Jahren gegeben haben muss.

Die Stadt ist – mit ihrer Größe und Lage, ihrer Geschäftigkeit, wo man ständig auf der Suche nach Arbeit und neuen Verdienstmöglichkeiten ist oder einfach versucht, zu überleben – so zersplittert, dass dieser Ort einer endlosen Collage aus Bildern, Eindrücken und Gegenständen ähnelt. Im Fall von Mumbai benötigt man für eine ausführliche Beschreibung dieser zersplitterten Gemeinschaft mehr, als lediglich Phrasen und Labels wie „Stadt der Träume“ oder „Stadt der Superlative“. Solche Klischees überdecken die stärker nuancierten oder krasseren Unterschiede und Gemeinsamkeiten. „Slumdog Millionär“, ein Film, der das Fantasiegespinst eines „Niemandslandes” namens Bombay vorstellt, ist ein typisches Beispiel. Mit Bilderfolgen und Geschichten aus dieser Stadt, die man auseinandergerissen und wieder zusammengefügt hatte, schuf man eine Erzählung über die Stadt. . Während die Bilder und Geschichten wahr sein mögen, vermittelt die Erzählung aber keine richtige Vorstellung von der Stadt. Die Bilder bewegen sich in einer Welt, die weder ein Gefühl des Mythischen noch der Realität des Ortes oder Zeitpunktes der Handlung wiedergibt. Die Bilder der Stadt wurden mithilfe universaler Klischees fabriziert, die so weit entfernt von den lokalen Klischees waren, dass die Erzählung nicht einmal als ein weiterer Mythos von dieser Stadt gelten kann. Das, was der Film vorstellte, war ein „Trugbild“ .... Ein echtes Bild von dieser Stadt gibt es nach wie vor nicht. Ganz selbstverständlich aber hat sie ihre eigenen Geschichten, Bühnen und Charaktere. Die Figuren dieser filmischen Erzählung aber können nie echte Personen aus der Stadt Bombay/Mumbai sein.

Die Stadt Bombay wurde 1995 offiziell von der Landesregierung des Bundesstaates Maharashtra in Mumbai umbenannt, als dieser Staat von einer Koalition aus zwei rechten Parteien mit einer heimatorientierten, engstirnigen und fundamentalistischen Hindu-Agenda regiert wurde. Maharashtra ist ein Staat, der nach der Samyukta-Maharashtra-Bewegung im Jahr 1960 anhand sprachlicher Grenzen gebildet wurde, mit Bombay als Hauptstadt. Der frühere Staat Bombay war ein zweisprachiger Staat, wo die beiden Hauptsprachen Gujarati und Marathi gesprochen wurden. Der neue Staat Maharashtra wurde aus Teilen des ehemaligen States Hyderabad und des alten Staates Bombay gebildet. Heute hat nicht nur die Stadt zwei Namen, sondern auch viele ihrer Straßen, Plätze und öffentlichen Gebäude, wie das Prince of Wales Museum (Chhatrapati Shivaji Maharaj Vastu Sanghralaya, kurz: CSMVS!), Bahnhöfe wie der Victoria Terminus, kurz: VT, woraus CST wurde (Chhatrapati Shivaji Terminus) und der Inland- und internationale Flughafen, der ebenso nach Chhatrapati Shivaji benannt wurde. Die beiden anderen Mitbewerber in diesem Fall waren Indira Gandhi (die ehemalige Premierministerin) und JRD Tata (ein führender indischer Unternehmer, begeisterter Flieger, Gründer Indiens internationaler Fluglinie Air India und Philanthrop). Den Sieger kennt ja wohl jeder!

Die Großstadt Mumbai ist auch eine Stadt, in der „urbane Charaktere” eine maßgebliche Rolle bei der Gestaltung unseres Mythos und unserer Erzählungen spielen. So, wie der Raum und die Geografie einer Stadt ihr Image und Vorstellungen von ihr bestimmen, und die Wiedergabe jenes Image und jener Vorstellungen eine neue Reihe von Bildern kreiert, gehören auch die Personen, die in den Häusern und auf den Straßen der Stadt leben, zu den zentralen Motiven des Stadtbildes.. Diese Motive tragen dazu bei, sich vorzustellen und zu verstehen um was für einen Ort es sich handelt, wie man hier arbeitet und lebt. Taxifahrer, Autorikscha-Fahrer, der Chaiwalla (der Junge von der Teebude), der Laufbursche des örtlichen Xerox- (Fotokopier)Ladens oder der Barbier aus dem „Persian Saloon“ an der Ecke oder dem „National Haircutting Saloon“ – wie auch der Müllsammler, der mit den Bewohnern dieser Großstadt eigentlich nichts zu tun hat, dennoch aber im physischen und kulturellen Schauspiel dieser Stadt eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt – sie alle machen das Stadtbild aus. Die Kultur des Schmutzes und der Sauberkeit, die Kultur der freundlichen Gegenden und der üblen, der sicheren Orte und „nicht so sicheren“ Orte fügt sich zu einem für jeden Einzelnen individuellen Stadtplan zusammen. Insbesondere in einer Großstadt wie Mumbai, die seit alters Menschen sämtlicher Landessprachen, Ethnien, Kulturen, Ernährungsgewohnheiten, Gewerbe und Berufe, Einkommensgruppen und Kleidungsgewohnheiten anlockt, die hier ein neues Zuhause suchen, wird es zunehmend komplizierter, die Entwicklung des Stadtbildes zu verfolgen.