Die Pioniere des Kapitalismus

Die Pioniere des Kapitalismus

Der Popkultur-Archetyp des zeitgenössischen Warschauer „Pioniers“ ist Magda M., die Heldin einer Serie des Fernsehsenders TVN, eine ehrgeizige Juristin, aufgewachsen in Olsztyn, aber ausgebildet in Warschau. Magda und ihre Bekannten – sie sind ehrgeizig, stets in Eile, aber gepflegt und finden Zeit für Sport, – gelten als Beispiel dafür, was jemand „die Warschauer Behandlung” genannt hat – die Verwandlung des Provinzlers in ein Großstadtwesen. Ein Wesen, das mit seinem übertriebenen Großstädtergebaren den Verheißungen des kosmopolitischen Lebens erliegt und einem Neophyten gleicht. Als Magdas Arbeitskollege ein seelisches Tief hat, kauft sie ihm Sushi zum Mitnehmen und führt ihn zum Lunch auf das Dach eines Bürohochhauses, von wo aus man einen Blick auf die Wolkenkratzer der Warschauer „City“ hat. Ihr bestes Antidepressivum sind allerdings die Piroggen ihrer Mama aus Olsztyn. Aber Warschau ist in der Popkultur auch eine undankbare Stadt, die keine Versprechen hält, kalt, anonym und gleichgültig. Der Hit „Stacja Warszawa” (Station Warschau) der Band Lady Pank zeichnete ein ähnliches Bild, voller Mitgefühl für die desorientierten und verwirrten Provinzler. In dem Song sind „die Gesichter in der U-Bahn fremd …/wozu sollte man sich auch kennen”.