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      Leben (Spielbericht)

      Computerspiele sind notorisch dafür, dass man in Ihnen das Leben verliert, was häufig sehr explizit dargestellt wird. Aber auch dafür, dass man mehrere Leben besitzt und einfach weiter machen kann. Der Verlust des Lebens kann zusätzlich dramatisch inszeniert werden, indem ein Energiebalken stetig abnimmt, wenn der Spielfigur etwas widerfährt, ein ständig präsenter Countdown zum Tod, so will es scheinen. Dieses alles nun mit eschatologischen und existentialphilosophischen Konzepten in Verbindung zu bringen, etwa der buddhistischen Reinkarnation, ist typisch menschlicher Narzissmus. Gerade die Inszenierung durch Messbalken macht klar, dass das Leben im Computerspiel nur ein Dokument ist für durchlaufene Spielzeit, gemeisterte Aufgaben und erworbene Erfahrung, und dass der Verlust eines Lebens nur die Chiffre ist, mit der ein krasser Spielfehler in das Dokument eingetragen wird. So betrachtet findet man dann Leben in vielen Spielen: die korrespondierend gefüllten Figurenhäuser beim Mensch-ärgere-Dich-nicht, die Statistiken von Spitzensportlern, die Spielberichtsbögen bei Wettkämpfen, die gesammelten geschlagenen Figuren beim Schach, den Stapel an gemachten Stichen beim Skat. Man muss Leben nämlich nicht immer verlieren, man kann es auch anwachsen lassen.