Kunst, Architektur, Design

„Die Toten waren meine Nachbarn und Freunde“

 Angelika Boeck berichtet über Ihr Kunstprojekt „Memory Nablus“ im Rahmen der Ausstellung „Between Ebal and Gerzim“ 2011

MEMORY NABLUS ist ein Kunstprojekt für den öffentlichen Raum der palästinischen Stadt Nablus und eine Initiative, die ihre Bewohner zur Fortsetzung einlädt: Zehn Inschriften umgeben den Diwan in Yassmineh, einem Quartier das während der Intifada stark zerstört wurde. Der Diwan ist ein traditioneller Versammlungsort um gemeinsam Feste zu feiern oder Entscheidungen zu fällen. Die in Steinplatten eingravierten Texte entstanden anhand von Gesprächen mit Einheimischen über „Glückliche Augenblicke“. Die Inschriften stehen unzähligen, über den Stadtraum verteilten Erinnerungstafeln an die Opfer des Israel-Palästina Konflikts, gegenüber. Während die ersten, auf dem Platz angebrachten Texte z. B. Die Kindheitserinnerung an das freitägliche Badevergnügen in einem mittlerweile zerstörten öffentlichen Brunnen heraufbeschwören oder die Initialzündung für die Idee zum Schreiben eines Liebesromans bezeichnen, fordert die Initiative die Bewohner von Nablus dazu auf mit ihren privaten Erinnerungen, die im Laufe der Zeit ein kollektives Gedächtnis abbilden, den öffentlichen Raum wieder in Besitz zu nehmen.

Zwei Beispiele:

„Am Grab eines Märtyrers beschloss ich eine Liebesgeschichte zu schreiben. Während der beiden Invasionen waren junge Männer mit alten Gewehren die Festung unserer Stadt. Wir waren enttäuscht, als die Männer den Kampf aufgaben. Als sie die Waffen niederlegten, habe ich aufgehört zu schreiben.“ „All diese Toten waren meine Nachbarn und Freunde. Ich kann nicht mehr glücklich sein. Ich wünsche mir, dass wir Palästinenser wieder Freude empfinden können.“

Angelika Boeck (geboren 1967) hat an der der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Sie lebt und arbeitet zwischen München und Malaysia.

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