„Respekt schafft Vertrauen“ – Linda Poppe im Gespräch
Linda Poppe von Survival International berichtet, wie die Menschenrechtsorganisation den Yanomami und anderen indigenen Gruppen hilft, ihr Leben zu verteidigen, ihr Land zu schützen und ihre Zukunft selbst zu bestimmen.
Frau Poppe, was ist Survival International, und wofür setzt sich Survival International ein?
Survival ist die einzige internationale Menschenrechtsorganisation, die für indigene Völker weltweit kämpft. Wir konzentrieren uns dabei auf Gruppen, die noch relativ wenig Kontakt zur „Außenwelt“ haben – diese haben am meisten zu verlieren und oft keine andere Lobby. Wir helfen ihnen, ihr Leben zu verteidigen, ihr Land zu schützen und ihre Zukunft selbst zu bestimmen. Und das schon seit über 40 Jahren und mit Unterstützern rund um den Globus.
„Aufklären und die Öffentlichkeit sensibilisieren“
Was ist Ihr Part in der Arbeit von Survival International?Ich selbst arbeite im Berliner Büro von Survival und informiere von hier im deutschsprachigen Raum über die Situation indigener Völker. Wir versuchen aufzuklären und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und in unsere Kampagnen einzubeziehen. Die Öffentlichkeit – jeder Einzelne also – ist es schließlich, die die Verletzung der Rechte indigener Gruppen beenden kann.
Momentan machen sich die Yanomami große Sorgen, weil verstärkt illegale Goldgräber in ihr Gebiet kommen. Welche Gefahren gehen von den Goldgräbern aus?
Existenzielle Gefahren. Sehr häufig schleppen die Goldgräber Krankheiten in das Gebiet ein, gegen welche die Yanomami keine oder nur geringe Abwehrkräfte haben. Beim Schürfen von Gold kommt zudem Quecksilber in die Flüsse, und die Yanomami werden krank oder sterben an den Folgen des verschmutzten Wassers. Leider hören wir auch immer wieder von gewaltsamen Zusammenstößen mit bewaffneten Goldgräbern. In der Vergangenheit wurden sogar wiederholt Yanomami ermordet.
„Kollaborationen wie das Amazonas-Projekt tragen zu positiven Erfahrungen bei“
Bereits in den 1980er-Jahren gab es eine für die Yanomami verheerende Invasion von Goldgräbern – 20 Prozent der Indigenen starben. Wie kann Vertrauen wiederhergestellt werden?Im Kern ist es ganz einfach: Wenn die Außenwelt den Yanomami und ihren (Land-)Rechten mit Respekt gegenübertritt, kann Vertrauen wieder entstehen. Die Yanomami sind schon seit längerem mit Mitgliedern der „Außenwelt“ im Kontakt. Dabei haben sie erfahren können, dass nicht alle „Weißen“ ihnen Schaden zufügen. Davi Yanomami, Sprecher der Yanomami, hat zum Beispiel schon mehrmals Europa bereist und dadurch erfahren können, dass viele „Weiße“ sein Volk unterstützen. Kollaborationen, so wie das Amazonas-Projekt, tragen zu diesen positiven Erfahrungen bei.
Ist die brasilianische Regierung durch die schlimmen Ereignisse in den 1980er-Jahren aufmerksam geworden? Was tut sie zum Schutz der Yanomami?
Formell sind die Rechte der Yanomami und anderer indigener Gruppen in Brasilien geschützt. Das Gebiet der Yanomami wurde auf internationalen Druck 1992 unter Schutz gestellt, und es gibt sogar eine Behörde, die für den Schutz der indigenen Bevölkerung zuständig ist (FUNAI). Doch leider ist es in der Praxis nicht immer so leicht. Momentan sehen wir wieder, dass die Behörden nichts gegen die Goldgräber unternehmen, die illegal in das Schutzgebiet eindringen. Dies hat fatale Folgen, denn der Schutz ihres Landes ist der Schlüssel zum Wohlergehen der Yanomami – und anderer indigener Völker.
„International Gehör finden“
Wie hilft Survival International den Yanomami?Wir unterstützen die Yanomami dabei, in Brasilien und international Gehör zu finden. So üben wir gemeinsam Druck auf die Behörden aus, ihre Versprechen einzuhalten und aktiv zu werden. In der Vergangenheit konnten wir damit den Schutz des Landes der Yanomami erreichen. Auch heute sind wir zuversichtlich, helfen zu können.
Das Gespräch führte Verena Hütter im August 2010.




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