Europa

Komm zurück! Das portugiesische Rückkehrer-Programm in Lissabon

cristinamaciaFoto: JESHOOTS-com: https://pixabay.com/de/users/jeshoots-com-264599/Während der Finanzkrise, zwischen 2010 und 2015, sind über eine halbe Million Portugiesen in der Hoffnung auf eine bessere berufliche Zukunft ins Ausland ausgewandert. Nun hat sich das Blatt in Portugal gewendet, es weht ein neuer politischer Wind und das Land profitiert von wirtschaftlichem Aufschwung. Viele Portugiesen sind bereits wieder in die Heimat zurückgekehrt. Mit Steuervorteilen sollen nun noch mehr von ihnen zurückgeholt werden.

Der Abwanderungstrend geht eindeutig zurück. Etwa 350.000 Portugiesen, die ihr Land während der Krise verlassen haben, sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt. 60 % davon sind zudem in weniger als einem Jahr zurückgekommen. „Kurzzeitmigranten“ also. Die Politik versucht nun, diese Tendenz weiter zu verstärken und den Rückkehrern unter die Arme zu greifen. Das sogenannte „Programa Regressar" wurde auf Initiative des Premierministers António Costa für 2019 und 2020 ins Leben gerufen. Es möchte die Rückkehr von im Ausland lebenden Portugiesen mit steuerlichen Vorteilen attraktiv machen. Demnach ist im Staatshaushalt 2019 vorgesehen, die Rückkehrer mit einer Reduzierung der Einkommenssteuer um 50 % des Gesamteinkommens zu unterstützen. Diese Vorteile gelten in den folgenden 3 bis 5 Jahren, nach Rückkehr im Jahr 2019 oder 2020. „Eine Zukunft mit den besten Möglichkeiten für alle Generationen herstellen", heißt es auf der Seite des Staatshaushaltes von 2019.

Foto: cristinamacia - https://pixabay.com/de/photos/lissabon-retuschieren-1450809/Klingt erst einmal ziemlich attraktiv! Trotzdem wird das Programm von vielen Portugiesen eher belächelt. Denn das „Fenster" für die Berechtigten dieses Steuervorteils ist relativ klein. Profitieren können nur diejenigen, die bis Ende Dezember 2015 steuerpflichtig in Portugal lebten und mindestens in den letzten 3 Jahren vor Rückkehr ihren Wohn- und Steuersitz im Ausland hatten. Zudem muss man natürlich erst einmal einen festen Job in der Heimat finden, der überdurchschnittlich gut bezahlt ist, denn wer den Mindestlohn von 600 Euro im Monat verdient ist so oder so von der Einkommenssteuer befreit. Einen attraktiven und sicheren Arbeitsplatz mit festem Vertrag zu finden ist aber nach wie vor eine der großen Herausforderungen in Portugal. Vor allem junge Menschen sehen ihre Chancen auf dem portugiesischen Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich immer noch schlecht. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 16,5 % (Stand: März 2019). Damit liegt Portugal, von den 28 EU-Mitgliedsstaaten auf dem 20. Platz. - Deutschland steht auf Platz 1 mit einer Rate von 5,6 %.

Doch auch wenn das Programm nur einen kleinen Teil der Auswanderer anspricht, scheint es ein einfallsreicher Weg der Politik zu sein um zu sagen: „Komm zurück! Du bist uns nicht egal und hier hast du einen kleinen Bonus."

Das Rückkehrerprogramm ist aber nicht die einzige politische Initiative der Regierung, die auf eine bessere Zukunft der Portugiesen setzt. Weitere Programme, z.B. in dem Bereich Wohnraum, wurden im Staatshaushalt mit eingerechnet. Auf Tudo Alemão kannst du in der nächsten Woche mehr über dieses Programm erfahren.
Eva Gür
hat in Deutschland Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Multimedia-und Musikjournalismus studiert. Sie hat für diverse Rundfunk- und Kultureinrichtungen gearbeitet. Seit Anfang 2013 lebt sie in Lissabon und beschäftigt sich mit der portugiesischen Kulturszene.

Copyright: Tudo Alemão
Oktober 2019

Originalsprache: Deutsch.
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