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Technologie und Umwelt
- Kann die Tech-Branche die Welt retten?
Web Summit 2017

© Eva Gür© Eva GürNeben Künstlicher Intelligenz, fliegenden Autos und Cyber War standen auch Nachhaltigkeit und Klimawandel ganz groß auf dem Programm der größten Technologiemesse der Welt. Der Web Summit 2017 verwandelte Lissabon vom 6. bis zum 9. November zum weltweit heißesten Pflaster der Tech-Branche.

Wir alle leisten uns täglich mindestens eine Umweltsünde: Wir trinken Kaffee aus Aluminiumkapseln, fahren mit dem Auto zur Arbeit, vergessen unseren Stoffbeutel zum Einkaufen gehen und kaufen so doch wieder Plastiktüten - ganz zu schweigen von Plastikverpackungen. Wir essen Fleisch und schmeißen Essen weg. Die Liste ist lang und eigentlich sind es alles Dinge, die wir vermeiden könnten. Wenn sie eben nicht so praktisch und außerdem schon längst bequeme Angewohnheiten wären. Um solche Alltagssünden zu verringern und die Auswirkungen dieser auf unsere Umwelt zu stoppen, stellt die Technologie-Szene nun immer mehr Ideen vor. Global Player und Startups setzen sich mit weltverbessernden Praktiken auseinander und wollen mit ihren Apps und Unternehmensideen ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen. Es geht um smarte Lösungen, um nachhaltig eine grünere Welt zu schaffen und mit den Fehlern der letzten Jahrzehnte aufzuräumen.

Das globale Problem „Food Waste“

© KARMAEin Drittel aller Lebensmittel weltweit werden einfach so entsorgt, obwohl sie einwandfrei essbar wären. Das sind, laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, rund 1,3 Billionen Tonnen pro Jahr. Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben sich im September 2015 auf der Klimakonferenz Paris dazu verpflichtet, die verabschiedeten Ziele für eine nachhaltige Entwicklung einzuhalten. Eines dieser Ziele ist es, die Lebensmittelverschwendung pro Kopf bis 2030 zu halbieren. Zusätzlich soll der Lebensmittelverlust bereits bei der Herstellung und den Lieferketten massiv verringert werden. Die Technologieszene hat dafür bereits konkrete Lösungsansätze parat. So zum Beispiel KARMA aus Stockholm. Mit der KARMA-App kannst du dich als Käufer oder Verkäufer anmelden und so Essen, was sonst im Müllcontainer des Supermarkthinterhofs landen würde, günstig in deiner Stadt kaufen. Damit tust du etwas für deinen Geldbeutel und die Umwelt. Hier wird ganz klar auf ein Umdenken in der Gesellschaft gesetzt. Smartes und bewusstes Einkaufen soll eine grünere Zukunft bringen.

Eine Welt aus Plastik

AlwaysBLU aus Kanada denkt noch einen Schritt weiter und kümmern sich gleichzeitig um die Reduzierung von Plastik. In der EU wird ein Drittel des Plastikmülls nicht recycelt sondern in der Natur deponiert. Millionen von Tonnen Plastik landen dabei im Ozean. Vögel und Meeresbewohner verheddern sich im Plastikmüll und sterben. Zudem nehmen sie Mikroplastikpartikel auf und das giftige Plastik landet somit oft wiederum auf unserem Teller. Wir müssen uns also nicht nur um das bereits vorhandene Plastik kümmern, sondern dafür sorgen, dass so wenig wie möglich neu hergestellt wird. AlwaysBLU stellt aus Nahrungsmittelabfällen karbonfreies Plastik her. Stell dir also vor, aus der Bananenschale, dem harten Brot und dem gelb gewordenem Brokkoli in deiner WG-Küche könnte deine neue, wiederverwendbare Trinkflasche werden- klimaschonend hergestellt und 100% recycelbar.

© AlwaysBLUFilamentive aus Leeds wiederum verkaufen recycelten Kunststoff für den wachsenden 3D-Drucker Markt. Mit 3D-Druckern kann man sich Einzelteile oder vollständige Produkte aus Kunststoff designen und dreidimensional drucken. Dahinter verbirgt sich an sich schon eine nachhaltige Idee, denn im Prinzip muss man nicht mehr ein ganzes Gerät wegschmeißen, nur, weil ein Teil davon kaputt gegangen ist. Nein, man stellt ganz einfach das fehlende Teil wieder her und vermeidet somit Müll. Warum also nicht auch gleich recycelten Kunststoff verwenden? Diese drei Startups haben sich, wie viele ihrer Kollegen, auf dem Web Summit präsentiert und einen positiven Eindruck hinterlassen.

Veränderung: Jetzt!

Und auch die einflussreichsten Tech-Größen und Umweltaktivisten der Welt brachten es auf dem Web Summit immer wieder ganz konkret auf den Punkt: Wir müssen JETZT etwas tun. Die Technologiebranche sieht sich mit verantwortlich, wachsende Probleme wie den Klimawandel, Wasserverschmutzung und Müll zu besiegen. „Wir sprechen nicht von der Zukunft unserer Kinder und Enkel, wir sprechen von unserer eigenen!“ äußerte sich Dianna Cohen, Co-Gründerin und CEO von Plastic Pollution Coalition. Die Organisation kämpft seit 2008 gegen die weltweite Verschmutzung durch Plastik. Der Ex-Vizepräsident der USA, Al Gore, präsentierte seinen neuen Dokumentarfilm „Immer noch ein unbequeme Wahrheit-Unsere Zeit läuft“ und beendete den Web Summit 2017 mit einer bewegenden Rede über den Klimawandel und unsere Verpflichtung zu Handeln: „Ich bin nicht hier, um euch zu unterhalten, sondern um euch zu rekrutieren!“

Es liegt in unserer Hand.
Eva Gür
hat in Deutschland Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Multimedia-und Musikjournalismus studiert. Sie hat für diverse Rundfunk- und Kultureinrichtungen gearbeitet. Seit Anfang 2013 lebt sie in Lissabon und beschäftigt sich mit der portugiesischen Kulturszene.

Copyright: Tudo Alemão
Dezember 2017

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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