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Urban Gardening in Berlin: Die Prinzessinnengärten

© Jonathan Date© Birke Carolin ReschIn vielen Städten haben moderne Formen des Urban Gardening einen neuen Trend geschaffen: Gemeinschaftsgärten als Orte der Begegnung und des gemeinsamen Lernens und Experimentierens. So wie bei dem Vorzeigeprojekt Prinzessinnengärten in Berlin.
Der Moritzplatz in Kreuzberg ist ein vielbefahrener Kreisverkehr, den Autofahrer von Berlin Mitte kommend passieren müssen. Hier gibt es ein Sonnenstudio, Aldi ist gleich um die Ecke, im Hintergrund ragen Plattenbauten in den Himmel. Ein Ort zum Durchfahren, wenn man nicht gerade etwas zu erledigen hat. Seit 2009 gibt es aber einen anderen Grund, hier anzuhalten: Direkt am Kreisverkehr, hinter einem mit Hopfen bewachsenen Metallzaun, befindet sich ein Stückchen grüner Natur inmitten der Großstadt Berlin: die Prinzessinnengärten.

Gemüse aus Plastikkisten

© Birke Carolin ReschMit einem Schritt durch die Tür im Zaun stehen Besucher mitten in einem blühenden Gemüsegarten mit Schmetterlingen und summenden Bienen. Aus gebrauchten Plastikkisten und Reissäcken, die in ordentlichen Reihen nebeneinander stehen, grünt und sprießt es: Kartoffeln, Karotten, Salate, Mangold, Fenchel, Basilikum, Thymian und vieles mehr gedeiht hier neben Kornblumen, Malven und Kapuzinerkresse. Hochgewachsene Tomatenpflanzen an improvisierten Gittern hängen voller roter Früchte. In recycelten Milchpackungen wachsen Jungpflanzen – alles rein ökologisch, frei von Pestiziden und chemischen Düngemitteln.

Geschaffen haben dieses urbane Gartenparadies die Kreuzberger selbst. Im Sommer 2009 beseitigten sie gemeinsam den Müll auf der Fläche, die vorher 60 Jahre lang brach gelegen hatte, und bepflanzten die ersten 100 Beete. Hinter der Initiative stehen Marco Clausen und Robert Shaw, die beide anfangs kaum Erfahrung als Gärtner hatten.

Vom Selbstversorger-Garten zum Gemeinschaftsprojekt

© Birke Carolin ReschInspirieren ließ sich Co-Founder Robert Shaw von Selbstversorger-Gärten auf Kuba. Urbane Gärten sind nämlich streng genommen gar keine neue Idee: Laut Wikipedia gibt es urbane Landwirtschaft, seit Städte existieren. Der Fokus lag anfangs jedoch auf der Nahrungsmittelversorgung: Transportmöglichkeiten waren begrenzt, Lebensmittel mussten regional angebaut werden. Auch heute kommt urbanen Gärten in Regionen mit Versorgungsengpässen diese Bedeutung zu, zum Beispiel in Moskau und Sankt Petersburg oder eben auf Kuba. In Berlin und vielen anderen Metropolen hat sich Urban Gardening aber längst zu innovativen Gemeinschaftsprojekten entwickelt, die über diese Grundidee hinausgehen: Die Prinzessinnengärten sind nicht nur ein Ort der nachhaltigen und ökologischen Lebensmittelproduktion, sondern auch Lernplattform, Begegnungsstätte und Veranstaltungsort für diverse Events und Aktivitäten wie Konzerte, Workshops oder Flohmärkte.

Ort der Begegnung

„Wir haben keinen geschlossenen Garten, der sich von der Stadt und seinen Bewohnern abgrenzt, wie vielleicht der Schrebergarten oder der private Hausgarten. Sondern wir wollen einen Garten, der sich zur Stadt öffnet“, erklärt Marco Clausen die Grundidee in einem Video auf der Webseite des Projekts. Und das fasst gut zusammen, worum es geht: Mindestens ebenso wichtig wie die sinnvolle Nutzung von brachliegenden Flächen ist das gemeinschaftliche Arbeiten an einem Projekt sowie Kontakt und Austausch, der zwischen Anwohnern entsteht, die sich sonst vielleicht nicht einmal Guten Tag sagen würden.

Gerade in den Prinzessinnengärten funktioniert dieser Ansatz gut, denn die Kreuzberger sind eine besonders bunte Mischung: Im Garten sieht man Frauen mit türkischen Wurzeln und Kopftuch genauso wie alteingesessene Berliner, Rentner, Jugendliche, Familien mit Kindern, Touristen und Hipster. Sie alle arbeiten hier zusammen, um eine andere Vision des Zusammenlebens in der Stadt zu verwirklichen: grüner, gemeinschaftlicher und nachhaltiger.
Birke Carolin Resch
hat in Hamburg, Kopenhagen und Amsterdam Ethnologie mit Schwerpunkt Migration studiert. Sie ist in Berlin geboren, hat die deutsche Hauptstadt aber erst in den vergangenen vier Jahren kennen und lieben gelernt. Nun hat es sie nach Lissabon verschlagen, wo sie als freiberufliche Deutschlehrerin arbeitet, in jeder freien Minute zeichnet und in ihrem Blog (ZwischenLissabonundBerlin) über Lissabon und Berlin berichtet.

Copyright: Tudo Alemão
Januar 2018

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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