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Fairmondo
Die faire Alternative im Online-Handel

Jonathan Date© FairmondoFairmondo ist eine Plattform, die versucht, eine faire Alternative im Online-Handel zu bieten. Bücher, Lebensmittel, Mode, Sportartikel, Möbel oder auch Schreibwaren werden hier seit 2014 auf dem Online-Markt angeboten– und zwar alles ganz fair.
Aber was genau bedeutet das?
Zuerst einmal heißt es, dass Fairmondo nicht von großen Investoren abhängig sein möchte, sondern von vielen kleinen Investoren, zumeist Privatpersonen, aufgebaut wird. Sprich: Fairmondo ist zu 100 Prozent Eigentum seiner Mitarbeiter und Nutzer. Wie funktioniert das? Wer finanziert die Plattform und wie werden Mitarbeiter bezahlt?

Jeder, der sich für diese faire Genossenschaft interessiert, kann Mitglied werden und das Unternehmen so aktiv mitgestalten und kontrollieren. Von 10 bis 25.000 EUR kann man investieren - mehr nicht, um Mono-
polisierung, finanzielle Abhängigkeit oder ein großes demokratisches Ungleichgewicht zu verhindern. Entsprechend der Investition wird man an Gewinnen beteiligt. Das demokratische Mitspracherecht ist hingegen für alle Investoren gleich.

© FairmondoTudo Alemão hat mit Christian Peters, dem Verantwortlichen für Social Media, gesprochen. Er selbst ist seit 2014 Mitglied der Genossenschaft, auf die er durch ein Fernsehpro-
gramm aufmerksam geworden ist. Das Konzept gefiel ihm so gut, dass er sich kurzerhand bewarb und im Jahr 2015 eine Zeit lang sogar in Vollzeit die Presse- und Öffentlich-
keitsarbeit sowie die Social Media-Betreuung übernahm. Inzwischen ist er nur noch ehrenamtlicher Betreuer der Social Media und beantwortet Presseanfragen, die jedoch immer seltener werden. Überhaupt ist die Situation nicht einfach zurzeit, lässt Christian mich wissen. Fairmondo hat Personalmangel, viele Mitglieder müssen ihre Arbeit in der Genossenschaft nach einiger Zeit niederlegen. Das macht mich neugierig.

Woran liegt das? Hat Fairmondo nicht den erhofften Erfolg?

„Nein, das ist absolut nicht das Problem!“, antwortet mir der Berliner. „Das Hauptproblem ist ganz einfach, dass man nicht ein Leben lang hier arbeiten kann, da man nicht genug Geld verdient. Und so verlieren wir leider immer mehr Arbeitskraft und Expertise, und das, obwohl die Leute nicht gehen wollen, sondern müssen. Irgendwie muss man ja sein Brot verdienen, oder?“

Und wie kann man da helfen?

„Nun, Fairmondo macht einen Schritt nach dem anderen. Eine große und gute Neuigkeit ist, dass wir inzwischen zu einer wirklichen Alternative im Buchhandel geworden sind. Man findet eine nicht zu unterschätzende Zahl von Buchtiteln bei uns, welche bei Bestellung zuverlässig verschickt werden. Wer bei uns Bücher kauft, anstatt sie bei den gängigen Online-Riesen zu erwerben, hilft unserer Genossenschaft erheblich. Eine andere Möglichkeit ist, ganz einfach Mitglied zu werden. Es gibt vielfältige Möglichkeiten für eine Mitarbeit, man kann beispiels-
weise ein Praktikum absolvieren oder sich ehrenamtlich engagieren. Ich denke, das ist auch eine super Chance, mal einen Blick in die Berliner Start-up-Szene zu werfen und da Erfahrung zu sammeln. Eine Mitglied-
schaft hat außerdem den Vorteil, dass man dann die Unternehmens-
politik aktiv mit gestalten kann und soll.“

Ich verstehe. Zur Unternehmenspolitik: Ihr bezeichnet euch selbst als „Genossenschaft 2.0” oder kurz „Geno 2.0”. Euer erklärtes Ziel ist es, eine fairere Wirtschaft aufzubauen. Eure Grundsätze sind deshalb u.a. Transparenz, faire Gewinnaus-
schüttung, innergenossenschaftliche Demokratie und faire Grundprinzipien. Kannst du uns das etwas genauer erklären? Was sind „faire Grundprinzipien” und welche Auswirkungen haben diese auf euren Arbeitsalltag? Sprich: Was tut ihr tag-
täglich dafür, um Transparenz, Demokratie und Fairness zu gewährleisten?

© Fairmondo„Richtig, mit unseren 10 fairen Grundprinzipien gehen wir weiter als jedes andere Unternehmen, das ich kenne. So veröffentlichen wir beispielsweise unsere Bankkonten und jeder kann unsere Transaktionen nachvollziehen. Geschäftszahlen und Steuererklärung sind ebenfalls öffentlich. Außerdem haben wir ein festgeschriebenes Gehaltsverhältnis von 1:3, in einem normalen DAX-Konzern ist dieses Verhältnis 1:50. Auch wenn ich zugeben muss, dass es aktuell leider keine Festange-
stellten gibt sondern nur ehrenamtliche Kräfte und den ein oder anderen Mitarbeiter auf Midijob-Basis.

Die von dir angesprochene Fairness bezieht sich im Übrigen nicht nur auf unsere Mitmenschen: Unser viertes Grundprinzip ist Fairness gegenüber der Umwelt. Wir versuchen in allen Geschäftsaktivitäten stets umwelt- und klimaschonende Optionen zu wählen, nutzen Öko-
strom, arbeiten möglichst mit fair handelnden Partnern zusammen, lassen Flyer, Infobroschüren o.ä. in einer Umweltdruckerei drucken etc.“

Kann ich auch als Nicht-Mitglied von der Arbeit von Fairmondo profitieren?

Der Marktplatz von Fairmondo ist für jeden zugänglich. Weder um Artikel anzubieten noch um sie zu erwerben, musst du Mitglied der Genossenschaft sein. Hier können private Nutzer ohne Anmeldege-
bühren gebrauchte und neue Artikel verkaufen, verschenken oder auch einfach nur verleihen und umgekehrt. Besonders ist dabei auch, dass es nicht nur die bei anderen Verkaufsplattformen üblichen Kommentare zu Qualität und Seriosität der Anbieter und Objekte gibt, sondern auch ein Forum, in dem sich die Nutzer untereinander austauschen und beraten können.

© FairmondoAuch gewerbliche Anbieter können Artikel kostenlos einstellen, bei Verkauf werden jedoch 7% des Preises von Fairmondo einbehalten – bei fair gehandelten Artikeln hingegen nur 4%, von denen 1% durch Fairmondo automatisch an transparency international, welche sich international für Korruptionsbekämpfung einsetzt, gespendet wird. Das faire Prozent nennt die Genossenschaft das. Ein weiterer Indikator für die Einstellung von Fairmondo. „Wir sind keine gemeinnützige Orga-
nisation“, erklärt Christian, „wir wollen schon Gewinne erzielen - aber fair! Wir sind komplett gegen Steuervermeidung und zahlen unsere Steuern konsequent und lokal. Dazu gehört auch, dass unser Ableger Fairmondo UK seine Steuern in UK zahlt und nicht in Deutschland. Darüber hinaus versuchen wir konsequent sozial zu wirtschaften, um
zu zeigen, dass das möglich ist. Ich bin mir sicher, Fairmondo kann so dazu beitragen, eine fairere Wirtschaft aufzubauen. Denn es treten immer öfter Politiker verschiedenster Parteien an uns heran, die Interesse an diesem Projekt haben.“

Die Artikel eures Marktplatzes können u.a. mit den Bezeich-
nungen fair oder öko gekennzeichnet werden. Diese Klassi-
fizierung ist unter anderem für die bei Verkauf durch Fairmondo einbehaltene Provision bzw. das faire Prozent von großer Bedeutung. Wie bewerkstelligt ihr es, die Seriosität dieser Bezeichnungen beziehungsweise der Verkäufer zu gewährleisten?

„Unser Bestreben ist es natürlich, den Verkauf von fair und ökologisch gehandelten sowie nachhaltig hergestellten Produkten zu fördern, deshalb ist es so einfach, diese auf unserem Marktplatz zu finden. Dazu gehören natürlich auch gebrauchte Produkte, denn was ist ökologischer als gebraucht zu kaufen? Aus diesem Zweck zahlen Verkäufer herkömmlich hergestellter Produkte höhere Abgaben. Wir stehen durchaus im Kontakt mit verschiedenen Verkäufern, der Schokoladen-
produzent fairafric ist ein Beispiel hierfür. Es ist natürlich klar, dass wir nicht jedes Produkt einzeln prüfen können, da sind wir dann vor allem auf die Mitarbeit unserer Community angewiesen. Ich halte nachhaltig jeden Nutzer dazu an, uns zu kontaktieren, falls ihm irgendetwas auffällt!“
Veronika Faust,
Redaktion Tudo Alemão.

Copyright: Tudo Alemão
Februar 2018

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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