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Das Studentenleben - überall auf der Welt das Gleiche?

© Raquel MagalhãesStudentenwohnheim in Paderborn | Foto: © Raquel Magalhães

Ich gebe zu: Ich bin nicht gerne zur Uni gegangen. Im Gegenteil zu dem, was man mir vorhersagte, war es nicht die beste Zeit meines Lebens. Und dennoch: mit meinem Erasmus-Semester in Deutschland verbesserte sich auch meine Einstellung zum Studium erheblich.

Die Paderborner Universität besteht aus einem Komplex verschiedener Gebäude, die zum Großteil miteinander verbunden sind. Jedes davon ist mit einem großen Buchstaben an der Außenwand gekennzeichnet - eine Attraktion, mit der sich die Studenten gerne fotografieren lassen. Fast alle posen vor dem Anfangsbuchstaben ihres Namens oder, wenn der nicht dabei ist (es gibt nicht genug Gebäude, um das ganze Alphabet abzudecken), dann ist der Lieblingsbuchstabe der Studenten das C. Dort legen sie sich für das Foto hinein, als wäre es eine Hängematte.

Wie, ich kann meinen Rucksack nicht mitnehmen?

© Raquel MagalhãesIm Innern der Universität Paderborn verbirgt sich eine kleine Welt. Zu jeder möglichen und unmöglichen Tageszeit trifft man dort auf Studenten, die von einem Ort zum anderen eilen, lernend an den Tischen in den Fluren sitzen, oder in die Bibliothek gehen. Die Studenten widmen sich von Semesterbeginn an sofort ganz ihrem Studium. Deshalb sind auch fast alle Tische der Bibliothek täglich rund um die Uhr besetzt - und das von September bis Juli.

Die Universitätsbibliothek Paderborn ist ein beinahe heiliger Ort, an dem absolute Ruhe herrscht und in die man weder Taschen noch Rucksäcke mitnehmen darf. So kann niemand unerlaubt ein Buch mitnehmen. Im Gegensatz dazu hat die Bibliothekarin der Bibliothek der Kommunikationswissenschaften in Porto stets Schwierigkeiten, die Studenten davon abzubringen, sich zu schwatzenden Gruppen zusammenzutun, anstatt zu lernen. Auch deshalb war mein erster Besuch der Universitätsbibliothek Paderborn ein Schock: Ich musste all meine Habseligkeiten vor der Tür der Bibliothek deponieren, auf dem Boden, inmitten eines Berges von Taschen und Jacken. Aber natürlich sind die deutschen Studenten schon so vertraut mit diesem System, dass dort nie etwas wegkommt.

Der Campus - eine Stadt in der Stadt


Da Paderborn einen richtigen Campus hat, mit nahe gelegenen Studentenwohnheimen, ist die Universität selbst fast eine eigene kleine Stadt innerhalb der Stadt. Neben der Mensa - mit einer Vielfalt von Gerichten, von der portugiesische Unis nur träumen können - gibt es noch einen Irish Pub, in dem sich die Studenten treffen um zu plaudern, etwas zu essen und, klar, ein oder zwei Bier zu trinken. Und, damit auch ja niemand in die Paderborner Innenstadt fahren muss - es sei denn, um abends auszugehen - gibt es auch gleich noch einen Friseur! Und zwar nicht in einem nahegelegenen Gebäude, nein, direkt in der Universität, damit die Studenten ihr Aussehen zwischen der Vorlesung über Mediengeschichte und der über Semiotik der Kommunikation verändern können.

© Raquel MagalhãesUnd wo ich gerade von den Vorlesungen spreche: Auch die Art, in der diese gehalten werden, war eine komplett andere als ich es aus Porto gewohnt war. In fast allen Fächern, die ich belegte, verteilte der Professor am Anfang des Jahres eine Sammlung von Texten, aus der wir jede Woche einen lesen mussten. Dieser wurde dann in der darauffolgenden Stunde diskutiert. Ich muss zugeben, dass dieses System nicht unbedingt mein Favorit ist, aber ich gewöhnte mich schnell daran. Im Gegensatz zu dem, was ich in Portugal, zumindest an meiner Uni, beobachten konnte, spielen in Paderborn auch die Tutoren eine unglaublich wichtige Rolle. Sie sind fast so wichtig wie die Professoren selbst und immer bereit, den Studenten helfend zur Seite zu stehen. Zum Bestehen eines meiner Kurse musste ich ein Referat vorbereiten, mit dem ich eine ganze Stunde selbst leiten musste. Das hätte ich ohne die Hilfe meines Tutors niemals geschafft. Denn er half mir, die Texte und Themen, die ich in der Stunde behandeln sollte, richtig zu verstehen.

All diese Unterschiede warenanfänglich ein Schock für mich. Aber später fand ich den Großteil davon besser als unser portugiesisches System.Außerdem halfen sie mir bei meiner Integration in eine mir vollkommen fremde Stadt. Auch deshalb kann ich heute sagen, dass das Semester, das ich in Deutschland verbrachte, das Beste meines ganzen Studiums war.
Raquel Magalhães
wurde vor fast 23 Jahren in Porto geboren. Sie ging auf die Deutsche Schule in Porto und machte ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaften, spezialisiert im Bereich Beratung. In ihrem Studium machte sie ein Semester Erasmus in Deutschland, in Paderborn. Aktuell wohnt sie in Lissabon und arbeitet als Assistentin der Edition im Verlag Literal Azul, während sie gleichzeitig den Masterstudiengang der Kommunikation, Kultur und Informationstechnologie am ISCTE belegt.

Copyright: Tudo Alemão
April 2014
Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem Portugiesischen.

     

     
     

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