Studieren

Studieren auf Wienerisch

© Alexandra Faust© Claudia Kluger

Wien hat als Studienort einiges zu bieten: In den Wiener Cafés ist man den großen Köpfen des 20. Jahrhunderts auf der Spur, die vielen Parks und Grünflächen laden zum Ausspannen ein und die U-Bahn ist am Wochenende 24 Stunden im Einsatz, um die Besucher von dem schier unendlichen Angebot an Gratiskonzerten und -festivals nach Hause zu bringen. Allerdings hat das Studium in Wien auch seine Eigenheiten, auf die man vorbereitet sein sollte und die vor allem zu Studienbeginn eine Herausforderung darstellen können. Anbei findet ihr meine kleine Bedienungsanleitung für das Studium in Wien.

Gleich zu Beginn sei angemerkt, dass in Wien eine Vielzahl von Hochschulen angesiedelt ist. Von der Wirtschaftsuniversität über die Universität für Bodenkultur bis zu Fachhochschulen, privaten Universitäten und Akademien ist alles dabei. Jede Institution hat dabei ihre eigenen Regeln und Gepflogenheiten. Bei weitem die größte und älteste ist allerdings die Universität Wien, die dieses Jahr ihr 650-jähriges Bestehen gefeiert hat und an der nach eigenen Angaben fast 100.000 Studenten eingeschrieben sind. Viele der hier zusammengestellten Informationen beziehen sich daher auf die Universität Wien, gelten aber mitunter auch an anderen Universitäten.

Studieren auf Wienerisch – wie geht das? Wer das eine oder andere Semester im Ausland studiert hat, oder, wie mein Freund Calder, von einer französischen Uni nach Wien gewechselt ist, merkt schnell, dass hier einiges anders läuft. Ein Studium in der österreichischen Hauptstadt birgt aber auch mehr als nur einen Vorteil! Denn mit dem Wiener Studienausweis gibt es nicht nur ein vergünstigtes Ticket für den öffentlichen Transport, sondern auch oft speziell vergünstigte Tickets für Oper, Theater oder Konzerte. Zum Beispiel können Studenten im Volkstheater oder in der Staatsoper eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn stark vergünstigte Restkarten bekommen. Und die berühmten Stehplätze um unter 5 Euro sind dabei auch nicht zu vergessen!

Die Qual der Wahl

©Claudia Kluger Eine der größten Herausforderungen wartet gleich zu Beginn auf die zukünftigen Absolventen. Denn an der Uni Wien gilt: Wer die Hochschulreife hat, kann sich für ein beliebiges der 180 Studienprogramme einschreiben. Zumindest prinzipiell. In den vergangenen Jahren hat sich das für einige Studien geändert, so müssen die Medizinstudenten in spe mittlerweile ein Aufnahmeverfahren durchlaufen. Falls die Zahl der Erstanmeldungen die Zahl der verfügbaren Studienplätze übersteigt, wird auch in anderen Studien selektiert. Typischerweise betrifft das unter anderem Psychologie, BWL oder Pharmazie. Deshalb ist es ratsam, sich bereits frühzeitig zu informieren, welche Fristen an den Universitäten für die Einschreibung gelten.

Studieren auf Wienerisch, studieren auf Deutsch

Über eines sollte student sich unbedingt im Klaren sein: Abgesehen von Spezialprogrammen und wenigen spezifischen Kursen läuft das Studium an den meisten Universitäten auf Deutsch ab. Wer also in Deutsch noch nicht sattelfest ist, sollte sich vor dem Studium nach einer Möglichkeit umsehen, die Sprachkenntnisse entsprechend aufzupolieren. Die Studienvertretung Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) bietet vorbereitende Deutschkurse an, am Sprachenzentrum der Universität Wien kann man sowohl in den Semesterferien als auch während des Semesters Kurse belegen und auch abseits der Universität gibt es eine Vielzahl an Sprachinstituten, an die man sich wenden kann.

„Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei.“

Dieser Grundsatz, der im Neuen Institutsgebäude der Universität groß angeschrieben steht, hat in der Vergangenheit immer wieder für heftige Kontroversen gesorgt. Vor allem Studiengebühren sind dabei ein Dauerthema. Momentan gilt folgende Regelung: Studis aus EU/EWR-Ländern (plus Schweiz), die sich noch innerhalb der Mindeststudienzeit befinden (+2 Toleranzsemester), bezahlen nur den Beitrag für die ÖH. Das sind momentan 18,70€. Kommt man über diese Mindestdauer, belaufen sich die Studiengebühren auf knapp 400€. Studenten aus anderen Ländern zahlen pro Semester zwischen knapp 400 und 750€ (mehr Infos zu Studiengebühren an der Universität Wien findet ihr hier).

© Claudia KlugerSich das Studium selbst zusammenbauen

Ist die Einschreibung geschafft, kann es losgehen! Aber Moment, wo ist denn mein Stundenplan? Hier ist erst einmal Selbstorganisation gefragt. Denn die Freiheit der Lehre bezieht sich nicht nur auf die Finanzen: Die Studenten entscheiden selbst, wie viele und welche Kurse sie in welchem Semester absolvieren wollen. Dafür muss man sich über das Vorlesungsverzeichnis online zu jedem Kurs einzeln anmelden. Meistens gibt es auch eine bestimmte Zahl an Kursen, die die Studenten sehr frei wählen und dadurch ihren Schwerpunkt nach eigenen Vorlieben setzen können. Sich als Historikerin in statistischen Methoden spezialisieren? Oder als Politikwissenschaftler ein Modul zu öffentlicher Kommunikation belegen? An der Universität kein Problem. Achtung ist aber geboten mit Voraussetzungsketten, denn um sich für bestimmte fortgeschrittene Kurse anmelden zu können, müssen zuerst die Basiskurse absolviert werden.

Wo ist mein Jahrgang?

Die relative Freiheit beim Studieren bringt es auch mit sich, dass es prinzipiell keine fixen „Jahrgänge“ gibt – wer gleichzeitig zu studieren anfängt, schließt nicht notwendigerweise gemeinsam ab. Ein Auslandssemester, unterschiedliche Interessensmodule, und so kann es passieren, dass kaum noch bekannte Gesichter im Hörsaal sitzen. Das ist manchmal bitter – heißt aber auch, dass man immer wieder neue Leute beim Studieren kennenlernt und in den unterschiedlichen Lesekreisen, Interessensgruppen etc. Gleichgesinnte finden kann.

Angeklopft

© Claudia Kluger Neben den großen Unterschieden sind es manchmal auch die Details, die es ausmachen! In Zeiten der Lehrveranstaltungsevaluation hat sich an der Universität Wien (und anderen österreichischen Universitäten) eine Tradition bewährt, die viele ausländische Studenten und Studienanfänger erst einmal überraschen dürfte: Zum Ende eines Kurses und oftmals auch nach Präsentationen klopfen die Studenten auf die Tische, um ihren Beifall auszudrücken. Eine kleine Geste, die den Universitätsalltag ein bisschen freundlicher gestaltet!

Alles in allem ist das Studium in Wien zwar eine Herausforderung, dafür gibt es aber viele Möglichkeiten, den eigenen Interessen nachzugehen und auch neben dem Studium den Horizont zu erweitern. Vor allem zu Beginn können Orientierungsveranstaltungen der Universität und/oder des jeweiligen Instituts sowie das Referat für ausländische Studierende der ÖH helfen, bei Verwirrungen Klarheit zu schaffen. Mehr Informationen zum Studieren in Wien und Österreich generell findet ihr beim Österreichischen Austauschdienst, beim Österreichischen Integrationsfonds oder auch unter studieren.at. Viel Erfolg!
Claudia Kluger
hat Soziologie an der Universität Wien studiert. Während des Studiums war ihr Lieblingsort der Arkadenhof des Hauptgebäudes, wo es sich in der Lernpause bestens quatschen lässt oder man auch einfach nur in einem Buch schmökern kann.

Copyright: Tudo Alemão
Julho de 2015
Originalsprache: Deutsch

     

     
     

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