Studieren

Studieren in Portugal.
Mehr als ein Platz an der Sonne.

© tripoly© Nik VölkerEin Semesterbeginn im Oktober ohne Herbststürme und den ersten Frost auf dem Fahrradlenker, sondern mit sommerlichen Temperaturen über 25°C und Eukalyptus- oder Pinienduft auf dem Campus, wie man ihn sonst nur aus dem Urlaub kennt. Und nach Ende der letzten Vorlesung geht es nicht mit Tee auf das kuschelige WG-Sofa, sondern zu Fuß zu einem Konzert unter freiem Himmel oder noch mit der Regionalbahn an den Strand.

Klingt verlockend? Dabei ist die fast doppelt so hohe Ausbeute an Sonnenstunden sicherlich nicht der einzige Grund, einige Zeit zum Studieren in Portugal zu verbringen. Die südwestlichste Ecke Europas sorgt auch sonst für reichlich Abwechslung: Es gibt nicht nur bewegte Großstädte wie Lissabon oder Porto, die neben interessanten urbanen Perspektiven auch Sundowner-Strände in Feierabend-Entfernung zu bieten haben. Im grünen und hügeligen Inland findet sich auch die ein oder andere gemütlichere Studentenstadt, vergleichbar mit Heidelberg, Freiburg oder Münster. Und auch das Niveau der portugiesischen Unis muss sich absolut nicht hinter der Ausbildung in anderen Ländern Europas verstecken, auch wenn Österreich, Holland, UK oder Frankreich bei den Zahlen der deutschen Erasmus-Studierenden deutlich vorne liegen.

© Nik VölkerUnter anderem sollte man als Studienanfänger in Portugal auf die Frage der einheimischen Kommilitonen gefasst sein, warum man denn unbedingt in einem kleinen Land wie Portugal studieren wolle. Der Grund der Frage wird deutlich, wenn man bedenkt, dass man gewissermaßen gegen den Strom schwimmt. Viele junge Portugiesen sehen ihre universitäre oder berufliche Zukunft aus wirtschaftlichen Gründen oft im Norden der EU oder in portugiesischsprachigen Ländern wie Brasilien. Fast jeder hat eigene Auslandserfahrung oder zumindest eine Emigrantengeschichte aus der Familie zu erzählen. Trotzdem würden die meisten aus Liebe zum eigenen Land, seiner Küche, den Atlantikwellen oder zum Fußball am liebsten in ihrer Heimat bleiben.

Studieren auf Europäisch. Bürokratie hilft Bildungsnomaden.

Wer ein paar Semester oder sogar sein ganzes Studium im europäischen Ausland verbringen möchte, hat es seit ein paar Jahren deutlich einfacher. Die in Deutschland bei Studierenden und Dozenten anfangs unpopuläre Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge nach der Bologna-Reform machte es möglich. So lassen sich zum Beispiel, je nach persönlichem Verhandlungsgeschick und Kooperationsbereitschaft der heimischen Dozenten, im Erasmus-Semester gesammelte ECTS-Kreditpunkte den Modulen im eigenen Studium anrechnen, auch wenn sie inhaltlich manchmal nicht zu 100% zum offiziellen Studienplan passen.

© Franziska MollitorUnd auch beim kompletten Studium jenseits deutscher Grenzen hilft die ungeliebte EU-Bürokratie: Da die Kreditpunkte aller offiziell zugelassenen Studiengänge nach dem Bachelor-Master-Format inzwischen europaweit vereinheitlicht sind, lässt sich ein im Bachelor ungestilltes Fernweh auch mit einem Master in der europäischen Nachbarschaft kurieren oder ein im Ausland erworbener Abschluss in Deutschland mit einem Master oder Doktorstudium fortsetzen. Die Abschlüsse werden mittlerweile sehr unbürokratisch anerkannt, vor allem wenn man sich ein englisches Diploma Supplement ausstellen lässt, wie es an vielen deutschen Unis schon üblich ist.

Studieren auf Portugiesisch. Já falas português?

Die im Vergleich zur jungen Generation in Spanien oder Italien sehr internationale Ausrichtung der Portugiesen hat beim Studium vor allem auch sprachliche Vorteile: Fast alle Kommilitonen und Dozenten sprechen neben der Landessprache auch Englisch oder eine weitere Fremdsprache wie z. B. Französisch. Am Anfang hat man dadurch häufig das kuriose Erlebnis, dass man auf eine mühsam formulierte Frage in Lehrbuch-Portugiesisch eine englische Antwort erhält. Wer trotzdem hartnäckig bleibt und es weiter versucht, erntet dann aber schnell Sympathiepunkte bei seinem Gegenüber und gelegentlich das ein oder andere Kompliment für die Gehversuche in der neuen Sprache.

© Nik VölkerWer seinen Abschluss nicht gerade in Lusitanistik machen möchte, wird einen Großteil der Seminar- und Vorlesungsunterlagen übrigens auf Englisch bekommen (an einigen Unis Pflicht, sobald mehrere Erasmus-Studenten einen Kurs besuchen!) und spätestens auf Nachfrage auch Arbeiten darin schreiben dürfen. Gerade bei der Bewertung von portugiesischen Erasmus-Arbeiten bekommt man außerdem häufig einen Anfängerbonus. Insgesamt sind internationale Studenten gern gesehen und gerade in Erasmus-Kursen wird man viel Entgegenkommen erleben. Neben dem üblichen Erasmus-Sprachkurs an 1-2 Tagen, der sich oft alleine schon zum Kennenlernen anderer „Erasmusler“ lohnt, bieten viele Fakultäten auch vorbereitende Intensivkurse, z. B. vor Semesterbeginn in den Sommerferien (Juli/August), an.

Wer seine Portugiesisch-Kenntnisse noch schneller verbessern möchte, kann auch eine der privaten Sprachschulen außerhalb der Fakultäten besuchen. Die Lehrer sind in der Regel gut ausgebildet und für Studierende gibt es auf Nachfrage bei vielen Schulen spezielle (und damit günstigere) Angebote für Abend- oder Intensivkurse.

Unter dem Strich macht einem Portugal den Sprung ins kalte Wasser des Auslandsstudiums in einer fremden Sprache also durchaus einfach, vor allem durch seine internationale Ausrichtung. Man sollte sich nur nicht durch die vielen Sonnenstunden und laue Temperaturen täuschen lassen: Der Sprung in den einladend blauen Atlantik bleibt auch im Hochsommer erstaunlich erfrischend!

Links zu Sprachschulen & Portugiesisch-Kursen an Universitäten:

Porto:
Universidade do Porto
Fast Forward Institute
Inlingua

Coimbra:
Universidade de Coimbra

Lissabon:
Universidade Nova
Universidade Católica Portuguesa
Universidade de Lisboa
ISCTE
CIAL
KOSMUS
Nik Völker
ist im europäischen Grenzland zwischen Donau, Rhein & Tejo zu Hause und hat in Düsseldorf und Lissabon Medien- & Kulturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet seit 2011 in der portugiesischen Hauptstadt.

Copyright: Tudo Alemão
Februar 2016

Originalsprache: Deutsch

     

     
     

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