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Studieren in Portugal. Bildungsreise Teil II:
Lissabon, der Süden & Inseln

https://www.flickr.com/photos/torrelodones/21302371280/ Moliceiros im Zentrum von Aveiro, Foto: „Aveiro - Canales“ von Raúl A. / CC BY-ND 2.0Unsere Bildungsreise durch die Universitätsstädte Portugals, die wir im Norden und Zentrum begonnen haben, setzen wir hiermit in der Hauptstadt, im Süden des Landes und auf den Atlantikinseln fort.

© Veronika Faust Lisboa – Doppelfenster mit Meer- und Flussblick

Die alte Dame am Tejo bietet bei hügelig-kompakter Größe das kulturelle Leben einer internationalen Hauptstadt, von der aus man nach 30 Minuten Zugfahrt Atlantikwellen reitet oder grüne Wälder erkundet. Dabei bietet sie eine für deutsche Verhältnisse verwirrende Anzahl an Unis und Polytechnischen Instituten (ähnlich FH/TH, siehe Links unten). Die meisten liegen im Norden der Stadt um den Campus der Cidade Universitária (Metro). Bücherwürmer wohnen uninah (z.B. Campo Pequeno), Strategen am zentralen Marquês de Pombal und tapfere Nachteulen in der OpenAir-Bar des Bairro Alto. Gemütlicher sind Klassiker wie Santos/Estrela/Rato, Anjos/Intendente/Graça, man sollte nur auf die Anbindung an die Uni achten. Ein hügeliger Tipp: Wer oben lebt genießt die Aussicht; Allerdings ist auch der Heimweg oft beschwerlicher. Denn abgesehen vom notorischen Bairro Alto mit seiner Erasmus Corner liegen viele Bars und Clubs unten am Fluss (Alcântara, Santos, Cais do Sodré, Santa Apolónia) bzw. in der Unterstadt (Anjos, Intendente).

Lissabon – 500.000 Einwohner, gut 10% Studenten, Warmmiete ca. €300

Universidade de Lisboa
Universidade Nova
ISCTE Instituto Universitário
Instituto Politécnico
Universidade Autónoma (privat)
Universidade Católica (privat)
Universidade Lusófona (privat)

Évora – Studieren in alten Klostermauern

Diese kleine Studentenstadt liegt inmitten von Korkeichenhainen und ist rund ums Jahr ein Ort der Extreme: Im Winter ist es in den weißen Gassen im Schnitt 5° kälter als in Lissabon, im Sommer flimmert die Luft über der umliegenden Alentejo-Ebene bei 5° mehr. Wer im Sommersemester hier ist, wird sich also freuen, dass die zweitälteste Universität des Landes in den kühlen Räumen eines alten Konvents liegt. Angeboten werden Kurse in den Bereichen Architektur, Künste, Pädagogik, Psychologie, BWL, Medizin, sowie Natur-, Umwelt-, Geistes- und Ingenieurwissenschaften. Von der Uni am westlichen Rand der Altstadt sind es gerade mal 10 Minuten zu Fuß ins Zentrum mit Cafés, Bars & Clubs (vor allem um die Praça do Giraldo herum). Und wem Évora doch mal zu klein wird, den bringen Bus oder Bahn in 1½ Stunden nach Lissabon.

Évora – 57.000 Einwohner, knapp 18% Studenten, Warmmiete ca. €150-200

Universidade de Évora

Algarve, Faro – das kleine Kiel im sonnigen Süden

Blick vom Strand der Ilha Barreta auf Faro, Foto: „Fondeadero“ von Antonio Montuno / CC BY-SA 2.0, https://www.flickr.com/photos/montuno/2184388674/ Wer Fischerei oder Ozeanografie studieren möchte oder auf der Suche nach dem besten Wetter Europas ist, ist in Faro genau richtig. Im Schnitt scheint die Sonne hier täglich 1-2 Stunden länger als in Porto. Der große Unicampus, der neben Meeres- und Umwelt- auch Geistes- und Naturwissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften und das Erasmus-Office beherbergt, liegt außerhalb der Stadt (Bus: 15 Min.). Wer Pädagogik, Hotellerie, Tourismus, Informatik oder Medizin auf dem Polytechnik-Campus studiert, kann hingegen vom Zentrum auch zu Fuß gehen. Es lohnt sich in jedem Fall, zentral zu wohnen, denn von hier geht es per Bus oder Zug in 25 Min. an die Strände oder ins Ausgehviertel zwischen dem Hafen und der Barockkirche mit ihrer gruseligen Knochenkapelle.

Algarve (Faro) – 65.000 Einwohner, gut 10% Studenten, Warmmiete ca. €200

Universidade do Algarve
Sprachkurs an der Uni (Intensivkurs im Sommer)
Erasmus-Netzwerk

Azoren & Madreia – auf halbem Weg nach Amerika

Jedes größere Kreuzfahrtschiff im Hafen von Funchal spuckt etwa so viele Touristen aus, wie Studenten an den Unis der Azoren und von Madeira eingeschrieben sind. Die Universitäten auf den grünen Atlantikinseln sind damit die kleinsten des Landes und gehören vermutlich zu den exotischsten Europas. Bei ihrer Lage mitten im Blau wundert es kaum, dass die Fakultäten vor allem für ihre Meereskunde (Ozeanografie, Meeresbiologie, Fischerei) und Geologie/Vulkanologie (São Miguel) bekannt sind. Aber auch Mathematik, Agrar-, Natur-, Geistes- & Wirtschaftswissenschaften, sowie Pädagogik, Psychologie oder Sport kann man hier studieren.

Azoren (Ponta Delgada) – 69.000 Einwohner, weniger als 5% Studenten, Warmmiete ca. €150

Universidade dos Açores

Madeira (Funchal) – 112.000 Einwohner, weniger als 5% Studenten, Warmmiete ca. €200

Universidade de Madeira
Sprachkurs der Universität
Sprachkurs der Universität

Noch ein paar nützliche Tipps:

Über das Erasmus-Netzwerk der Stadt oder die Fakultät wird jedem Ankömmling fast überall in Portugal ein Buddy von der gleichen Uni zugeteilt, der bei ersten Schritten helfen kann. WG-Zimmer und kleine Apartments gibt je nach Stadt für €150-300 (vor Ort suchen, um nicht in einem überteuerten Zimmer ohne Fenster zu landen!). Die Plätze in den günstigen, aber oft schlichten Wohnheimen sind knapp und auch wegen der internatsähnlichen Besucherregelungen eher zum Ankommen geeignet (Alternative: Hostel). Wohnungen werden in Portugal nach Anzahl der Schlafzimmer gezählt. Ein T0 ist also ein Apartment/Studio, ein T1 hat 1 Schlafzimmer plus Küche, Wohnzimmer, Bad, usw. Verträge gibt es, wenn überhaupt, nur bei längerem Aufenthalt, die Miete geht in bar an den Vermieter.
Kein Licht ohne Schatten, auch in Südeuropa: Bei feuchtem Winterwetter von November bis März wird es in den ungeheizten Häusern Portugals kalt. Wollsachen oder Radiator (Stromkosten klären!) sind dann Gold und warme Füße wert.

Ersti bei der Praxe, Foto: „Latada 2007“ von Renata F. Oliveira / CC BY-NC-ND 2.0, https://www.flickr.com/photos/renata_e_guilherme/1804277067/Wer trotzdem noch friert, der sollte sich Bewegung im Freien verschaffen. Der akademische Feierkalender in Portugal bietet dazu zwei feste Größen: Zum einen den Semesterbeginn der Erstibegrüßung (Recepção ao Caloiro) im Oktober mit der Praxe als mal lustige, mal militärisch-vulgäre Aufnahmeprüfung für die Neulinge (Erasmus-Studenten werden in der Regel verschont...). Und dann das Semesterende Semana Académica im Mai (Queima das Fitas in Porto/Coimbra/Évora bzw. Enterro in Braga/Aveiro). Begleitet wird die Feierei von Umzügen und Konzerten in den Straßen. Auch das sonstige Nachtleben findet oft bei einem Bier im Freien vor dem jeweiligen Lokal statt. Erst zu späterer Stunde zieht man, wenn überhaupt, weiter in einen Club. Da viele Studenten am Wochenende nach Hause fahren, wurden die Ausgehtage der Woche in vielen klassischen Unistädten Portugals sogar kurzerhand auf Dienstag bis Donnerstag verlegt (z.B. in Covilhã, Coimbra, Braga, Guimarães oder Évora).

Soweit unsere kurze Rundreise durch die vielfältige Studierlandschaft von Portugal. Wer bei dem Gedanken an Bücher und Vorlesungen trotz der zahlreichen Freizeitoptionen noch Bauchschmerzen bekommt, hat aber natürlich immer noch die Möglichkeit, einfach nur Urlaub zu machen. Auf jeden einzelnen der etwa 1000 deutschen Studierenden in Portugal kommen nämlich auch knapp 1000 Urlauber…!

Wohnungssuche:
Oft helfen neben Internetseiten und Facebook-Gruppen auch die lokalen Erasmus-Netzwerke oder der Buddy der Uni bei der Suche. Viele Erasmusler gründen auch gemeinsam eine WG und teilen die Kosten für eine größere Wohnung.


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Nik Völker
ist im europäischen Grenzland zwischen Donau, Rhein & Tejo zu Hause und hat in Düsseldorf und Lissabon Medien- & Kulturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet seit 2011 in der portugiesischen Hauptstadt.

Copyright: Tudo Alemão
März 2016

Originalsprache: Deutsch

     

     
     

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