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Freiluftkultur in Berlin

Kulturelle Begegnung und kultureller Austausch finden in Berlin an vielen Orten statt. Enrique G de la G stellt einige interessante Parks und Plätze vor, welche das Leben in Berlin gut repräsentieren.

Mauerpark
© Enrique G de la G Dieses Areal neben dem alten Bahnhof, dessen Züge einst nach Stettin in Polen fuhren, gehörte während des Kalten Krieges niemandem. Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde es in den Todesstreifen zwischen Ost und West Berlin umgewandelt. In den 1990er Jahren wurde der heutige Park eröffnet, welcher mittlerweile große Bedeutung gewonnen hat, vor allem seit dem ersten Flohmarkt 2004. Für viele Leute, die gerade nach Berlin gezogen sind, ist dieser Markt einen Besuch wert, um ihre neue Wohnung einzurichten. Dort finden sich Studenten und freie Designer ein, die versuchen, ihre neuen Produkte anzupreisen oder altes Zeug zu verhökern. Sonntags sind viele junge oder „alternative“ Touristen im Mauerpark unterwegs. Der Spaziergang durch den Markt endet normalerweise beim Karaoke. Dazwischen wird auf der Wiese gegrillt, wenn das Wetter es erlaubt. Graffiti-Künstler haben ein 30-Meter langes noch stehendes Stück der Berliner Mauer erobert und machen daraus eine visuelle Party.

Tiergarten
© Stefan Propach. www.jugendfotos.de Hier befand sich vor einigen Jahrhunderten ein Jagdwald des Königs. Später traf Friedrich der Große die Entscheidung, ihn in einen Park zu verwandeln. Heute ist er einer der größten Parks der Stadt und die wichtigste grüne Lunge Berlins. Hier findet man drei Arten von Leuten: Touristen aus der ganzen Welt, welche vor allem den Bereich vor dem Brandenburger Tor und dem Reichstag besichtigen; Deutsche, die mit der Familie oder mit Freunden spazieren gehen oder Sport treiben; und Familien türkischer Herkunft, die sich hier im Sommer einnisten, um zu grillen. Einige sagen, die türkischen Gastarbeiter aus den 1960er Jahren hätten die Idee des Grillens mitgebracht, und dass die Deutschen es ihnen später nachgemacht haben. Andere sagen, Grillen sei eine Form des amerikanischen Barbecues, eingeführt durch die Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg (ursprünglich stammt das Barbecue übrigens aus Mexiko). Jedenfalls ist Grillen untrennbar mit deutschen Sommern verbunden. Und der Tiergarten ist einer der besten Orte, um dabei das Phänomen des kulturellen Austausches zu betrachten. Es ist einfach schön, den deutschen Grill mit dem türkischen zu vergleichen, möchte man die beiden Kulturen, die nebeneinander zusammenleben, besser verstehen. Falls es gerade keinen grillenden Türken gibt, dann ist wohl Ramadan, die Fastenzeit der Muslime.

Görlitzer Park
Die Einwohner von Kreuzberg nennen ihn liebevoll „Görli“, eine berlinerische Gewohnheit, überall in der Stadt Spitznamen zu verteilen (zum Beispiel „Alex“ ist der Alexanderplatz, „Goldelse“ ist die Siegessäule, „Kotti“ ist das Kottbuser Tor). Dieser Park war einst ebenfalls ein Areal neben der Berliner Mauer, das nach der Wiedervereinigung neu belebt wurde, denn es befindet sich mittendrin in der Stadt, neben einem Kanal, dem Fluss Spree sehr nah. Dieses Jahr erschien ein Dokumentarfilm namens Der Adel vom Görli. Der Titel ist ein Wörterspiel: Man sagt, die Adligen haben blaues Blut. Auf Deutsch sind aber auch die Betrunkenen „blau“. Im Görli werden die Alkoholiker, die den Park bewohnen, Adlige genannt. Der Regisseur folgt mehreren Personen, die den Park in ihr Zuhause verwandelt haben: Ein Golfspieler, ein Liederkomponist, ein türkischer Eisverkäufer, usw. In der Tat ist der Görli einer der heterogensten Orte Berlins: Etwas ärmere Menschen und Hartz-IV-Empfänger vermischen sich mit Ausländern, mit einer großen Anzahl von Türken aus Kreuzberg und mit anderen Immigranten, die in Berlin wohnen.

Lustgarten
© Stefan Propach. www.jugendfotos.de Dieser Park befindet sich auf der Museumsinsel, und deshalb ist er immer voller Touristen und Museumsinteressierten. Er wurde vom Architekten Karl Friedrich Schinkel, der Berlin Anfang des 19. Jahrhunderts modernisierte, gestaltet. Seitdem ist der Lustgarten Kulisse und Zeuge vieler wichtiger politischer und sozialer Ereignisse: Hitler hielt hier einige Reden, die Kommunisten der DDR wandelten ihn in einen Teil des Marx-Engels-Platzes um. Heutzutage ist er ein Treffpunkt für Touristen und Schaulustige. Hier gibt es immer Straßen-Künstler, die die Touristen unterhalten, und Verkäufer, die mit Ostalgie-Produkten handeln. Während des Festivals der Lichter wird der Fassade des Doms ein neues Gesicht geschenkt – Fotografen und Spaziergänger bleiben stehen und unterhalten sich mit ihrer Begleitung und Unbekannten. Die passende Stimmung im Lustgartens ist die Bewunderung: Normalerweise kommen die Leute aus den Museen der Museumsinsel, reden darüber, was sie gerade gesehen haben, und bewundern die klassizistische Architektur der umgebenden Gebäude. Es fällt einem leicht, die echten Berliner zu entdecken: Sie laufen schnell ohne sich umzuschauen, denn hier ist der Übergang zwischen der Friedrichstraße und dem Hackeschen Markt. Aber der Berliner hat es nie so eilig. Man kann ihn immer kurz anhalten und ein dreiminütiges Gespräch mit ihm haben.

Tempelhofer Park
© Enrique G de la G Der englische Architekt Norman Foster sagte einmal, dass Tempelhof der Vater aller modernen Flughäfen sei. Nach der Schließung des Flughafens wurde Tempelhof der größte und jüngste Park Berlins, dessen Eröffnung im Mai 2010 stattgefunden hat. Es gibt noch viel Arbeit zu tun und die notwendige Infrastruktur fehlt noch, aber zahlreiche Veranstaltungen haben sich dort schon eingefunden, wie zum Beispiel die Modemesse Bread & Butter oder Cultural Players, ein neuer Sport dem Rugby ähnlich, der Jugger heißt, Minigolf, usw. Der neue Park verspricht, einer der interessantesten Orte des bereits kosmopolitischen, vielfältigen und multikulturellen Berlins zu werden.
Enrique G de la G
(geboren in San Pedro Garza García, Mexiko, 1979) hat Philosophie studiert und schreibt regelmässig kleine Essays, Buchbesprechungen und andere Geschichten für mexikanische und deutsche Medien ("Die Zeit", "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", "Letras Libres") und führt ein Blog. Er promoviert in Berlin, der besten Stadt Europas, und würde sehr gerne eine Weile in den schönsten Städten der Welt wohnen: Tel Aviv, New York, Paris, aber auch in unbekannteren Ecken, wie auf den Azoren.

Copyright: Todo Alemán November 2010

     

     
     

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