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Taxifahrer auf den Barrikaden: Das Unternehmen Uber sorgt für Stunk in der Hauptstadt

© Tanja Bertele© Tanja Bertele

Der Fahrdienst Uber hat in den letzten Monaten für reichlich Empörung bei den Taxifahrern der deutschen Hauptstadt gesorgt. Ursprünglich als reiner Limousinenservice geplant, erweiterte das 2009 in San Francisco gegründete Unternehmen sein Angebot in den letzten Jahren um weitere Beförderungs-
leistungen und expandierte damit auch in viele europäische Städte – unter anderem Berlin. Der spezielle Dienst, der nun ins Visier der Berliner Taxifahrer geraten ist und in Deutschland für einen Rechtsstreit gesorgt hat, heißt UberPop.


Bei UberPop können Kunden online oder über die entsprechende Smartphone-App ihren Standort und das gewünschte Fahrtziel angeben. Uber vermittelt den Fahrgästen dann einen privaten Fahrer, der sie an das von ihnen gewünschte Ziel bringt und dafür achtzig Prozent des Fahrpreises einkassiert. Die restlichen zwanzig Prozent gehen an Uber für die Vermittlung der Privatfahrer. Der Vorteil für die Kunden: Die Beförderungspreise der privaten Fahrer sind um einiges günstiger als die regulären Taxipreise, da viele Kosten – zum Beispiel für die technische Ausstattung der Taxis – entfallen.

© Tanja BerteleDie Berliner Taxifahrer sahen sich durch den von Uber angebotenen Fahrdienst allerdings bedroht und warfen dem Konkurrenten einen Verstoß gegen das in Deutschland geltende Personenbeförderungs-
gesetz vor. Denn: Die von Uber vermittelten Privatfahrer betreiben ihren Fahrdienst nicht gewerblich und befinden sich so in der Regel nicht im Besitz eines Personenbeförderungsscheins. Außerdem sind durch die fehlende Gewerblichkeit auch Fragen, die eine Versicherung im Fall
von Unfällen betreffen, nicht geklärt. Im Juni 2014 gingen deshalb zahlreiche Taxifahrer in der deutschen Hauptstadt und in anderen europäischen Städten auf die Straße, um gegen den Fahrdienst zu demonstrieren.

In der Folge wurde gegen das Start-up Uber eine einstweilige Verfü-
gung durch das Landgericht Frankfurt erwirkt. Diese wurde jedoch drei Wochen später wieder aufgehoben – wegen fehlender Dringlichkeit, wie das Gericht angab.

Der Fahrdienst UberPop in seiner alten Form ist in Berlin trotzdem erst mal passé. Nachdem die Verfügung durch das Landgericht Frankfurt zurückgezogen wurde, verbot das Berliner Landgericht offiziell den Fahrservice durch Personen, die keine Genehmigung entsprechend des Personenbeförderungsgesetztes vorweisen können. Einzige Ausnahme: Wenn die Gesamteinnahmen für den Personentransport die Betriebs-
kosten der Fahrt nicht übersteigen, sind solche Dienste auch weiterhin gestattet.

© Tanja BerteleDas Unternehmen Uber machte sich dieses Schlupfloch prompt zunutze und wandelte sein Angebot UberPop in eine Mitfahrzentrale mit extrem günstigen Preisen um – statt der üblichen 1,60 Euro pro Kilometer Fahrt wird nur noch ein Grundpreis von 35 Cent erhoben. Neben Berlin ist von den deutschen Städten, in denen Uber seinen Service anbietet, von diesen Änderungen Hamburg betroffen – in München, Düsseldorf, Frankfurt am Main und übrigens auch in Portugals Hauptstadt Lissabon funktioniert der Fahrdienst jedoch noch nach dem alten Schema.

Obwohl also in Berlin Fahrten mittels UberPop momentan noch möglich sind, stellt sich die Frage, wie lang Uber seinen Fahrservice zu diesen Preisen noch anbieten kann. Denn immerhin ist das Start-up auf private Fahrer angewiesen, die in der Teilnahme an dem Service eine lukrative Verdienstmöglichkeit sehen – und die ist mit einem Ertrag von ein paar Cent pro Fahrt kaum gegeben. Uber indes sieht in der Umstel-
lung der Preise kein Problem. Das Unternehmen blickt optimistisch in die Zukunft und hat sich zum Ziel gesetzt, eine Gesetzesänderung in Deutschland zu erwirken, um so seinen Fahrservice in der ursprünglich-
en Form wieder anbieten zu können. Ob ihnen das gelingt, ist fraglich.

Sicher ist nur: Das Kriegsbeil zwischen Uber und Berlins Taxifahrern ist noch lange nicht begraben.
Tanja Bertele
kommt ursprünglich aus dem schönen Süden Deutschlands und studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Linguistik in Berlin. Nach ihrem Studium arbeitete sie im Lektorat eines Verlags und schrieb 2014 als Ghostwriterin ihr erstes Buch. Momentan ist sie als freie Autorin und Lektorin tätig.

Copyright: Tudo Alemão
November 2014
Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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