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Von Brasilien nach Deutschland. Ein einfacher Wechsel?

Jaqueline FreireJaqueline Freire aus São Paulo, Journalistin mit mehr als achtjähriger Berufserfahrung in Unternehmenskommunikation und Public Relations, entschied mit 28 Jahren ihr Leben komplett zu ändern: Gemeinsam mit ihrem Mann zog sie nach Deutschland. Tudo Alemão hat ihr einige Fragen zu ihrem neuen Leben gestellt.

Hallo, Jaqueline. Unsere erste Frage ist: Warum sind Sie gerade nach Deutschland ausgewandert?

© Jaqueline FreireDas ist eine dieser Geschichten, in denen ein Traum Wirklichkeit wird. Mein Mann und ich machten in der Vergangenheit häufig Urlaub in Deutschland. Anfang 2014 zog er dann nach Berlin, um Deutsch zu lernen und sich nach Berufschancen im Informatiksektor umzuhören. Es dauerte auch nicht lange, bis er ein Jobangebot bekam und so begannen wir, auch meinen Umzug zu planen.

Wir merkten schnell, dass der neue Markt der Start-Ups in Berlin einige Arbeitsmöglichkeiten auf meinem Gebiet, der Kommunikation, bot. Ein Freund, der bei ShopAlike arbeitete, erzählte uns von freien Stellen bei dem brasilianischen Teil der Webseite. Drei Monate nach meiner Ankunft und dem Beginn meines Sprachunterrichts in Deutschland bewarb ich mich bei LadenZeile um diese Stelle in der Edition. Seit Juli 2015 arbeite ich nun im Marketingbereich der brasilianischen Version dieser Site.

Was war für Sie das Schwierigste bei der Eingewöhnung? Haben Sie lange gebraucht, um sich „zu Hause“ zu fühlen?

© Alexandra FaustWir haben uns sehr schnell in der neuen Umgebung wohl gefühlt. Ich denke, das liegt daran, dass wir unseren Umzug so sorgfältig und von langer Hand geplant haben. Trotzdem bin ich immer noch dabei, mich einzuge-
wöhnen, denn natürlich gibt es einige kulturelle und soziale Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland. Aber ich muss dazu sagen, dass die Berliner wirklich unglaublich offen und kontaktfreudig sind. Ehrlich gesagt ist die größte Schwierigkeit bei der Eingewöhnung für mich nicht der Sozialkontakt, sondern das Klima. Ich erlebe die vier Jahreszeiten hier in vollem Ausmaß und das ist etwas ganz Neues für mich.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten und/oder wichtigsten kulturellen Unterschiede?

Etwas, was mir sofort bei meiner Ankunft auffiel, ist der weniger enge Körperkontakt. Brasilianer haben den Ruf, sich zu umarmen und auf die Wange zu küssen – sei es nun bei einem Treffen mit Freunden oder wenn wir jemandem vorgestellt werden. Das hat mit dem Verhalten der Deutschen so überhaupt nichts gemein. Dabei geht es natürlich nicht darum, seine Zuneigung zu zeigen, sondern einfach um unterschied-
liche Gewohnheiten. Ich versuche dennoch, die Umarmungen beizube-
halten, denn ich denke, davon kann man nie genug haben. Natürlich respektiere ich diesen Umgang miteinander, aber wenn ich merke, dass die andere Seite offen für einen kulturellen Austausch ist, zeige ich gern ein bisschen von meiner brasilianischen Seite.

Haben Sie Tipps für andere Brasilianer, die gern in Deutschland leben möchten?

© Alexandra Faust Ich denke, das Wichtigste ist, sich zu informieren, wie das Leben in Deutschland funktioniert, den büro-
kratischen Aufwand rechtzeitig in Angriff zu nehmen und herauszu-
bekommen, welche Stadt für einen persönlich die richtige ist. In jedem Bundesland gibt es verschiedene Jobmöglichkeiten oder Universitäten mit unterschiedlichen Fachrichtung-
en. Eine gute Vorbereitung ist das beste Rezept, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Auf der Seite der Brasilianischen Botschaft in Berlin gibt es eine Reihe an wichtigen Informationen bezüglich Visa, Abschlüsse etc. Auch das Deutsche Konsulat in Brasilien verfügt über ein kompetentes Team, das helfen kann, Unklarheiten zu beseitigen.

Was denken Sie, sind Sie sehr gut integriert?

Mein Netz an Bekanntschaften wächst stetig. Ich habe Freunde im Deutschkurs, bei der Arbeit, unter den Brasilianern in Berlin und über gemeinsame Bekannte gefunden... Das ist ein wundervoller kultureller Mix; auch wenn die deutsche Sprache weiterhin eine Herausforderung bleibt. Im Büro von LadenZeile haben wir einmal die Woche Deutsch-
unterricht, was den Lernprozess unterstützt. Dennoch braucht es natürlich viel Zeit und Energie, eine neue Sprache zu lernen.

© Alexandra FaustAn das deutsche Essen hingegen habe ich mich sofort und ohne Probleme gewöhnt, denn ich liebe die deutsche Küche. Ob Schweinefleisch oder vegane Gerichte – mir schmeckt alles. Darüber hinaus findet man in Berlin Restaurants aus aller Welt – auch brasilianische -, es gibt also eine riesige Auswahl an Speisen für jeden Geschmack. Die fairen Restau-
rantpreise motivieren außerdem dazu, von allem ein bisschen zu probieren. Und, entgegen meiner Erwartungen, ist es ganz einfach, im Supermarkt auch Lebensmittel zu finden, die man in der brasilianischen Küche verwendet. So habe ich z.B. meine Gewohnheit, Reis mit schwarzen Bohnen zu essen, nicht ablegen müssen, sondern koche ihn auch heute noch jeden Tag bei mir zu Hause.

Wünsche und Pläne für die Zukunft?

Ich bin in einer Entdeckungsphase, in der ich immer Neues kennenlerne und erkunde. Für das Leben in Deutschland muss ich noch viel lernen und tun, wie zum Beispiel meine Sprachkenntnisse verbessern, die vielen schönen Städte dieses Landes besuchen und mir neue berufliche Fähigkeiten aneignen. Mein Wunsch, hier zu leben, hat sich verwirk-
licht. Sobald sich meine finanzielle Situation stabilisiert hat, kann ich deshalb ganz in Ruhe die nächsten Schritte für meine Zukunft planen.

Vielen Dank!
Veronika Faust,
Redaktion Tudo Alemão

Copyright: Tudo Alemão
Februar 2016

Originalsprache: Portugiesisch.

     

     
     

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