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Sonntägliche Schnäppchenjagd:
Meine Lieblingsflohmärkte in Berlin

Birke Carolin Resch© Jonathan DateEin sonniger Sonntagvormittag im noch verschlafenen Berlin. Ich quäle mich mit leichten Kopfschmerzen aus dem Bett. Doch ein Glas Wein zu viel gestern. Zu Hause bleiben kommt aber nicht in Frage, denn es ist Sonntag. Und ein Sonntag in Berlin ohne Ausflug zum Flohmarkt ist fast undenkbar.
Wer einen kaputten Toaster ersetzen muss, angesagte Vintage-Mode sucht oder am Sonntag einfach noch nichts vorhat, endet hier mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem Flohmarkt. Und das nicht nur, weil Berliner Trödelmärkte so zahlreich vorhanden sind und so ziemlich alles im Angebot haben, was man sich vorstellen kann. Sondern auch, weil sich sonntags das Berliner Leben auf dem Flohmarkt wie in einem Mikrokosmos abspielt: Touristen in kurzen Hosen, die aufgeregt fotografieren, Hipster mit engen Jeans und teuren Sonnenbrillen, die ihren Fairtrade-Soja-Latte-Macchiato schlürfen, junge Familien mit Kindern auf der Suche nach günstigen Antikmöbeln, Straßenkünstler, Punks, alteingesessene Berliner und Neuzugezogene. Das ist Berlin pur.

Für welchen Flohmarkt ich mich am Sonntagmorgen letztendlich entscheide, hängt davon ab, was ich suche und wie entspannt es zugehen soll. Die meisten Flohmärkte haben in etwa ein ähnliches Sortiment – mit kleinen, aber wichtigen Unterschieden.

© Jonathan Date Der wahrscheinlich größte und bekannteste Flohmarkt in Berlin ist der Markt im Mauerpark (ganzjährig sonntags, 9-18 Uhr). Wer auf der Suche nach etwas ganz Bestimmtem ist, hat hier die besten Chancen, es zu finden: Es gibt fast alles. In den Sommermonaten ist der Markt allerdings gnadenlos überfüllt und schwitzende Besucher schieben sich langsam an den Ständen vorbei durch die Menge. Ein Besuch lohnt sich trotzdem, denn gleich nebenan, im Amphitheater des Mauerparks, findet ein weiteres Event statt, das Touristen wie Einheimische seit Jahren jeden Sonntag lockt: Gegen 15 Uhr baut hier der gebürtige Ire Joe Hatchiban sein mobiles Sound-System auf und die Leute stehen Schlange, um vor der versammelten Zuschauerschaft Karaoke zu singen. Das ist mal mehr, mal weniger melodisch, sorgt aber immer für Feierstimmung.

Kleiner, aber nicht weniger überlaufen, ist der Flowmarkt, der im zwei Wochen-Rhythmus von etwa April bis Oktober entweder in den Prinzessinnengärten am Moritzplatz (Flowmarkt Kreuzboerg, jeden 2. und 4. Sonntag im Monat) oder am Maybachufer (Flowmarkt Nowkoelln, jeden 1. und 3. Sonntag im Monat) stattfindet. Hierher komme ich, wenn ich Second-Hand-Kleidung suche. Private Anbieter verkaufen massenweise gut erhaltene Mode aus der letzten Saison. Daneben gibt es Kunsthandwerk, Selbstgemachtes und Schnickschnack, aber kaum Möbel. Ein weiteres Plus ist die Gastronomie in den Prinzessinnengärten: Unter schattigen Bäumen lege ich gern eine Pause ein und genieße ein leckeres Mittagessen mit Bio-Zutaten direkt aus dem Garten.

© Jonathan Date Wenn ich keine Lust auf große Menschenmassen habe, gehe ich hingegen zum Trödelmarkt am Boxi (Boxhagener Platz) in Friedrichshain (ganzjährig sonntags, 10-18 Uhr). Die in einem großen Viereck um den Platz gruppierten Stände lassen mehr Platz zum Bewegen und Flanieren, große Bäume spenden Schatten. Der Flohmarkt am Boxi lohnt sich vor allem für Buchliebhaber, die hier sowohl deutsch- als auch fremdsprachige Bücher für ein paar Euro erstehen können. Es gibt außerdem ein schönes Angebot an alten Holzmöbeln, Schmuck, Sonnenbrillen und Kunsthandwerk, dafür aber weniger Kleidung.

Noch gemütlicher und ruhiger, und dazu ein echter Geheimtipp, ist der Nachbarschaftsflohmarkt der Villa Kuriosum in Lichtenberg. Von April bis September veranstaltet die Villa einmal im Monat im eigenen Garten einen Flohmarkt auf Spendenbasis. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen, und wer zur richtigen Jahreszeit da ist, darf sich Äpfel, Birnen, Kirschen und Mirabellen von den Bäumen pflücken.

Nach einem erfolgreichen Flohmarkt-Bummel lasse ich mich erschöpft auf eine Bank fallen und beobachte das Treiben. Es ist bereits früher Abend, die Händler beginnen, einzupacken. Eine typisch sonntägliche, traurig-schöne Stimmung erfasst mich und spiegelt sich in den Gesichtern der anderen Besucher wider: Was für ein perfekter Tag! Aber morgen ist wieder Montag…
Birke Carolin Resch
hat in Hamburg, Kopenhagen und Amsterdam Ethnologie mit Schwerpunkt Migration studiert. Sie ist in Berlin geboren, hat die deutsche Hauptstadt aber erst in den vergangenen vier Jahren kennen und lieben gelernt. Nun hat es sie nach Lissabon verschlagen, wo sie als freiberufliche Deutschlehrerin arbeitet, in jeder freien Minute zeichnet und in ihrem Blog (ZwischenLissabonundBerlin) über Lissabon und Berlin berichtet.

Copyright: Tudo Alemão
April 2017

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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