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Pizzabäckerei an der Spree im Holzmarkt 25

© Birke Resch© Birke Carolin ReschAm ersten Mai 2017 hat der Holzmarkt 25 eröffnet: ein Dorf aus Holz (das seinen Namen auch der gleichnamigen Straße zu verdanken hat) mitten in Berlin mit mehr als 20 Geschäften und Projekten. Der Holzmarkt soll Freiräume in der Stadt erhalten und Menschen die Möglichkeit geben, mitzugestalten. Diese Chance haben zwei Pizzabäcker aus Italien ergriffen.
Direkt an der Spree, zwischen Jannowitzbrücke und Ostbahnhof, sollten eigentlich verspiegelte Bürobauten, Hotels und Luxus-Apartments entstehen. Doch daraus wurde zum Glück nichts. Heute bietet sich den Besuchern in der Holzmarktstraße 25 eine für Stadtlandschaften eher ungewöhnliche Szenerie: Durch das 12.000 Quadratmeter große Gelände führen Sandwege. Aus Holz gezimmerte Bänke, Tische und Pavillons direkt am Wasser laden zum Verweilen ein, dazwischen blühen hochgewachsene Sonnenblumen. Ein grün bewachsenes, buntes Dorf aus Holz inmitten der Großstadt.

Kampf um Freiräume an der Spree

Diesen Traum am Spreeufer mussten sich die Gründer des Holzmarkts hart erkämpfen. Schon 2004 hatten sie hier die legendäre Bar 25 eröffnet, die aber 2010 wieder schließen musste, weil Großinvestoren bauen wollten. Als das Gelände dann zum Verkauf stand, sahen die Bar 25-Leute ihre Chance gekommen und gründeten die Holzmarkt 25 Genossenschaft. Mit der finanziellen Hilfe einer Schweizer Stiftung gelang es ihnen schließlich im Oktober 2012 die Fläche an der Spree als Freiraum zu sichern.

© Birke Carolin ReschDennoch kostete es die Macher noch vier Jahre harter Arbeit, bis der Holzmarkt 25 am 1. Mai 2017 mit einem rauschenden Fest Eröffnung feiern konnte. Neben dem Club Kater Blau und dem Restaurant Katerschmaus gibt es jetzt auch eine Kita, einen Ausstellungsraum, eine Artistenhalle, eine Weinhandlung und die Strandbar Pampa mit Spielplatz und Theater. Es soll sich aber noch vieles verändern: Das Dorf verstehen die Macher als lebendigen, sich wandelnden Ort, der Platz für neue Experimente lässt, deshalb sind Miet- und Pachtverträge immer befristet. Jeder soll die Chance bekommen, eigene Projekte umzusetzen.

Italienische Pizzaschule in Berlin

Gianluca Simonato und Dario Mosconi sind zwei Italiener, die diese Chance ergriffen haben. Sie gründeten im Holzmarkt eine Schule für Pizzabäcker. Gerade stehen die beiden mit ihren Kursteilnehmern um einen Holztisch am Spreeufer und gießen Prosecco in Gläser. Heute ist der letzte Tag des Kurses, zwei Wochen lang haben die Teilnehmer werktags von 10 bis 14 Uhr Teig geknetet und Pizza gebacken. Jetzt dürfen sie ihr Zertifikat in Empfang nehmen.

„Gianluca ist sensationell", strahlt Stillitano Nicola, Koch und Bauunternehmer aus Italien, der jetzt stolz sein Zertifikat in den Händen hält. „Ich konnte schon vorher gute Pizza machen, aber was wir hier gelernt haben, ist eine Kunst."

© Birke Carolin ReschGianluca lächelt bescheiden. Der junge Mann mit den kurzen dunklen Locken ist mit Herzblut dabei, das sieht man ihm an. Das Pizzabacken hat er an der renommierten Accademia Pizzaioli in Portogruaro bei Venedig gelernt. Zwei Jahre später hat er auch die Fortbildung zum Lehrer gemacht und zusammen mit Dario Mosconi den ersten Ableger der Accademia Pizzaioli in Deutschland eröffnet.

Mit Liebe backen

„Berlin ist ein toller Ort, um eigene Projekte zu verwirklichen“, sagt Dario Mosconi. „Nur hier waren wir so frei, es einfach zu versuchen.“
„Und die Leute vom Holzmarkt waren wirklich super“, fügt Gianluca Simonato hinzu. „Sie haben uns mit allem geholfen, zum Beispiel mit dem Bau der Pizzeria.“ Er zeigt auf die rot-weiße, vielleicht etwas schiefe Hütte mit Wellblechdach.

Wir stoßen auf die frischgebackenen Pizzabäcker an, die sich strahlend um Gianluca versammelt haben. „Gianluca backt eben mit Liebe, das ist das Geheimnis seiner Schule“, witzelt Stillitano. Und das ist vielleicht auch das Geheimnis des Holzmarktes: ein Gemeinschaftsprojekt, das so viel Freiraum lässt, dass Menschen mit Hingabe arbeiten und mit Liebe Ideen verwirklichen können.
Birke Carolin Resch
hat in Hamburg, Kopenhagen und Amsterdam Ethnologie mit Schwerpunkt Migration studiert. Sie ist in Berlin geboren, hat die deutsche Hauptstadt aber erst in den vergangenen vier Jahren kennen und lieben gelernt. Nun hat es sie nach Lissabon verschlagen, wo sie als freiberufliche Deutschlehrerin arbeitet, in jeder freien Minute zeichnet und in ihrem Blog (ZwischenLissabonundBerlin) über Lissabon und Berlin berichtet.

Copyright: Tudo Alemão
Oktober 2017

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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