Musik

ESCUTA- Selbstgemachte Musik für die Bühne

© Tiago Andrade© Tiago AndradeKreativ zu sein und davon leben zu können hört sich für viele nach einem Wunschtraum an. Andere assoziieren damit ein Lotterleben. Und dann gibt es noch diejenigen, die es einfach machen. Wie viel Engagement von jungen Kreativen in Lissabon gezeigt wird, ist lobenswert. Es gibt hier einige Projekte, Kollektive und Vereine, die ohne viel Geld täglich Tolles schaffen. Eines davon möchte ich euch heute vorstellen: das internationale Musikerkollektiv ESCUTA Lisboa.

Vor einem Jahr ist Romes Pinheiro aus Brasilien nach Lissabon gekommen. Mit im Gepäck hatte er die Idee, das 2012 gegründete Musikerkollektiv ESCUTA- O SOM DO COMPOSITOR zu erweitern. Das ist ihm auch gelungen -19 Mitglieder hat das Kollektiv mittlerweile in Lissabon, und das Netzwerk breitet sich über Spanien bis nach Deutschland hin aus. Kontakte, die ausschlaggebend sind für Independentmusiker wie Romes und seine Kollegen.

© Tiago AndradeEin Abend mit ESCUTA Lisboa

Ich betrete den Konzertraum in der Fábrica Braço de Prata, einer, im wahrsten Sinne des Wortes, Kulturfabrik am Rande von Lissabon. Farbenfroh angemalte Stühle und Tische stehen durcheinander, die meisten davon sind schon besetzt. Aus dem Nebenraum dröhnt der Bass einer Dub-Combo. Das Publikum ist so bunt gemischt wie die Möbel, die Stimmung familiär und ausgelassen. Romes, Joana und Clara haben mir wirklich nicht zu viel versprochen, als ich mich zuvor mit ihnen getroffen habe, um über ihr Projekt ESCUTA Lisboa zu sprechen.

Als der erste Musiker des Abends, Miguel Baptista, mit seiner portugiesischen Gitarre die Bühne betritt, wird es still im Raum. Einzig die melancholischen Klänge des traditionellen portugiesischen Instruments erfüllen den Raum. Ich schließe die Augen und lasse mich treiben... Gänsehaut!

Nach circa 15 Minuten ist es Zeit für einen Wechsel. Das ist das Konzept: Jeder Interpret hat eine Viertelstunde Zeit, seine Musik, seinen individuellen Klang, zu präsentieren. Das Besondere hierbei ist es, alleine auf der Bühne zu stehen. Der Soloauftritt gibt die Möglichkeit, eigene Kompositionen vorzustellen. Bei ESCUTA zählen der Künstler und sein Instrument. Pro Abend wechseln sich bis zu 4 Musiker ab und gestalten so ein abwechslungsreiches Programm.

© Tiago AndradeJetzt kommt Romes auf die Bühne. Der große Brasilianer fährt sich kurz durch seinen wuscheligen Afro und erzählt, während er seine Gitarre nachstimmt: „Es ist schön, dass ihr alle da seid. Bei ESCUTA geht es um Musik, klar, aber um ehrlich zu sein ist ESCUTA für mich viel mehr. Es geht um die Menschen, Freunde, Zusammenhalt und darum, gemeinsam einen guten Abend zu haben...!“ Seine Worte ernten großen Applaus.

André David, der dritte Musiker des Abends, rundet diesen mit seinem Banjo ab.

Kultur ohne Kohle

Obwohl die Kreativ-Szene in Lissabon groß ist, haben es die Musiker nach eigenen Angaben nicht leicht, bezahlte Auftritte zu finden. Denn die Euro-Krise trifft die Kulturszene besonders hart. In den meisten Geldbeuteln herrscht gähnende Leere. Deshalb ist es in dieser Szene besonders wichtig, Kontakte zu haben; in der Gastronomie, um Locations zu finden, sowie zu anderen Musikern, die wiederum andere Spots und Möglichkeiten kennen.

© Ricardo Pereira„Angefangen haben wir im Kulturverein Bacalhoeiro in Alfama. Dort haben wir Deals ausgehandelt, einen Teil der Einnahmen an der Bar oder einen Teil des Eintritts zu bekommen, wie es eben so läuft. Es kommt immer drauf an, wie der Abend insgesamt abläuft. Leben können wir davon nicht, aber irgendwie leben wir dafür. Prinzipiell können wir uns mit Veranstaltern immer irgendwo in der Mitte treffen“, erzählt Joana. Mittlerweile zählen neben dem Bacalhoeiro, die Sociedade Guilherme Cossoul, das Cine-Teatro A Barraca und die Fábrica do Braço de Prata zu ihren Partnern. Dort treten sie mehrmals im Monat auf.

Allerdings muss man kein Genie sein, um sich ausrechnen zu können, was ein Abend bringt, wenn der Eintritt im Schnitt 3 Euro kostet und Getränke schon ab 90 Cent verkauft werden.

ESCUTA Lisboa ist ein Beispiel dafür, dass Kultur, egal wie schwer sie es hat, durch Leidenschaft und Willen lebt. Es ist der Espirito Escuta, wie sie es nennen und dieser Geist ist absolut sehens- und hörenswert.

Alle Infos und Termine auf Facebook: www.facebook.com/escutalisboa
Eva Gür
‪ hat in Deutschland Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Multimedia-und Musikjournalismus studiert. Sie hat für diverse Rundfunk- und Kultureinrichtungen gearbeitet. Aus Liebe zu Sprache und Kultur lebt sie seit einem Jahr in Lissabon und beschäftigt sich mit der portugiesischen Kulturszene.
Copyright: Tudo Alemão
April 2014

Originalsprache: Deutsch
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