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Interview mit Márcio Bahía

© Thomas Rocchi© Márcio BahíaMárcio Sousa Santos, besser bekannt als Márcio Bahia, wurde 1983 in Bahia, Brasilien geboren. Er entdeckte früh seine Liebe zur Kunst und hat diese bald darauf zu seinem Beruf gemacht.

Im Jahre 2008 entschied er sich, seinen künstlerischen Horizont durch einen Umzug in die portugiesische Hauptstadt Lissabon zu erweitern, die er seitdem sein Zuhause nennt.

Durch die Verwendung von auffälligen Farben gelingt es Márcio, seine enorme Lebensfreude auf seine Bilder zu übertragen. Häufig thematisiert er seine vielfältigen Wurzeln.

Wir haben Márcio ein paar Fragen zur portugiesischen und deutschen Kultur gestellt und möchten außerdem von ihm wissen, wie er als Künstler die Krise erlebt, wie es ihn nach Lissabon verschlagen hat und wie seine Zukunftspläne aussehen. Bleibt er im krisengeplagten Europa oder zieht es ihn zurück nach Brasilien?


© Márcio BahíaMárcio, wie alt warst du, als du herausgefunden hast, dass du ein Künstler bist und dass es für dich keine andere Art der Arbeit geben würde? Und wie wurde dir das klar?

Ich war neunzehn, als ich die Welt der Plastischen Kunst für mich entdeckte und zwanzig, als ich mich entschloss, die Kunst zu meinem Beruf zu machen. Mit 19 Jahren verließ ich meinen Geburtsort, um in Porto Seguro für kurze Zeit einem Künstler beim Bespannen und Vorbereiten seiner Leinwände zu helfen. Dabei habe ich aus lauter Neugierde einfach selbst einmal die Acrylfarbe zur Hand genommen und gemalt. Ich verkaufte mein erstes selbstgemaltes Bild. Dann arbeitete ich in zwei großen Galerien der Stadt, um kurz darauf meine eigene zu eröffnen.

Was thematisierst du in deinen Bildern?

© Márcio Bahía „Eine Farbexplosion“ ist der treffendste Ausdruck, um die Freude und Magie meiner Kunstwerke zu beschreiben. Magie und Freude, die auf der Spitze meines von Acrylfarbe tropfenden Pinsels sitzen und bei der Berührung mit der weißen Leinwand meine Kunstwerke entstehen lassen. Werke, die von einer Vielzahl an starken und fröhlichen Farben charakterisiert werden und die, trotz ihrer Abkehr vom Realismus, häufig Momente des täglichen Lebens abbilden. Folklore, Häuser, Vögel, Personen, die feiern oder täglichen Aktivitäten nachgehen, zusammengefasst in einem Bild, das nie chaotisch, sondern präzise, häufig geometrisch, aber immer mit einem Touch NAIF versehen ist.

Woher nimmst du deine Inspiration?

„Ein Gefühl von Befreiung, Wohlbefinden oder ein einzigartiger und unbedingter Drang zu Leben, hinterlistige Euphorie, sanfte Verrücktheit“ – Worte von Jorge Amado, die ich häufig in meinen Kunstwerken wiederfinde, welche die Straßen von Pelourinho zeigen; dem historischen Viertel von Bahía, in dem die Figur Dona Flor entstand. Sie wandelte dort glücklich durch die Straßen, begleitet von ihren beiden Ehemännern. Ein Überschwall an starken Farben, Rot und Orange- sowie Gelbtöne aus meinem Geburtsland; doch nicht die Farbtöne allein sind es, die meine Werke besonders machen, sondern auch meine Figuren, bei denen der Kopf immer ein Stück über dem Körper schwebt. Mit dem „Kopf in den Wolken“ möchte ich die Ablenkung durch das tägliche Leben symbolisieren, welches unsere Aufmerksamkeit von der Endlichkeit der menschlichen Existenz abwendet. Keine unserer Verpflichtungen kann den Himmel davon abhalten, unser Schicksal zu erfüllen und unseren Geist und unsere Seele zu sich zu holen.

© Márcio BahíaWann und warum hast du beschlossen, nach Portugal zu gehen und warum hast du dich für Lissabon entschieden?

Ich kam 2008 nach Portugal. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine Galerie in Porto Seguro, in der ich viele meiner Werke an europäische Touristen, vor allem Portugiesen, verkaufte. So ist der Wunsch in mir erwacht, nach Europa zu gehen. Die Tatsache, dass ich einen Freund habe, der von Zeit zu Zeit in Portugal arbeitet, spornte mich zusätzlich an. Und wenn man von zu Hause weggeht, vor allem, wenn man das Land wechselt, ist die erste Stadt, an die man denkt, die Hauptstadt. Deshalb fiel meine Wahl auf Lissabon.

© Márcio BahíaHaben sich deine Erwartungen erfüllt?

Alle meine professionellen Erwartungen haben sich erfüllt. Die Leute mögen meine Bilder wirklich sehr und außerdem bin ich froh über die kulturelle Erfahrung, die ein Leben im Ausland mit sich bringt.

Hattest du anfangs Schwierigkeiten, mit der portugiesischen Kultur zurechtzukommen?

Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Probleme mit der portugiesischen Kultur. Ich bin jemand, der sich problemlos an jede Umgebung anpasst. Und abgesehen von kleinen Unterschieden sprechen wir die gleiche Sprache und haben auch einige Gemeinsamkeiten.

Wie ist deine Beziehung zu Deutschland und Österreich und welches Bild hast du von diesen Ländern und den Leuten?

In Österreich hatte ich mal eine Ausstellung und auch in Deutschland war ich schon - wenn auch ohne dort zu arbeiten. Ich habe sehr gute deutsche und österreichische Freunde, die ich sehr mag. Das sind gute Leute und es ist sehr einfach, mit ihnen zurechtzukommen.

© Márcio BahíaWie ist das Leben als Künstler? Kannst du von deiner Kunst leben?

Das Leben als Künstler hat seine Hochs und Tiefs. Man muss lernen, mit ihnen zurechtzukommen, um von der eigenen Kunst leben zu können. Ich habe das bisher gut geschafft. Wichtig ist, dass mir das, was ich tue, Spaß macht. Alles andere kommt dann von selbst.

Hat die aktuelle Krise deine Arbeit sehr verändert oder zumindest beeinflusst?

Wir versuchen, uns der Krise anzupassen. Die Krise hat die Käufer vorsichtiger gemacht, der Preis der Kunstwerke ist wichtiger geworden. Ich habe begonnen, kleinere Bilder zu malen, auch wenn ich große eigentlich lieber mache, weil sich die kleinen einfach besser verkaufen.

© Márcio BahíaWie sehen deine Zukunftspläne aus? Siehst du deine Zukunft trotz der Krise hier in Lissabon, möchtest du nach Brasilien zurück oder hast du etwas ganz anderes im Kopf?

Meine Zukunft lasse ich am liebsten einfach auf mich zukommen... Aber möglicherweise sind meine Tage in Lissabon gezählt. Ich möchte erstmal nicht nach Brasilien zurückkehren, denn ich weiß, es wird immer mein Heimatland bleiben und wenn ich zurückkehren möchte, bin ich willkommen. Aber im Moment möchte ich lieber die Chance nutzen, um neue Orte kennenzulernen und neue Erfahrungen zu machen. Lissabon werde ich wohl verlassen, aber ich habe vor, in Europa zu bleiben.
Veronika Faust
Redaktion Tudo Alemão.

Copyright: Tudo Alemão
Mai 2014

Originalsprache: Portugiesisch.
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