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Mein Stadtviertel – Lapa

(c) Patricia Coelho© Patrícia Coelho

Die Lissabonner sind dem Stadtviertel, in dem sie wohnen, sehr verbunden. Es ist ihr Zuhause, dort fühlen sie sich geschützt und geborgen. Die Bewohner der Lapa sind da nicht anders. Ich wohne in der Lapa, seit ich auf der Welt bin. Es war immer ein ruhiges Viertel mit überwiegend älterer Bevölkerung. Dadurch sind viele typische Gebräuche vergangener Zeiten erhalten geblieben.

Am frühen Morgen schon ist Leben auf den Straßen des Viertels: Menschen, die unterwegs zur Arbeit sind, Schüler auf dem Weg zur Schule und Rentner und Arbeitslose, die ihren täglichen Beschäftigungen nachgehen. Nach und nach füllen sich die Cafés mit Stammgästen, und die Gespräche über Politik, Fußball, die Familie, diverse Krankheiten oder Unglücksfälle ziehen sich über Stunden. Wer dann noch Zeit hat, geht in den Estrela-Park, um dort Freunde zu treffen oder spazieren zu gehen. Die Männer spielen Karten, „Malha“ (vergleichbar dem französischen Boule-Spiel; Anm. d Ü.) oder unterhalten sich. Die Frauen sprechen über frühere Zeiten, von den Enkeln (oder Urenkeln!) und über die täglich steigenden Preise. So vergeht die Zeit bis zum Mittagessen oder bis zur Messe.

Die vielen kleinen Restaurants der Lapa bieten überwiegend frisch zubereitete traditionelle Gerichte an, liebevoll serviert von freundlicher Bedienung: Man fühlt sich wie zu Haus.
Ein bevorzugter Treffpunkt der Bewohner der Lapa ist die Basilika da Estrela. Man sucht sie auf zu Messen, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen oder einfach, um geistlichen Beistand zu erbitten. Die Kirche (offiziell heißt sie Basilika und Kloster zum Heiligen Herzen Jesu) wurde zwischen 1779 und 1790 erbaut. Anlass zum Bau der Basilica da Estrela war ein Versprechen der Königin Maria I: Sollte sie einen Sohn bekommen, würde sie eine Kirche bauen lassen. Leider starb der Infant D. José zwei Jahre vor Beendigung des Kirchenbaus. D. Maria I. selbst ist in der Basilika da Estrela begraben.

(c) Patricia CoelhoIch wohne in einer der Straßen hinter der Basilika. Die Kirchenglocken begleiten den Alltag der Bewohner der Lapa. An Hochzeiten und Taufen erfüllt ihr fröhliches Läuten das Viertel. Trauerfeiern begleiten sie mit einer traurigen Ode zu Ehren des Verstorbenen. An solchen Momenten ist es nahezu still auf den Straßen des Viertels. Die Basilika da Estrela ist auch eine wichtige Sehenswürdigkeit und zieht viele Touristen an, die auf der Suche nach typisch Portugisieschem in die Lapa kommen, oft mit einer Straßenbahn der Linie 28, die durch mehrere Viertel Lissabons fährt, bevor sie dann gegen Ende der Strecke auch die Lapa durchquert.
Nach dem Besuch der Basilika nutzen die Touristen die Nähe des Estrela-Parks, um dort – oft stundenlang – dem Treiben zuzusehen. Ich kann sie gut verstehen. Im 1884 eingeweihten Park gibt es unzählige exotische Bäume und Pflanzen aus der ganzen Welt, die auch die Alteingesessenen des Viertes immer wieder in Erstaunen zu versetzen vermögen. An drei Teichen erwärmen unzählige Enten- und Gänseküken die Herzen der Spaziergänger.

Die Terassencafés sind fast immer gut besetzt, sei es von Touristen, Arbeitern, die Pause machen oder von Schülern, die im Schutz der alten Bäume lernen oder flirten. In der näherem Umgebung gibt es viele Schulen, daher füllen sich die Straßen des Viertels an Schultagen mit Gruppen von Kindern und Jugendlichen.

(c) Patricia CoelhoIm Sommer, vor allem im August, wird es etwas stiller in der Lapa. Für diejenigen, die nicht verreist sind, organisiert die Bezirksverwaltung Lyrik-, Musik- und Kunsthandwerk-Veranstaltungen. Eines der beliebtesten Angebote ist das Open-Air-Kino, welches jedes Jahr im Estrela-Park stattfindet. Seit das Festival vor etwa sieben Jahren ins Leben gerufen wurde, zieht es viele Besucher an, darunter auch viele Ausländer. Sein Erfolg liegt sicher nicht zuletzt auch daran, dass die Filme aktuell und für jedes Alter sind.

Ein Besuch der Lapa ist also ein Muss für jeden Touristen. Zum Wohnen ist es ideal: ruhig, gleichzeitig aber urban und zentral. Für mich ist Lapa das Herz Lissabons.
Patricia Coelho
Copyright: tudo alemão
Januar 2013

Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem Portugiesischen.

     

     
     

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