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Lissaboner Aussichten

(c) Patricia Coelho© Corinna Lawrenz

'Stadt auf sieben Hügeln', so wird Lissabon in Anlehnung an das große Rom in Reiseberichten häufig genannt und mit viel Hingabe in Fados besungen. Vermutlich liegt der - bis heute nicht ganz geklärte - Ursprung der Stadt jedoch nur auf einem einzigen; dem heutigen Burghügel des Castelo de São Jorge. Langsam entwickelte sich von hier aus eine lebendige Metropole, die sich mit Spuren römischer, westgotischer und maurischer Herrschaft spätestens zu Hochzeiten der portugiesischen Expansion tatsächlich über sieben Hügel erstreckte.

Heute hat sich das Lissabonner Stadtgebiet längst weiter ins Umland ausgedehnt, der traditionelle Stadtkern jedoch ist es, der die verklärende Bezeichnung weiterhin zu Recht trägt. Wer zu Fuß kreuz und quer durch seine Gassen schlendert und sich auch von steilen Anstiegen nicht abschrecken lässt, wird hinter so mancher Ecke mit einem ganz besonderen Blick auf das Dächermeer der Metropole belohnt.

Miradouros heißen die Aussichtspunkte, die Einheimische und Besucher gleichermaßen anlocken und zu einem Kaffee oder stillem Verweilen auf breiten Holzbänken einladen. Der weite Rundumblick offenbart an diesen urbanen Ruheoasen nicht nur einen Eindruck von den historischen Sedimenten der Stadtentwicklung, des Verfalls und Wiederaufbaus, sondern lässt den Besucher auch über dem Lärm der Stadt schweben, wie einen fernen Betrachter des großstädtischen Trubels. Besonders zu Sonnenuntergang füllen sich die Cafés, Rasenflächen und Bänke mit Besuchern, hier und da erklingt eine Gitarre, manch ein Tourist versucht den Augenblick fotografisch einzufangen, viele lassen den Blick einfach nur in die Ferne schweifen. Die Miradouros, so scheint es, vermitteln eine ganz eigene Form von Gelassenheit.

(c) Corinna Lawrenz Doch ist nicht jeder von ihnen gleichermaßen mit Ruhe gesegnet. Einige Aussichtspunkte, vor allem der Miradouro de Santa Luzia oberhalb der Sé Catedral, der Aussichtspunkt an der Igreja da Graça und der gegenüber im Bairro Alto gelegene Miradouro de São Pedro de Alcântara, erleben - besonders in den Sommermonaten – einen großen Besucherandrang. Dennoch gelingt es ihnen ihren ganz eigenen Charme beizubehalten. Wer seinen Blick über die bunten Dächer der Alfama schweifen lassen, ein Glas Wein unter Pinien mit Blick auf Castelo und Tejo trinken oder den Mond hinter der Burg aufgehen sehen will, ist hier trotz regen Betriebs richtig.

Versteckter liegt der Miradouro da Nossa Senhora do Monte, aber auch er ist längst kein Geheimtipp mehr. Nur wenige hundert Meter vom Miradouro da Graça entfernt, sorgt wohl vor allem das fehlende gastronomische Angebot dafür, dass einer der höchsten Punkte der Stadt selbst an schönen Sommertagen selten überfüllt ist. Kaum bekannt ist hingegen der Miradouro Monte Agudo im Stadtteil Penha da França, der, hat man ihn einmal gefunden, zwar nicht den fantastischen Blick des Senhora do Monte bieten kann, dafür jedoch mit Kaffee, kühler Limonade oder leckeren Sandwiches in entspannter Atmosphäre aufwartet.

(c) Corinna LawrenzAuch der Aussichtspunkt im Jardim do Torel ist selbst unter Einheimischen eher ein Geheimtipp als ein regelmäßiger Treffpunkt und bietet neben Café und schöner Gartenlandschaft die Möglichkeit einer ganz besonderen Anreise mit dem Elevador do Lavra, der ältesten Standseilbahn Lissabons. 1884 eingeweiht bringt sie bis heute Fahrgäste und Gepäck die steile Calçada do Lavra hinauf.

Jeder, der den ausgedehnten Blick auf den Tejo und die gegenüberliegende Christusstatue dem Stadtblick vorzieht, ist am Miradouro de Santa Catarina mit seinem Terrassencafé richtig aufgehoben. Und schlussendlich sind sowohl die Christusstatue selbst als auch das Castelo ideale Aussichtspunkte auf die Stadt – mit einem entscheidenden Minuspunkt: Im Gegensatz zu anderen Miradouros sind diese nicht kostenlos. Wer insbesondere am Castelo den hohen Preis nicht scheut, wird mit einer der schönsten Aussichten auf die sieben Hügel des alten Lissabons belohnt und kann sich zurückversetzen in die Zeit, in der die Geschichte der Stadt hier ihren Ausgang nahm.

Corinna Lawrenz,
geboren und aufgewachsen in Nürnberg, liebt es schon immer mit Notizbuch und Kamera die Welt zu erkunden. Nach dem Abitur ging sie für ein halbes Jahr nach Paraguay und studierte dann in Düsseldorf Medien- und Kulturwissenschaft. Danach zog es sie wieder in den Süden; in Lissabon setzt sie ihr Studium mit einem Master in Estudos de Cultura fort und berichtet für tudo alemão von dem, was sie an ihrem neuen Wohnort fasziniert.

Copyright: Tudo Alemão
Januar 2013

Originalsprache: Deutsch

     

     
     

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