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Da defiliert das schöne Lissabon

(c) Veronika Faust© Veronika Faust

Im Juni kommt die Stadt Lissabon in Feierlaune. Und wir mit ihr. Es beginnt die Zeit, in der wir durch ihre Straßen wandeln, ihre typischen Geschmäcker genießen und unseren Heiligen Antonius von Padua bitten, diesen Bund zu segnen. Dies ist ein Artikel über den Monat, in dem wir mit allem, was wir tun, der Hauptstadt unsere Liebe beweisen. An alle Verehrer: Nur keine Verlegenheit! Einen kleinen Strauß Basilikum in die Hand und los geht’s!

Die Umzüge sind wundervoll

Am Abend des 12. Juni begibt sich ganz Lissabon auf die Avenida da Liberdade, bereit zu verzaubern und sich verzaubern zu lassen. Gruppen der verschiedenen Viertel der Stadt in speziellen Kostümen ziehen die Avenida hinunter und tanzen dabei ihre einstudierten Choreografien zu heiterer Musik. Die Umzüge werden unter anderem von Bewohnern der Alfama, Madragoa, Castelo oder dem Bairro Alto durchgeführt. Jede Gruppe wählt ein Motto. Kleidung, Lieder, Choreografie und auch Dekoration werden darauf abgestimmt. Üblicherweise bestimmt jedes Stadtviertel außerdem noch zwei Paten, bekannte Persönlichkeiten, die während des Umzuges präsent sind. Am Ende, wenn alle Umzüge vorüber sind, wählt die Jury das Gewinnerviertel des Jahres. Die ganze Avenida entlang stehen dann Familien, sehen den Umzügen zu und feuern ihre Gruppe an: „Alfama, es ist auf jeden Fall Alfama!“ oder „Madragoa ist soo schööön!“.

Ein Schritt zurück

© Veronika FaustAm 05. Juni 1932 kündigte die Zeitung „Notícias Ilustrado“ den ersten Wettbewerb der Volksmärsche in Lissabon an. Die Idee stammte vom Direktor der Zeitung, José Leitão de Barros. Er war ein Bekannter von António Ferro, der während des portugiesischen Estado Novo die Kulturpolitik geleitet und außerdem das Amt der Nationalen Propaganda gegründet hatte. Man wollte damals einen Wettbewerb zwischen den Folkloregruppen der traditionellen Stadtviertel Lissabons organisieren, der parallel zu den traditionellen Festlichkeiten zu Ehren der Volksheiligen stattfinden sollte. Der erste Wettbewerb war ein voller Erfolg und damit war klar, dass es eine Wiederholung geben würde. Im Jahre 1934 wurde die Organisation der Umzüge dann dahingehend verändert, dass sie in die bestehenden Stadtfeste integriert wurden. Auch wenn diese populären Umzüge nicht jedes Jahr durchgeführt werden durften, konnten sie sich durchsetzen, und so finden diese kleinen Wettkämpfe zwischen den Stadtvierteln bis heute statt.

Schau nur, die leckeren Sardinen!

An diesem besagten Abend durch Lissabon zu wandeln ist die reinste Wonne für unseren Geruchs- und Geschmackssinn. Ob man sie bereits kennt oder nicht: Es käme einer Sünde gleich, keine der typischen Leckereien dieses Festes zu kosten. Da gibt es gebratene Sardinen in Brot, Chouriço, Bifana (ein Schweineschnitzel in einem Brötchen, Anm. des Übersetzers), Grünkohlsuppe, und, um das Ganze abzurunden, ein Gläschen Sangria. Wenn möglich sollte man an diesem Abend nicht zu spät zum Restaurantbesuch aufbrechen, da sich diese für gewöhnlich rasch füllen. Nach dem Essen sollte man dann auch die letzte Scheu ablegen und sich, ganz im Geiste der Feierlichkeiten, von einem Mini-Volksfest ins nächste schwemmen lassen. Da der Juni der Monat des Heiligen Antonius von Padua, dem Stadtheiligen Lissabons ist, ist es Tradition, ihn um Kraft in der Liebe zu bitten. Auf den Straßen werden kleine Basilikumsträuße mit kurzen Liebesgedichten verkauft, die man an seine Lieben verschenkt. Auch gibt es die Möglichkeit, sich bei der Stadtverwaltung Lissabon für einen von ihr organisierten Hochzeitstermin anzumelden, den man so mit anderen Paaren und teilt und dafür den Segen des Heiligen erhält.

© Veronika FaustOb Bewohner eines der Stadtviertel Lissabons, Braut oder einfach Liebhaber guten Essens; niemand sollte sich diese einzigartige Möglichkeit, Lissabon zu feiern, entgehen lassen. Und wenn man niemanden hat, dem man einen Basilikumstrauß schenken kann, schenkt man ihn eben dem heiligen Antonius. Denn wie heißt es noch so schön? Vorsorge ist besser als Nachsorge!
Ana Sousa
machte ihren Abschluss in Kommunikationswissenschaften und Kulturellen Studien an der Faculdade de Letras der Universidade de Lisboa. Sie besuchte einen Einführungskurs in den modernen Modejournalismus an der Central Saint Martins in London und andere Journalismuskurse an der Cenjor. Sie liebt das geschriebene Wort, Malerei und Reisen.

Copyright: Tudo Alemão
Juni 2013

Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem Portugiesischen.

     

     
     

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