Lissabon aLive

Lissabon Zen

(c) Ana SousaSamstag, 9:00 Uhr, der Himmel ist noch morgendlich rot. Noch sind wenige Menschen auf der Straße und die Cafés beginnen gerade erst ihre Türen zu öffnen. Heute ist der Besuch einiger Parks der Hauptstadt angesagt. Eine gute Art und Weise den Körper ein wenig in Schwung zu bringen und Energie für die nahende Arbeitswoche zu sammeln.© Ana Sousa

Den Fotoapparat im Anschlag steige ich in die Metro Richtung Santa Apolónia. Die Route ist klar. Von Santa Apolónia gehe ich zu Fuß hoch zum Campo de Santa Clara und schaue mir die Gegend an. Danach nehme ich die Straßenbahn 28 und fahre weiter hoch zum Jardim da Estrela. Dort nutze ich die Gelegenheit, um kurz meine Beine auszu-
strecken und mache mich später auf den Weg zum Jardim das Amoreiras. Als letztes gehe ich weiter bis zur Avenida da Liberdade
und lerne dort den Jardim de Torel mitsamt seiner tollen Aussicht auf die Stadt kennen. Meine Reise endet auf dem Rossio-Platz mit einer Ginjinha [ein typisch portugiesischer Sauerkirschlikör der seinen Ursprung in Lissabon hat] in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen.

Mit Blick auf den Panteon National und den Flohmarkt Feira da Ladra

In Santa Apolónia angekommen, begann ich die steilen Gassen bis zum Campo de Santa Clara hinaufzugehen. Im Näherkommen sah ich ein weißes, majestätisches Gebäude – den Panteon National. Dieses Monument, das zweifellos einen Besuch wert ist, wurde in der zweiten Hälfte des 16.ten Jahrhunderts errichtet und beherbergt die Särge von großen historischen Persönlichkeiten wie Dom Afonso Henriques oder Amália Rodrigues. Direkt neben dem Panteon findet jeden Dienstag- und Samstagmorgen die sogenannte Feira da Ladra - der “Markt der Diebin” -, ein sehr charakteristischer und traditioneller Flohmarkt Lissabons, statt. Mit einer Lizenz kann jeder hier seine Artikel ausstellen und anpreisen. Die Bandbreite reicht von neuen oder bereits benutzten Artikeln bis hin zu von den Verkäufern selbst angefertigtem Kunsthandwerk.

© Ana SousaDie Feira da Ladra entstand im 13. Jahrhundert und änderte bis 1882 einige Male seinen Veranstaltungsort (u.a. Schloß, Praça da Alegria), bis dieser sich beim Panteon festigte. Genau wie auf den Londoner Märkten wie dem Portobello Market verkauft man auf der Feira von Allem ein bisschen: CDs, Kleidung, Bücher, Gemälde, Acessoires, Schuhe, Taschen... Sogar Antiquitäten oder ältere Gegenstände wie bspw. alte Fotoapparate, Schallplatten, Möbel oder Taschenuhren werden angepriesen... Eine Sammlung von Schätzen für jeden Geschmack.

Da man keinen Eintritt zahlt, nutzen viele die Gelegenheit, um sich einfach im Rhythmus der Farben, Geräusche und Bewegungen des Markts treiben zu lassen. Der Park Jardim Botto Machado befindet sich direkt neben dem Markt. Zwar ist es kein besonders großer Park, das macht er jedoch mit der tollen Aussicht auf den Panteon National und vor allem auf die Feira da Ladra wieder wett. Wer diese gerne fotografieren möchte, der ist hier genau richtig. Gemeinsam mit der Familie oder auch allein kann man es sich hier in dem Straßencafé gemütlich machen, einen Saft trinken und dabei das Getümmel des Marktes beobachten oder einfach eine Pause vom Einkaufen machen.

Von der 28 bis zum Jardim da Estrela

© Alexandra FaustUm den Charme Lissabons hautnah zu erleben, kann ich eine Fahrt mit der Straßenbahn Nummer 28 empfehlen. Ich stieg gegenüber der Kirche São Vincente de Fora ein, um meine Reise fortzusetzen. Die Straßenbahn fährt an den Portas do Sol vorbei, herunter zu der Sé, vorbei an dem Chiado, die Calçada do Combro wieder hoch, dann an der Assembleia da República vorbei in die Calçada da Estrela, um daraufhin einen anderen, wunderbaren Ort Lissabons zu erreichen: Den Jardim da Estrela. Durch Mittel der Adligen im Jahre 1842 erbaut, inspiriert der Park mit seinem Stil der eng-
lischen Romantik und seiner reichen Vegetation. Es gibt dort zwei Spielplätze, einen See und einen Kiosk. Während ich durch den Park schlenderte, sah ich spielende Kinder und Erwachsene die auf der Esplanade zu Mittag aßen und über Gott und die Welt sprachen. Außerdem gab es Leute, die Fahrradrennen machten und andere, die einfach auf einer der vielen Bänke saßen und Zeitung oder ein Buch lasen.

Erholung im Jardim das Amoreiras und Panoramasicht im Torel

© Ana SousaNach ein bisschen Erholung und Herumschlendern im Jardim da Estrela machte ich mich, ohne weiter Zeit zu verlieren, auf, den Jardim das Amoreiras nahe der Assembleia da República kennenzulernen. Dieser ist begrenzt durch das Aquädukt “Aqueduto das Águas Livres”, direkt über der Mae d´Àgua. Hier wurde damals das durch das Aquädukt antransportierte Wasser abgelassen, um Lissabon zu versorgen. Der Garten war ein Projekt von Marques de Pombal das 1759 eingeweiht wurde. Neben einem Brunnen und einem Spielplatz gibt es hier außerdem noch eine kleine Kapelle, die Capela de Nossa Senhora de Monserrate. Es ist ein sehr ruhiger, ländlicher Park. Ganz in der Nähe, im Páteo Bagatela, gibt es ein paar gute Restaurants, in denen man gemütliches zu Mittag essen kann. Und genau das tat ich. Der Tag begann sich dem Ende zu neigen und es fehlte noch der letzte Park auf meiner Liste.

Bekannt für seinen unglaublichen Blick über Lissabon, ist der Jardim de Torel eines der bestgehüteten Geheimnisse der portugiesischen Hauptstadt. Auf einem der sieben Hügel, beim Campo dos Mártires da Pátria gelegen, besteht dieser extrem charmante Park aus einem Straßencafé, einem kleinen See und einem Spielplatz. Der Park hat zwei Eingänge. Da ich von dem Jardim das Amoreiras kam, ging ich bis zur Avenida da Liberdade hinab und betrat ihn durch die Straße Rua do Telhal. Der andere, der Haupteingang, ist an der Straße Rua Júlio de Andrade, direkt neben dem Aufzug Elevador do Lavra gelegen. Dieser Ort ist besonders bezaubernd wegen seiner im 18.ten und 19.ten Jahrhundert von Adligen erbauten Häuser. Trotz alledem ist seine Hauptattraktion sicher der Aussichtspunkt, von dem aus man die Unterstadt Baixa, den Tejo, den Torbogen der Rua Augusta und die Avenida da Liberdade sehen kann. Besser sind nur die im Garten aufgestellten Liegen, die den Besuchern Stunden der Wonne erlauben. Wie toll das erst im Sommer sein muss.

© Ana SousaDer Tag war um. Ich ging hinunter zum Rossio-Platz, wie ich es mir vorher bereits überlegt hatte. Für die Mutigen war die Bar der Ginjinha schon offen, bereits mit eingefleisch-
ten Fans an der Tür. Ein Freund von mir sagt immer:
“Richtig portugiesisch ist man nur mit einer Bifana in der Hand und dem Geschmack von Ginjinha auf den Lippen.” Nun gut, das war es, was ich dann auch tat. Die Nacht war schließlich noch jung...
Ana Sousa
machte ihren Abschluss in Kommunikationswissenschaften und Kulturellen Studien an der Faculdade de Letras der Universidade de Lisboa. Sie besuchte einen Einführungskurs in den modernen Modejournalismus an der Central Saint Martins in London und andere Journalismuskurse an der Cenjor. Sie liebt das geschriebene Wort, Malerei und Reisen.

Copyright: Tudo Alemão
November 2013

Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem Portugiesischen.

     

     
     

    „Mais alemão“

    Werbekampagne des Goethe-Instituts zur Förderung des Deutschunterrichts an portugiesischen Schulen

    Migration und Integration

    Migration verändert Kulturen   

    rumbo @lemania

    © rumbo @lemania
    Auf nach Deutschland!

    FuturePerfect

    © Future Perfect
    Geschichten für morgen - schon heute, für überall.

    Goethe-Institut Portugal

    Willkommen
    auf unserer
    Homepage!