Lissabon aLive

40 Jahre Nelkenrevolution - 40 Jahre Demokratie in Portugal

© Eva Gür© Eva Gür
Eines der wichtigsten politischen Ereignisse in der Geschichte Portugals wurde heuer 40 Jahre alt. Am 25. April 1974 stürzte die Nelkenrevolution die mehr als 40 Jahre andauernde Diktatur Salazars und ermöglichte Portugal somit die Demokratie.
Stolz, sentimental und hoffnungsvoll wird noch heute auf dieses Ereignis zurückgeblickt.


25. April 2014

Ein rotes Nelkenmeer erstreckt sich über die Avenida da Liberdade in Lissabon. Jung und Alt gedenken der Stunden des politischen Umbruchs in Portugal und tragen stolz das Symbol der Revolution im Knopfloch ihrer Jacken, am Hut oder im Haar. Sie schwingen die portugiesische Flagge, pfeifen und rufen Parolen wie: „25. April für immer! Nie wieder Faschismus!“

Die Stimmung ist magisch und zeigt: die Älteren sehen noch deutlich die Bilder der Revolution vor sich, spüren die Energie des Zusammen-
halts und des Aufbruchs zur lang ersehnten Freiheit, die Verbrüderung von Soldaten und Volk. Die jüngere Generation kennt diese Ereignisse zwar nur aus Geschichtsbüchern oder Erzählungen, aber dennoch ist der 25. April besonders heute auch für sie ein symbolischer Tag. Seit Jahren befindet sich Portugal in einer zähen Krise. Die Arbeitslosen-
quote hält sich bei 15%, das sind rund 10% mehr Arbeitslose als in Deutschland. Natürlich trifft das die junge Generation besonders hart. So fragt man sich heute auf den Straßen: Wo ist diese Freiheit, für die wir damals gekämpft haben?

Heute und damals: Largo do Carmo

© Eva GürDer 25. April ist nicht nur ein Feiertag, um der friedlichen Revolution zu gedenken, er ist besonders in diesem Jahr auch ein Tag des Protests gegen die aktuelle Regierung und deren Sparpolitik. Die Menschen protestieren gegen jene Politik, die auf Zahlen und nicht auf Menschen basiert. Jene Politik, die sich nicht nachhaltig mit den Konsequenzen der sozialen Gesellschaft beschäftigt, sondern die Gesellschaft durch soziale Kürzungen einschränkt.

Unter dem Namen „Todos os rios vão dar ao Carmo! Podes ser a gota de água!“, was soviel bedeutet wie „Alle strömen zum (Platz) Carmo! Du kannst den Unterschied machen!“ organisierten heute mehrere unabhängige Organisationen gemeinsam über soziale Netzwerke eine Demonstration in der Nacht vom 24. zum 25. April mit der Absicht, die Kraft und den Geist der Revolution von 1974 ins Hier und Jetzt zu bringen.

Am Largo do Carmo in Lissabon endete im April 1974 offiziell das System des Estado Novo. Der damalige Ministerpräsident Marcello Caetano, der nach Erkrankung und Tod des Diktators Salazar dessen Posten übernahm, flüchtete sich während der Revolution in das Hauptquartier des Militärs am Largo do Carmo, wo schließlich zu besagter Nacht die Regierung gestürzt wurde. Der Appell zum Aufbruch in Richtung Largo do Carmo für das Militär kam über ein geheim verabredetes Zeichen im Radio: das damals streng verbotene Lied „Grândola Vila Morena“ von Zeca Afonso, welches von Brüderlichkeit und Solidarität handelt, wurde in jener Nacht ausgestrahlt. Heute ist es die Freiheitshymne Portugals.

youtube: Zeca Afonso - Grândola, Vila Morena

© Eva GürHeute teilen viele den Frust, sich falschen Versprechen ausgeliefert zu fühlen und fordern den Rücktritt des Ministerpräsidenten Passos Coelho und ein Ende seines liberal-konser-
vativen Führungsstils.
Auf einem Flugblatt heißt es: „40 Jahre danach besetzen wir den Platz do Carmo, weil wir wissen, dass wir nicht warten können bis irgendwer unsere Probleme lösen wird. Wir müssen die Zukunft in unsere eigenen Hände nehmen. Wir hoffen, dass an diesem 25. April der Largo do Carmo zu einem Platz der Debatte und Bewegung wird, ein Platz, an dem ein Band der Solidarität geschaffen wird und Konvergenzen geschmiedet werden.“

Auch wenn sich, nach aktuellen Angaben, das Land vermutlich schon bald aus dem Rettungsschirm der EU befreien werden kann, zweifeln hier viele an einer Besserung der Lage, solange sich die politische Richtung nicht ändert. Denn beim Volk kommen diese geringen Verbesserungen nicht an.

Einige Tage nach den Demonstrationen ist es wieder ruhiger auf den Straßen der Hauptstadt. Es heißt nun wieder: abwarten! Die Bereit-
schaft etwas zu ändern, so scheint es, geht aber heute, ebenso wie damals, sehr stark vom Volk aus.

Eva Gür
hat in Deutschland Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Multimedia-und Musikjournalismus studiert. Sie hat für diverse Rundfunk- und Kultureinrichtungen gearbeitet. Aus Liebe zu Sprache und Kultur lebt sie seit einem Jahr in Lissabon und beschäftigt sich mit der portugiesischen Kulturszene.

Copyright: Tudo Alemão
Mai 2014

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

    „Mais alemão“

    Werbekampagne des Goethe-Instituts zur Förderung des Deutschunterrichts an portugiesischen Schulen

    Migration und Integration

    Migration verändert Kulturen   

    rumbo @lemania

    © rumbo @lemania
    Auf nach Deutschland!

    FuturePerfect

    © Future Perfect
    Geschichten für morgen - schon heute, für überall.

    Goethe-Institut Portugal

    Willkommen
    auf unserer
    Homepage!