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Public Viewing in Lissabon

© Corinna Lawrenz© Corinna Lawrenz
Spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 spielen Fußballturniere in Deutschland nicht mehr nur für enthusiastische Fans eine Rolle, sondern sind auch für „Normalsterbliche“ zu einem der Großereignisse des Sommers geworden. Public Viewing (übrigens ein Pseudo-Anglizismus) heißt das Stichwort, wenn an heißen Juni- und Julitagen an den Badeseen nur einige wenige Standhaftgebliebene anzutreffen sind.

In diesem Jahr will jedoch nicht so recht Turnier-Stimmung aufkommen; weder im WM-Land selbst, noch in Portugal (Was ist mit der WM Stimmung in Lissabon?), noch in Deutschland, wo sich in Medien und bei Privatleuten kritische Stimmen gegenüber FIFA und Ausrichterländern häufen. Zumindest in diesem Punkt sind sich Portugiesen und Deutsche also einig: die locker-leichte WM-Stimmung hat sich irgendwo zwischen Korruptionsskandalen, Euro-Krise und Berichten über die sozialen und politischen Missstände in Brasilien verloren.

© Franziska Mollitor Mit dem Anpfiff der ersten Spiele stehen aber dennoch die Diskussionen und Emotionen rund um den Ball im Mittelpunkt und Public Viewing ist dabei auch für die Deutschen in Lissabon ein Thema. Wie schon 2012 beginnt das Turnier für die beiden Mannschaften auch in diesem Jahr mit einem direkten Aufeinandertreffen. Vor zwei Jahren befand sich Lissabon gerade mitten in den Festas de Santo António und jedes arraial hatte irgendwo einen Fernseher oder eine Leinwand aufgetrieben. Während auf den Bildschirmen Deutschland glücklich und knapp gewann, fanden sich unter den Portugiesen auch vereinzelt Deutsche und man konnte beobachten, wie sich so manch einer über portugiesische Essgewohnheiten wunderte, während er versuchte, zwei überdimensionierte Würstchen (chouriços assados) hintereinander zu verspeisen.

© Boris RimkusWer sich hingegen damals wie auch in diesen Tagen im Goethe Institut Lissabon einfindet, geht einem solch magenfüllenden Missverständnis gekonnt aus dem Weg. Nicht nur die Bilder und Kommentare auf der riesigen Leinwand im Lissabonner Goethe-Garten kommen aus dem deutschen Fernsehen, sondern auch für das leibliche Wohl wird auf traditionell deutsche Art mit Bratwürstchen, Kartoffelsalat und Bier gesorgt. Dennoch ist das Publikum gemischt; unter den vielen schwarz-rot-gold gekleideten Deutschen finden sich auch einige Portugiesen, die sich spätestens bei der portugiesischen Nationalhymne lautstark bemerkbar machen, während unter den Deutschen nur ein paar vereinzelte Stimmen fast schüchtern mitsingen.

Ganz klar entscheiden, welcher Mannschaft sie nun die Daumen drücken, können viele Deutsche und Deutschportugiesen in Lissabon in diesen Tagen sowieso nicht. Hinter all den deutschen und portugiesischen Flaggen und Trikots schlagen einfach zu viele schwarz-rot-gold-rot-grüne Herzen. Doch unter den Deutschen ist auch der ein oder andere, der ganz klar und nur Deutschland die Daumen drückt und eben deswegen hierher gekommen ist. – Und auch für Deutschportugiesen ist vor allem die Verbundenheit zu Deutschland der Grund für ihre Public Viewing - Ortswahl. Bedenken, das Spiel an einem anderen Ort, an dem die Portugiesen in der Überzahl sind, zu sehen, hat hier aber keiner.

© Corinna LawrenzWer also als deutscher Fan gerade in der portugiesischen Hauptstadt unterwegs ist, kann auch getrost eine der vielen großen und kleinen Locations rund ums Zentrum von Lissabon aufsuchen – auf den Großleinwänden im Parque Eduardo VII und am Praça do Comércio werden alle Spiele ausgestrahlt; zwar mit Präferenz für die portugiesischen Spiele (das letzte Vorrundenspiel der Deutschen konnte man dort also nicht verfolgen), aber auch in Bars und Restaurants interessiert man sich keinesfalls einzig und allein für die Spiele der portugiesischen „Seleção“. An der Esplanada im Jardim do Príncipe Real gibt es zu jedem Spiel ländertypisch abgestimmte Kleinigkeiten zu essen. Für alle, die einen Tag am Strand verbringen wollen und dennoch ebenfalls nicht auf deutsches Flair und Essen zum Spiel verzichten mögen, ist der Jardim da Cerveja in Cascais eine Alternative (Reservierung wird empfohlen).
Corinna Lawrenz,
geboren und aufgewachsen in Nürnberg, liebt es schon immer mit Notizbuch und Kamera die Welt zu erkunden. Nach dem Abitur ging sie für ein halbes Jahr nach Paraguay und studierte dann in Düsseldorf Medien- und Kulturwissenschaft. Danach zog es sie wieder in den Süden; in Lissabon setzt sie ihr Studium mit einem Master in Estudos de Cultura fort und berichtet für tudo alemão von dem, was sie an ihrem neuen Wohnort fasziniert.

Copyright: Tudo Alemão
Juni 2014

Originalsprache: Deutsch

     

     
     

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