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Poetry Slam- Dichterwettbewerb in Lissabon

© CTL© CTL
In Deutschland ist es schon ein alter Hut, wenn sich Dichter auf der Bühne mit ihren Texten einen Wettstreit liefern. Anfang der 90er Jahre wurde Deutschland vom Slam-Fieber gepackt und ist bis heute infiziert. In Portugal ist die Idee der Spoken Word Kunst hingegen noch relativ unbekannt. Es gibt aber durchaus eine kleine Szene, die stetig wächst.


„Drei, zwei, eins: SLAM!“, heißt es einmal im Monat in der Musicbox, einem Musikclub am Cais do Sodré in Lissabon.
Das Publikum ist recht überschaubar, aber ich erkenne eine gewisse Szene. Es herrscht ein familiäres Ambiente im Club. Man kennt und grüßt sich. Der erste Künstler tritt auf die Bühne und performt drei Minuten lang seinen Text. Im fliegenden Wechsel treten an diesem Abend bis zu sieben Künstler auf. Ich merke schnell, dass die Texte
und Performance weitaus mehr Theater-Charakter haben, als bei den gängigen Slams in Deutschland. Zudem ist das gesamte Programm bunt gemischt. Videoinstallationen und experimentelle Musik bringen Abwechslung auf die Bühne. Am Ende gibt es einen Gewinner, der von einer Jury gewählt wird. Es gibt also einige Unterschiede zu Slams, die ich aus Deutschland kenne. Aber erst einmal alles auf Anfang. Was macht einen Poetry Slam eigentlich aus?

© Tanja Gleiset Der Begriff Poetry Slam kommt aus dem Englischen. Poetry = Dichtung und Slam = zuschlagen. Es ist also ein Dichterwettstreit,
der auf einer Bühne ausgetragen wird. Selbstgeschriebene Texte werden innerhalb einer vorgegebenen Zeit einem Publikum vorgetragen. Bewertet werden sowohl der Inhalt der Texte als auch die Art des Vortrags. Die literarische Form der Texte spielt dabei keine Rolle: von Lyrik, Kurzprosa, Rap-Texte über Comedy ist alles erlaubt. Normalerweise entscheidet das Publikum, wer der Gewinner des Abends ist. Somit entsteht automatisch eine Feedback-Situation für den Künstler und das Publikum wird angeheizt, mitzufiebern.
Wie so ein Abend in Deutschland dann genau aussehen kann, beschreibt euch Alexandra hier: (Poetry Slam - freundschaftlicher Dichterwettstreit).

Was geht in Lissabon?

Vor ungefähr fünf Jahren gab es in Lissabon die ersten Slam-
Veranstaltungen. In dieser Zeit hat sich die Musicbox als Hauptveran-
staltungsort für Poetry Slams etabliert. Einmal im Monat findet dort seither der SLAM LX statt. Zudem gibt es einmal im Jahr die Veran-
staltung Lisbon Speakers, die allerdings mehr als eine Lyriklesung verstanden werden kann. Und ab jetzt, ganz neu, soll zwei Mal im Jahr das Event WORLD SLAM LISBOA stattfinden. Ein internationales Spoken Word Event.

© CTLAm 3. Oktober geht es in die erste Runde und auch das Goeth-Institut in Lissabon hat dazu drei Künstler aus Deutschland eingeladen. Sebastian 23, Marvin Ruppert und Pauline Füg werden an diesem Abend mit Künstlern aus Portugal, Brasilien und England auf der Bühne stehen. Es ist kein Slam im klassischen Sinne, denn die Künstler stehen an diesem Abend nicht im Wettstreit. Es geht viel mehr um den Austausch. Die Idee, eine internationale Szene auf eine Bühne zu bringen, macht durchaus Sinn. Denn der Stil eines Spoken Word Events ist in jedem Land ein bisschen anders. Das liegt allein schon an der Sprache. Rhythmus und Performance zeigen ganz klare Unterschiede. Beim WORLD SLAM LISBOA können die Künstler so nicht nur internationale Kontakte knüpfen, sondern sich auch inspirieren lassen.
Eva Gür
hat in Deutschland Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Multimedia-und Musikjournalismus studiert. Sie hat für diverse Rundfunk- und Kultureinrichtungen gearbeitet. Aus Liebe zu Sprache und Kultur lebt sie seit einem Jahr in Lissabon und beschäftigt sich mit der portugiesischen Kulturszene.

Copyright: Tudo Alemão
September 2014

Originalsprache: Deutsch.
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