Lissabon aLive

Probier‘s mal mit Gemütlichkeit

© Jana Hermsen© Jana HermsenIn einer Großstadt, vor allem in einer Hauptstadt, erwartet man eigentlich viel Stress und Hektik. Hupende Autos, Menschen, die über die Straßen eilen und sich über zu spät kommende Busse beschweren. Ganz anders in Lissabon. Viel Trubel ist auch hier alltäglich, und dass sich die Touristen auf den Straßen tummeln ist klar – aber etwas ist anders in Lissabon…

Trotz des Trubels bleiben die Menschen ruhig. Das zeigt sich schon in einfachen Alltagssituationen, bei denen auf den ersten Blick von Gemütlichkeit keine Spur ist: Im Supermarkt, beim Bäcker oder bei der Post. Hinten anstellen ist die Devise, wie beinahe überall. Manchmal muss man sogar eine Nummer ziehen, weil der Andrang an Menschen doch recht groß ist. „Nichts Neues“, denkst du jetzt vielleicht. Stimmt eigentlich auch. Was mir allerdings neu war, war das Verhalten der Wartenden: Egal wie lange es dauert und egal wie viele Menschen sich um einen drängen - die Lissabonner sind die Ruhe selbst. © Jana HermsenEs wird geduldig gewartet – von Zeitdruck keine Spur und auch von gestressten Kassiererinnen nicht. Ein schönes Gefühl, in einer so lebendigen Stadt einfach alle Zeit der Welt zu haben. Das gilt übrigens auch für den Kaffee: Hier heißt es „Coffee to Stay“. Außer bei einem der wenigen Starbucks vielleicht, wird man kaum eine Möglichkeit finden, einen Kaffee zu bekommen, den man mal schnell auf dem Weg trinken kann. Nur auf Nachfrage bekommt man eine sehr improvisierte Variante eines tragbaren Kaffees, der unterwegs auch nahezu nicht zu trinken ist. Dann setzt man sich doch lieber an einen der kleinen Tische draußen vor einer Pastelaria. So viel Zeit muss sein!

Draußen sitzen auch gerne die älteren Herren. Nicht etwa nur des Kaffees wegen, nein, sie spielen Karten. Auch dies ein Bild, mit dem ich in einer Metropole nicht gerechnet hätte. Bei schönem Wetter – und in Lissabon strahlt oft die Sonne – sieht man sie überall auf öffentlichen Plätzen. Die kartenspielenden Herren, die sich seit eh und je mit ihren Freunden zu treffen scheinen. Ich dachte, das gibt es nur in einer alteingesessenen Dorfgemeinschaft. Aber Lissabon ist nicht nur in dieser Hinsicht eine sehr „dörfliche“ Stadt.

© Jana Hermsen Wann hast du das letzte Mal in Berlin einen Hahn krähen hören? Nein, ich meine nicht im Fernsehen oder im Zoo – ich meine in echt. Noch nie? Mir war dieses Geräusch auch nur aus Großvaters Stall bekannt. Bis jetzt: In Lissabon habe ich freilau-
fende Hähne nicht nur im Park gehört und gesehen, sondern auch bei offenem Fenster zuhause das eine oder andere Kikeriki vernommen. Bis jetzt für mich ein außergewöhn-
liches Geräusch in einer Großstadt. Doch wer weiß – vielleicht gehören ja die Hähne, entsprechend der Legende des „Galo de Barcelos“, der Freiheit und Gerechtigkeit symbolisiert, zum Geist des Landes und tragen so ihren Teil zum Bild dieser etwas anderen Metropole bei.

Hier, wo die Uhren langsamer ticken und morgens noch die Hähne krähen.
Jana Hermsen

Copyright: Tudo Alemão
Juni 2015

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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