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Süßes oder Saures?

© Raquel Magalhães© Michael Wickey

Halloween ist für mich die beste der Traditionen, die man hierzulande eigentlich nicht feiert. Manche Leute sagen, Halloween und Karneval seien doch eigentlich das Gleiche, aber dem muss ich heftig widersprechen. Halloween ist um Längen besser! Warum? Das Wetter im Oktober ist wesentlich angeneh-
mer als im Februar und wer nicht besonders kreativ ist, der kann sich einfach ein Bettlaken über den Kopf werfen und als Gespenst gehen – das spart einen Haufen Zeit beim Verkleiden. Außerdem ist es wohl der einzige Tag im Jahr, in dem Kinder in Portugal Süßigkeiten von Fremden annehmen dürfen.


Was tun in der Hexennacht in Lissabon?

© Teresa CatarinoAuch, wenn er in Portugal kein offi-
zieller Feiertag ist, gibt es immer mehr Menschen, die Halloween fei-
ern. Amerikanische Filme und Fern-
sehserien sind wohl der Hauptgrund für die steigende Popularität dieses Festes, schließlich wollen wir alle unseren Lieblingscharakteren nach-
eifern.

Wenn auch ihr aus diesem Tag etwas Besonderes machen wollt, habt ihr meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten: Entweder bleibt ihr zu Hause und futtert fleißig Reese’s Peanut Butter Cups in euch hinein, während ihr erfolglos versucht, einen Kürbis in eine gruselige Laterne zu verwandeln, oder ihr verkleidet euch als Sherlock Holmes oder sexy Krankenschwester und schließt euch den anderen Halloweenfans auf einer dieser Partys an:

Halloween Brass Madness,
im Clube Ferroviário ab 22h00 (6€ inklusive zwei Getränke)
Flow Halloween Party,
im Ministerium Club ab 00h00 (12€)
Halloween do Sertão,
im Beco do Rosendo um 19h00 (Initiative Renovar a Mouraria „die Mouraria erneuern”)

Am Vorabend von Halloween, also Freitagabend, findet außerdem die zweite Ausgabe der Lisboa Halloween Parade statt, die ehrgeizig versucht, die größtmögliche Anzahl an Kostümen durch die Straßen der Stadt marschieren zu lassen. Thema ist natürlich die Hexennacht, also müssen die Teilnehmer als Vampir, Wolfsmensch oder in andere Gruselkostüme gekleidet erscheinen. Die einfallsreichsten Kostüme gewinnen einen Preis.

Alles schön und gut, aber was ist nun eigentlich Halloween?

Die Hexennacht, wie man Halloween auch nennt, wird in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert. Abgesehen vom Namen, hat das Ganze aber eigentlich nichts mit Hexen zu tun. Sein Ursprung liegt im Samhain-Fest, einem keltischen Fest, das das Ende des Sommers markierte. Im Laufe der Geschichte gab es zwei Feste, die sich zu dem vermischten, was wir heute als Halloween kennen.
Das bereits genannte keltische Fest diente nicht nur dazu, das Ende des Sommers zu markieren, sondern war auch ein Gedenken an die Toten. Der katholische Glaube hat einen ähnlichen Feiertag: Allerheiligen, der seit Beginn des 9ten Jahrhunderts in allen katholischen Ländern am ersten November begangen wird. Das englische All Hallow’s Eve (Vorabend des Allerheiligen), wurde zu All Hallowed Eve und All Hallow Een, bis es schließlich zu dem wurde, was wir alle kennen: Halloween.

© Raquel MagalhãesDie Art und Weise, auf die es heute gefeiert wird, hat eigentlich kaum noch etwas mit den ursprünglichen Traditionen zu tun. Das Einzige, was geblieben ist, sind Verkleidung-
en und Dekorationen, die an die Toten er-
innern. Die vielleicht lustigste Tradition des heutigen Halloweens ist das berühmte trick-or-treating (Süßes oder Saures). Kleine (und große) Halloweenfans ziehen verkleidet durch die Straßen, klingeln an den Haustüren und verlangen Süßigkeiten von jedem, der die Tür aufmacht. Wer sich weigert, seinen Teil zu dieser Bonbonjagd dazuzugeben, läuft Gefahr, dass ihm ein Streich gespielt wird.

Natürlich müssen auch diejenigen, die drohenden Streichen aus dem Weg gehen möchten, am Wochenende nicht zu Hause bleiben: Ihr könnt am Samstagabend auf eines der Konzerte von Cat Power im CCB oder The Legendary Tigerman in der Casa Independente gehen und somit den verkleideten und sehr wahrscheinlich auch betrunkenen Menschenmassen entfliehen. Aber lasst euch eines gesagt sein: Ihr verpasst die beste und gruseligste Nacht des Jahres!
Raquel Magalhães
wurde vor 24 Jahren in Porto geboren. Sie ging auf die Deutsche Schule in Porto und machte ihren Bachelor in Kommunikations-
wissenschaften, spezialisiert im Bereich Beratung. Während ihres Bachelors studierte sie für ein Erasmus-Semester in Paderborn. Ihren Master hingegen absolvierte sie in Kommunikation, Kultur und Informationstechnologien an dem ISCTE in Lissabon. Aktuell ist sie zurück in Porto.

Copyright: Tudo Alemão
Oktober 2015
Dieser Text ist eine Übersetzung aus dem Portugiesischen.

     

     
     

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