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Sprachbarrieren

Birke Carolin Resch© Jonathan DateWer sich ein neues Leben in einem fremden Land aufbaut und die Landessprache (noch) nicht beherrscht, lässt sich auf ein Abenteuer ein. Missverständnisse, Kommunikationsprobleme und das Gefühl, ganz und gar fremd zu sein, machen die ersten Schritte in der neuen Umgebung nicht gerade leicht. Wer das, wie ich, einmal durchgemacht hat, kann in etwa erahnen, wie sich ein Geflüchteter in Deutschland fühlen muss. Mit einem wichtigen Unterschied: Ich bin freiwillig nach Portugal gekommen und kann jederzeit zurück.
Bevor ich mich nach Lissabon, in die weiße, lichtdurchflutete Stadt am Tejo aufmachte, habe ich ein Jahr lang fleißig allein zu Hause und mit einer guten Freundin aus Brasilien Portugiesisch gebüffelt. Das hat offenbar nicht viel gebracht, denn jetzt lächelt mich der Kellner freundlich, aber verständnislos an.

Ich wiederhole: „A-S-Ä-I-T-O-O-N-A-S.“
„Como?“ Jetzt reißt er die Augen in echter Verwirrung auf.
Ich versuche es zum dritten Mal, und denke diesmal daran, dass ’s‘ wie ’sch‘ auszusprechen: „A-S-Ä-I-T-O-O-N-A-S-C-H.“
Ratloses Kopfschütteln. Ich seufze, und gebe auf. „Olives, please.“
„Olives!“, lacht der Kellner. „A moment please.“

Seit ich hier angekommen bin, passiert mir so etwas am laufenden Band. Wenn ich im Café eine caldo verde (portugiesische Kohlsuppe) bestelle, bekomme ich ein Käse-Sandwich. Der Apotheker hält mir mit skeptischem Blick ein Mittel gegen Haarausfall hin, während ich versuche, ihm begreiflich zu machen, dass ich nur ganz normales Shampoo brauche. Und wenn ich mich nach dem Weg erkundige, wechseln die meisten Portugiesen mit mitleidigem Blick sofort ins Englische.

Gestern in einer Bar war es dann mal wieder so weit. Ich wollte zum imperial (Glas Bier vom Fass) tremoços bestellen, den typisch portugiesischen Snack zum Aperitiv bestehend aus eingelegten Lupinen-Kernen. Der Kellner hinter der Theke nickte sofort wissend, und ich lächelte schon triumphierend, als ich zu unserem Tisch zurückging. Ein paar Minuten später stellte er zwei Bier und ein herzhaft-gefülltes Gebäckstück auf unseren Tisch. Mein Begleiter lachte sich halbtot.

Später am Abend, mit einem Glas Wein in der Hand und einem atemberaubenden Blick über zahllose rote Dächer und den Tejo, denke ich darüber nach, warum mir diese Sprachschwierigkeiten so viel ausmachen – etwas, das ich vergessen hatte in den letzten Jahren in Berlin, meiner Geburtsstadt – nämlich, dass Sprache zentral ist, um sich sicher zu fühlen.

Eine neue Sprache zu lernen erfordert Mut. Und noch mehr Mut erfordert es, diese Sprache auch im Gespräch mit Muttersprachlern auszuprobieren. Deswegen verdienen Lerner, allen voran Geflüchtete, die in Integrationskursen jeden Tag aufs Neue mit den vielen Ausnahmen und Ungereimtheiten einer neuen Sprache kämpfen, in erster Linie Respekt, und sehr viel Geduld. Denn sie hatten – im Gegensatz zu Menschen, die freiwillig Grenzen überqueren - keine Wahl und keine Möglichkeit, sich auf ein fremdes Land und eine fremde Sprache vorzubereiten.
Birke Carolin Resch
hat in Hamburg, Kopenhagen und Amsterdam Ethnologie mit Schwerpunkt Migration studiert. Sie ist in Berlin geboren, hat die deutsche Hauptstadt aber erst in den vergangenen vier Jahren kennen und lieben gelernt. Nun hat es sie nach Lissabon verschlagen, wo sie als freiberufliche Deutschlehrerin arbeitet, in jeder freien Minute zeichnet und in ihrem Blog (ZwischenLissabonundBerlin) über Lissabon und Berlin berichtet.

Copyright: Tudo Alemão
Mai 2017

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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