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Zwischen Erfolg und Skandal: Ungeliebte Taxi-Konkurrenz in Lissabon?

© Jonathan Date© Jonathan DateBewunderer feiern Uber als fortschrittliche Kraft im globalen Kapitalismus. Doch in vielen Städten funktioniert das Geschäftsmodell nur, weil der Fahrdienstvermittler Regeln und Bestimmungen umgeht. Taxifahrer sind alles andere als begeistert.
Uber hat in wenigen Jahren die Welt erobert - so zumindest wirkt es manchmal. Der Fahrdienst soll in über 80 Ländern vertreten sein, wird in etlichen Songs erwähnt und hat längst Einzug in unseren Alltag gehalten. Meine ehemalige Mitbewohnerin in Berlin brachte auf den Punkt, was Uber für viele so attraktiv macht: „Warum soll ich nachts auf die U-Bahn warten, wenn ich für fast den gleichen Preis bequem bis direkt vor meine Haustür gebracht werde?“

Doch die Erfolgsstory war von Anfang an auch immer eine Skandalstory. Denn das 2009 in San Francisco gegründete Start-up vertritt eine aggressive Unternehmenskultur und umgeht Regulierungen und Sicherheitsvorkehrungen, die reguläre Taxifahrer einhalten müssen.

Angepasstes Geschäftsmodell

In vielen Städten gingen deshalb Taxifahrer auf die Barrikaden. In Berlin waren die Proteste zunächst erfolgreich und führten dazu, dass mehrere Gerichte zugunsten der Genossenschaft Taxi Deutschland urteilten: Das Angebot UberPop ist demnach wettbewerbswidrig, da die Fahrer ohne Lizenz fahren. Das Unternehmen senkte daraufhin die Fahrtkosten auf 35 Cent pro Kilometer, um das Urteil zu umgehen. Denn damit gilt der Dienst als einfache Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten und unterliegt nicht mehr den Regulierungen für Taxifahrten.

Allerdings senkte das den Profit merklich. Das Unternehmen meldete sich deshalb im Mai 2015 mit einem neuen, an die deutschen Bedingungen angepassten Geschäftsmodell zurück: Bei UberX arbeitet das Start-up mit Mietwagenunternehmen zusammen und lässt nur Fahrer zu, die einen Personenbeförderungsschein besitzen. Das neue Modell ersetzt UberPop und operiert momentan nur in Berlin und München. Allerdings lässt sich der Konzern von den vielen laufenden Gerichtsverhandlungen ganz offenbar nicht entmutigen und macht weiter Pläne für den deutschen Markt: In Zukunft soll es in Deutschland auch UberPool geben, ein Dienst, bei dem sich verschiedene Nutzer eine Taxifahrt teilen können.

Weitermachen trotz Bußgeldern

© Jonathan DateAuch in Lissabon, Porto und an der Algarve müssen sich Taxifahrer seit 2014 mit der ungeliebten Uber-Konkurrenz herumschlagen. Dabei ist Uber in Portugal in seiner jetzigen Form seit April 2015 verboten. Uber ging damals in Berufung und machte einfach weiter, während die Fahrer reihenweise Strafgelder von der Polizei kassierten.

Ein erneutes Verbot hatte Rui Bento, Uber-Chef auf der Iberischen Halbinsel, wohl nicht erwartet. Vor kurzem hatte er noch angekündigt, die Aktivität an der Algarve auszuweiten und Lissabon zum Standort eines europäischen „Exzellenzzentrums“ mit 250 neuen Arbeitsplätzen zu machen. Im November 2017 bestätigte das Lissabonner Berufungsgericht die Entscheidung jedoch: Uber bleibt vorerst illegal. Aufgeben kommt für Uber jedoch nicht in Frage. Das Start-up will nun die nächsten Schritte besprechen und drängt darauf, dass die Nationalversammlung einen ganz neuen rechtlichen Rahmen für Transportplattformen wie Uber beschließt.

Unfairer Wettbewerb

Wie in Berlin wehren sich in Lissabon vor allem die Taxifahrer gegen die Methoden des US-Konzerns. „Das Problem mit Uber ist einfach, dass es den fairen Wettbewerb missachtet“, sagt Bruno Santos, während er vor dem Jardim da Estrela auf Kundschaft wartet. Er weiß, wovon er spricht, denn der 37-Jährige ist selbst seit elf Jahren Taxifahrer in Lissabon. „Die Uber-Fahrer unterliegen nicht den gleichen Regeln wie wir. Taxifahrer müssen eine 150 Stunden umfassende Ausbildung absolvieren, eine Prüfung bestehen und eine Lizenz erwerben. Das alles kostet viel Geld. Außerdem müssen wir uns an den in Lissabon geltenden Taxitarif halten. Die Uber-Fahrer dagegen legen den Preis je nach Nachfrage fest und müssen nicht mal eine Lizenz vorweisen.“

Unzufriedene Taxifahrer, zufriedene Kunden und gesetzliche Regelungen, die einen fairen Wettbewerb garantieren sollen: Das ist ein schwieriger Spagat für Lissabon und andere europäische Städte. Bruno Santos ist eigentlich optimistisch. „Uber kann uns Taxifahrer nicht ersetzen“, sagt er. „Aber trotzdem, den Kampf gegen ein milliardenschweres Unternehmen zu gewinnen, ist nicht einfach.“
Birke Carolin Resch
hat in Hamburg, Kopenhagen und Amsterdam Ethnologie mit Schwerpunkt Migration studiert. Sie ist in Berlin geboren, hat die deutsche Hauptstadt aber erst in den vergangenen vier Jahren kennen und lieben gelernt. Nun hat es sie nach Lissabon verschlagen, wo sie als freiberufliche Deutschlehrerin arbeitet, in jeder freien Minute zeichnet und in ihrem Blog (ZwischenLissabonundBerlin) über Lissabon und Berlin berichtet.

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Februar 2018

Originalsprache: Deutsch.

     

     
     

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