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Kulinarischer Alltag in Portugal

Frischer Fisch und Meeresfrüchte, deftige Eintöpfe mit Schweinefleisch und Wurst, würziger Käse, süße Köstlichkeiten nach uralten klösterlichen Geheimrezepten, Kaffee in allen Varianten und natürlich Wein: Landschaften und Geschichte Portugals haben der kulinarischen Tradition des Landes ihren unverwechselbaren Charakter verliehen.

In Portugal isst man gern, reichlich, gut - und häufig auswärts. Restaurantbesuche haben hier einen anderen Stellenwert als zum Beispiel in Deutschland. Essen gehen in großen Gruppen ist an Wochenenden und schon bei kleinen Feierlichkeiten üblich. In regelmäßigen Abständen sieht sich die gesamte Großfamilie und prostet sich mit „Sagres“- „Super Bock“-Bier oder Wein an langen Tischen zu. In kleiner Runde bei Kaffee und Kuchen am Wohnzimmertisch zu sitzen, das ist selten in diesem Land. 

© GalindoEs ist üblich, dass Berufstätige täglich ihre Mittagspause in Restaurants verbringen. Spezielle Mittagsangebote gibt es überall. Auch in kleinen, preiswerten Restaurants wird man immer wieder von der hohen Qualität der angebotenen Gerichte überrascht.

Typische portugiesische Restaurants und Cafés verteilen sich in großer Dichte gleichmäßig über jede Stadt. Ihr Design ist unverwechselbar: In einem vitrinenförmigen Tresen, zumeist direkt am Eingang, werden Getränkedosen und traditionelles Gebäck präsentiert. Man kann wählen zwischen Süßem wie den „pastéis de nata“ – kleinen runden Puddingkuchen in Blätterteig, die der Backtradition der Klöster entstammen – und Herzhaftem wie den „rissóis“ – oft mit Meeresfrüchten gefüllt. Größere Desserts und Früchte werden in einem Schrank aufbewahrt, der so verspiegelt ist, dass der Inhalt von oben zu sehen ist. Weinflaschen stehen in speziellen Vorrichtungen. In den älteren Restaurants herrschen oft leicht dämmrige Lichtverhältnisse, verstärkt durch dunkles Holz. Fliesenboden und verspiegelte Wände lassen den Raum der häufig winzigen Cafés oder Restaurants größer erscheinen. Auf kleinen, quadratischen Tischen liegt für jeden Gast ein frisches Tischtuch aus Papier.

© Galindo„Marisqueiras“, Restaurants speziell für Meeresfrüchte, sind unschwer zu erkennen: An ihrem Eingang stehen offene Behälter mit lebenden Muscheln. Wer sich zu sehr nähert, wird angespritzt. Durch Aquarien wandern riesige Langusten mit gefesselten Scheren. Doch es reicht schon, einfach gegrillten Fisch zu bestellen – weiß und zart, von der mitservierten Zitrone oder Olivenöl gewürzt – um sich zufrieden zurückzulehnen. Komplizierter ist der Verzehr einer ‚sapateira’, eines Taschenkrebes. In seiner Schale wird das pürierte Fleisch serviert. Die Extremitäten muss man mit Hammer, Zange und Haken bearbeiten, um an das Fleisch zu gelangen.

© Galindo„Tosta mista“, gemischter Toast, ist der Klassiker schlechthin, ein Snack für jede Tageszeit. Traditionelles Brot aus der Provinz, mit Butter, Käse und Kochschinken belegt, wird im Sandwichtoaster überbacken. „Tosta mista“ gibt es überall. In jedem portugiesischen Café kann man sie bestellen – am besten zusammen mit einem „galão“. Espresso mit drei Teilen geschäumter Milch, in hohem Glas und mit langem Löffel serviert. Lauwarm, „morno“, statt heiß ist er ein gutes Sommergetränk.

© GalindoSoll es zum Abschluss vielleicht ein Wein sein? Gute Weine sind nicht teuer in Portugal. Bei einem gut gekühltem „vinho verde“, jungem Weißwein oder kräftigem Rotwein aus dem Landesinneren, „vinho tinto alentejano“, auf einer Terrasse den Tag ausklingen zu lassen, macht die Strapazen der Sommerhitze mehr als wett.

Lucas Galindo, 21,
wurde als Sohn einer Deutschen und eines Mexikaners in Mexiko geboren und wuchs in Portugal auf. Nach dem Abitur an der Deutschen Schule Lissabon zog er nach Berlin, um Kunstgeschichte zu studieren. Den Wechsel zwischen den Kulturen empfindet er als Chance und als Dilemma zugleich: Wo man sich aufhält, genießt man, was es gibt und vermisst doch das, was nur woanders geboten wird. Da hilft bloß Reisen…

Copyright: tudo alemão
August 2012

Originalsprache: Deutsch

     

     
     

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