Deutschland für Anfänger

Warten aufs Christkind

© Sümeyye Yil© Christian ReilingVorfreude ist die schönste Freude – dieses Sprichwort trifft selten so sehr zu wie in den Wochen vor Weihnachten. Wenn die Tage kürzer werden und das Tageslicht im ganzen Land durch weihnachtliche Beleuchtung ersetzt wird, wenn Fässer voller Glühwein für die Weihnachtsmärkte in Position gebracht werden und Eisdielen ihr Sortiment durch Lebkuchen ersetzen, geht es los: das Warten aufs Christkind.
Dieser Figur – man stellt sie sich goldgelockt und weiß gewandet vor – kommt am 24. Dezember eine tragende Rolle zu: Das Christkind bringt die Geschenke vorbei. Im Idealfall sorgt die Bescherung für staunende Mienen und glänzende Augen. Besonders bei Kindern werden dann literweise Endorphine ausgeschüttet, aber auch die Erwachsenen sind entzückt und schwelgen in Erinnerungen an die Zeit, als sie den heiligen Abend selbst kaum erwarten konnten. Jedes Kind weiß also, wieso sich alle auf Weihnachten freuen.

Aber wie hält man die lange Wartezeit aus?

© Christian ReilingIn Deutschland behelfen sich viele Menschen eines raffinierten Tricks: Sie kommen dem Christkind zuvor und überhäufen sich schon während der Wartezeit mit Geschenken. Wichtigstes Utensil bei dieser Strategie ist der Adventskalender. Er hat 24 Türchen, eines für jeden Tag ab dem 1. Dezember. Und hinter jedem Türchen steckt eine Überraschung. Es gibt kaum einen Adventskalender, den es nicht gibt; alle Spielarten sind denkbar. Der Klassiker versüßt die Wartezeit mit Schokolade. Handelsüblich sind besonders Schokotäfelchen mit Weihnachtssymbolik: ein Christbaum, Zuckerstangen, Spielzeug. Man könnte diese Variante noch als dezente Andeutung der Bescherung zu Heiligabend verstehen; als einen zartschmelzenden Vorgeschmack auf das, was da kommt.

Schwieriger wird das, wenn sich hinter den Türchen echtes Spielzeug befindet. Raumschiffe, Autos, Tiger und Kühe – die Kalender füllen ganze Kinderzimmer. Und nicht nur die. Vor logistische Herausforderungen sieht sich auch gestellt, wer einen Kosmetika-Kalender sein eigen nennt. 24 Fläschlein und Tuben müssen untergebracht werden. Und wer weiß, was dann über die Feiertage noch dazukommt. Wer auch immer diese monströsen Kalender überreicht, braucht sich darüber keine Gedanken zu machen. Und ist schenkstrategisch mit allen Wassern gewaschen. Denn die Chance, den Geschmack des Gegenübers zu treffen, erhöht sich mit nur einer konzentrierten Aktion um das vierundzwanzigfache.

© Christian ReilingBesonders hoch wirkt die Zahl 24 bei einem Modell, das Schnaps in allen Variationen bietet. Feige, Kirsche, Cappuccino – auch hier wird in alle Geschmacksrichtungen breit gestreut. Ähnlich wie bei dem Kalender mit Lotionen und Mittelchen zur Körperpflege besteht bei der hochprozentigen Variante allerdings die Gefahr, der oder dem Beschenkten eine mehrdeutige Botschaft zu übermitteln. Vermutlich deshalb punkten viele Menschen in Deutschland bei ihren Lieben gerne mit selbstgebastelten Adventskalender.

Doch bei all den Freuden der Adventszeit bleibt der Grund für den Anstieg der Fieberkurve vor Weihnachten auch in Deutschland der christliche Glaube. Advent ist das lateinische Wort für „Ankunft“. Gemeint ist hier die Ankunft des „Sohn Gottes“, die Geburt Jesu und nicht etwa das Eintreffen der Geschenke. Die Adventszeit ist für viele eine Zeit, die Wärme und Behaglichkeit im Familienkreis bietet. Praktizierende Christen nutzen besonders die vier Adventssonntage zur inneren Einkehr, für Gesang und Gebet.

Richtig festlich wird es dann am Abend des 24. Dezember. Dann wird besonders der Gaumen für das lange Warten belohnt. Mit Weihnachtsgans, Klößen und Rotkraut für alle, die es traditionell mögen.

Wohl denen, die dann noch einen Verdauungsschnaps aus ihrem Kalender übrig haben! © Christian Reiling
Christian Reiling
träumt von einem Adventskalender mit Flugtickets nach Portugal. Das würde gleich für zwölf Reisen in sein liebstes Urlaubsland reichen.

Copyright: Tudo Alemão
Dezember 2017

Orignalsprache: Deutsch

     

     
     

    „Mais alemão“

    Werbekampagne des Goethe-Instituts zur Förderung des Deutschunterrichts an portugiesischen Schulen

    Migration und Integration

    Migration verändert Kulturen   

    rumbo @lemania

    © rumbo @lemania
    Auf nach Deutschland!

    FuturePerfect

    © Future Perfect
    Geschichten für morgen - schon heute, für überall.

    Goethe-Institut Portugal

    Willkommen
    auf unserer
    Homepage!