Grenzgänger

Heimat geht durch den Magen

© Iris Wildfeuer©  Iris WildfeuerNormalerweise merke ich es nach zwei, drei Monaten im Ausland: Ich liebe das neue Land, die neue Sprache und die neue Erfahrung - aber ich beginne bestimmte Aspekte aus der Heimat zu vermissen. Und was ich jedes Mal als erstes vermisse, ist die deutsche Küche!
Denn nachdem ich die erste Zeit damit verbracht habe, begeistert alles zu probieren, was das neue Land kulinarisch anzubieten hat, und alles lecker finde, erinnert mich plötzlich irgendetwas an heimisches Essen und mir wird schmerzlich bewusst, dass ich genau dieses eine Essen hier nicht bekommen kann! Dieses Mal war es der Fasching daheim.. und das Bewusstsein – Fasching, das ist Krapfenzeit!

Was bleibt mir also anderes übrig als zu versuchen ein Stück Heimat im Ausland zu kreieren? Ich bin zwar nicht besonders gut im Backen, aber wenn mich das kulinarische Heimweh packt, dann greife sogar ich zum Kochbuch!

Krapfen (oder auch Berliner)

In Portugal habe ich schon häufig beschrieben, was ein Krapfen ist. Und dann kommt immer die Frage: Aber ein Krapfen, das ist doch wie Bolas de Berlim, oder? Nicht ganz! Natürlich gibt es auch in Portugal und in anderen Ländern Fettgebackenes zum Beispiel an Festtagen, aber wer Original Krapfen das ganze Jahr über zur Verfügung haben will, kann dieses Rezept ausprobieren!

Rezept für klassische Krapfen

Wer die Krapfen lieber etwas gesünder möchte, hier eine Variante mit Krapfen aus dem Backofen, ohne Frittieren!

Brot

©  Antonio MaragliuloMehrkornbrot, Vollkornbrot, dunkles Brot… alles andere ist nicht wirklich Brot für mich als Deutsche. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht nur mir so geht. Denn das deutsche Brot gilt sogar als Immaterielles Kulturwelterbe und hat eindeutig einen Status großer Wichtigkeit in Deutschland. Weshalb sonst gäbe es in der Nähe von Göttingen sogar das europäische Brotmuseum? Wie kommt es nur, dass es anscheinend nur in Deutschland eine so ausgedehnte Brot-Kultur zu geben scheint?

Solches Brot zu bekommen war bisher überall ein Abenteuer. Wie habe ich gutes Brot deshalb bisher immer überall vermisst! In Spanien habe ich dann etwas entdeckt dass mir als Back-Laie sehr geholfen hat- Brotbackmischungen! Sie sind in verschiedenen Supermärkten erhältlich und ein guter Ausweg aus dem Dilemma, den ich guten Gewissens an andere Back-Anfänger wie mich weiterempfehlen kann. Denn es ist wirklich sehr einfach. Man muss nur den Tüteninhalt mit der richtigen Menge an Wasser vermischen und man hat einen guten Brotteig. Das Brot kann man dann frisch aus dem Ofen noch warm essen. Nur mit etwas Butter.
Gibt es etwas Besseres als frisches Brot?

Und für alle, die mehr Vertrauen in ihre Backkünste haben als ich, hier das Brot-Rezept, das auch meine Mama verwendet (Es ist für eine Küchenmaschine gedacht):

Rustikales Brot
150g Roggen
150g Dinkel
je 1 TL Kümmel, Anis, Fenchel und Koriander
300g Mehl (Type 1050)
2 TL Salz
1 TL Zucker
2 TL Trockensauerteig
1 EL Apfelessig
1 Würfel Hefe
ca. 350g lauwarmes Wasser

Roggen, Dinkel und Gewürze 1 Min./ Stufe 10 mahlen. Restliche Zutaten zugeben und 3 Min./Knetstufe zu einem Teig kneten. Evtl. kurz vor Ablauf der Zeit verschiedene Körner (Sonnenblumen, Sesam, etc.) auf Wunsch zugeben. 20 Minuten im Mixtopf gehen lassen, nochmals ca. 30 Sek./Knetstufe kneten. Teig auf Backpapier geben, mit Wasser bestreichen, einwickeln, in den kalten Backofen geben und 45 Minuten bei 250 ºC backen.

Brezen, Brezeln (Laugengebäck)

Nenne man sie, wie man wolle, ich habe Laugengebäck allgemein bisher nirgendwo außerhalb von Deutschland gefunden. Und natürlich immer vermisst. Also bleibt mir da nichts anderes zu tun, als selbst zu Mehl und Natronlauge zu greifen. Was erstmal abenteuerlich klingt, ist aber doch ganz einfach. Probiere es doch selbst mal aus!

Es wird vermutlich nicht nur mir so gehen, dass mir die Heimat vor allem kulinarisch fehlt. Und ob nah oder fern, diese klassisch deutschen Leckerbissen schmecken immer! Also nichts wie ran an den Herd bzw. Ofen!

Und wer dann nach getaner Arbeit in seinen Krapfen beißt, dass die Marmelade nur so tropft, wer seine Breze mit Butter bestreicht oder sein frisches Brot aus dem Ofen nimmt, der wird stolz feststellen: Man hat damit ein kleines Stück Heimat für sich geschaffen.
Iris Wildfeuer
aus dem schwäbischen Augsburg hat in Spanien moderne Sprachen, Literatur und Übersetzen studiert. Augeblicklich lebt sie in der jordanischen Hauptstadt Amman um ihre Arabischkenntnisse zu erweitern. Bücher, Sprachen und Kulturn sind ihre großen Leidenschaften.

Copyright: Tudo Alemão
November 2019

Orignalsprache: Deutsch

     

     
     

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