Alltag

Was haben saubere Schuhe mit Weihnachten zu tun?

© fLy Ralf Menzel© fLy Ralf MenzelDer Nikolaustag war in meiner Kindheit immer ein Tag, dem wir gespannt entgegentraten. Am Abend zuvor mussten meine Schwester und ich unsere vorher sorgfältig ausgesuchten Schuhe putzen, denn wir wussten, wir würden Kohle darin fin-
den, wenn die Schuhe nicht blitzblank waren. Also stellten wir immer unsere größten Winterstiefel an die Haustür – denn je größer der Schuh, desto mehr passt schließlich hinein!


Am nächsten Morgen war die Freude dann groß: Der Heilige Nikolaus war über Nacht da gewesen und hatte etwas zum Naschen, Orangen und Äpfel in das saubere Paar Schuhe gesteckt. In der Schule zeigten wir uns gegenseitig unsere Nikolaus-Süßigkeiten und bekamen alle von der Klassenlehrerin noch einen Schokoladenweihnachtsmann dazu.
- Eine schöne Tradition mit kleinen großen Freuden.

Der Heilige Nikolaus

Aber wer ist dieser Heilige Nikolaus eigentlich? Der historische Nikolaus lebte im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. in Myra, wo er Bischof wurde. Myra war damals Teil des römischen Reichs und liegt heute in der Türkei. © fLy Ralf MenzelEiner der zahlreichen Legen-
den nach erfuhr Nikolaus, als er noch kein Bischof war, von einem verarm-
ten Mann, der seinen drei Töchtern keine Mitgift geben konnte. Diese hätten sich deshalb bald prostituieren müssen. Um dies zu verhindern, ging Nikolaus in drei aufeinanderfolgenden Nächten zum Fenster der Jungfrauen und warf je einen großen Klumpen Gold in ihr Zimmer. Heute ist er Schutzpatron der Kinder und unzähliger Bevölkerungsgruppen, unter anderem der der Seefahrer.

Und was hat der Nikolaus mit dem Weihnachtsmann zu tun?

Aus der Legende von den drei Jungfrauen hat sich in Deutschland der Brauch entwickelt, dass den Kindern in der Nacht zum 6. Dezember, dem Namenstag des Heiligen Nikolaus, etwas Süßes geschenkt wird.

Anfangs wurden die Gaben allerdings nicht in die Schuhe gelegt: Im 15. Jahrhundert kam die Tradition des Schiffchensetzens auf. Die Kinder bastelten Nikolausschiffe, in die der Schutzpatron der Seeleute in der Nacht zum 6. Dezember kleine Geschenke legte. © fLy Ralf MenzelIm Laufe der Zeit lösten Schuhe, Stiefel, Strümpfe und Gabenteller die Nikolausschiffchen ab. So stellen heute Kinder in Sachsen am Vorabend des Nikolaus-
tages die geputzten Schuhe vor die Tür, im Rheinland hängen sie hin-
gegen Strümpfe an den Kamin. Wenn die Kinder artig waren, legt der Nikolaus Nüsse, Mandarinen, Leb-
kuchen oder Schokolade hinein. In vielen Regionen, wie in Norddeutschland, werden am Morgen des Nikolaustages außerdem Stutenkerle gegessen, kleine Männlein aus Mehl, Zucker, Fett und Hefe. Die Tradition, dass die Kinder ein Stück Kohle oder eine Rute bekommen, wenn sie nicht brav waren, wird hingegen immer seltener.

Infolge der lutherischen Reformation, bei der die Heiligenverehrung abgelehnt wird, wurde der Nikolaus vielerorts vom Christkind abgelöst und die Beschenkung verlagerte sich im Laufe der Jahrhunderte zuneh-
mend auf Weihnachten. Mittlerweile bringt aber auch immer häufiger der Weihnachtsmann Heiligabend die Geschenke. Und wie wird der Weihnachtsmann in den USA immer noch genannt? - Richtig: Santa Claus (vom niederländischen „Sinterklaas“ = Sankt Nikolaus).

Obwohl ich kein Kind mehr bin, behalte ich die Tradition zum Nikolaus-
tag bei – so putze ich wenigstens einmal im Jahr meine Schuhe. Mittlerweile müssen auch meine Eltern ihre Schuhe putzen, denn auch zu ihnen kommt der Nikolaus inzwischen wieder, aber natürlich nur, wenn sie artig waren! :)
Nastasia Herold
‪ studierte Lusitanistik und Französistik in Leipzig. Zu Studienzwecken verbrachte sie einige Monate in Portugal (Universidade de Lisboa) und Québec. Im Oktober 2012, noch während des Masterstudiums, gründete sie die Firma "Culture Mondial". Mit dem Unternehmen hat sich Nastasia auf weltweite interkulturelle Informationsarbeit spezialisiert.
Mehr unter www.culture-mondial.com

Copyright: Tudo Alemão
Dezember 2015

Originalsprache: Deutsch

     

     
     

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