Alltag

Carsharing – Die Zukunft unserer Mobilität?

© fLy Ralf Menzel© Nastasia HeroldBerlin, Herbst 2013. Mein Freund und ich wollten ins Theater ans andere Ende der Stadt. Wir waren etwas spät dran, die U-Bahn war 15 Minuten zu Fuß entfernt, auf Taxi hatten wir keine Lust. „Los, wir probieren das mit dem Carsharing mal aus, ich hab mir vor kurzem ein Konto eingerichtet“, sagte er. Carsharing? Ja, das hatte ich schon mal gehört.

Er öffnete die App seines Carsharing-Anbieters, wählte einen Mini aus, der auf unserer Straße stand und buchte ihn. Das alles dauerte keine Minute. Dann gingen wir runter, und das Auto mit der kleinen Aufschrift „DriveNow“ stand genau dort, wo es die Karte auf der App anzeigte. Mein Freund hielt seine Kundenkarte an die vorgesehene Stelle an der Frontscheibe und die Türverriegelung wurde entsperrt. Nachdem der Bordcomputer uns anwies, kurz den äußeren und inneren Zustand des Autos zu bewerten, konnte es losgehen. Wir fuhren zum Theater, mein Freund loggte sich mit seiner Karte aus – und mein erstes Carsharing-Erlebnis war vorüber.

Die Entwicklung des Carsharings

© Nastasia HeroldMittlerweile weiß ich, dass es verschiedene Formen des Carsharings gibt, aber eins nach dem anderen. Wo kommt dieses Konzept überhaupt her? Das erste Unternehmen, welches Autos zum Teilen anbot, wurde bereits 1948 in Zürich gegründet. Das Konzept wurde jedoch nicht weiterentwickelt und auch die in den darauf folgenden Jahrzehnten in Frankreich und den Niederlanden gegründeten Unternehmen hatten nur mäßigen Erfolg. Aufschwung in der Branche gab es erst ab den 1980er Jahren, vor allen in der Schweiz, in Deutschland, Schweden und den Niederlanden. Heute gibt es in Ballungsräumen weltweit Carsharing-Organisationen, die 2011 von 700.000 Menschen in Europa genutzt wurden. Der Zuspruch für dieses Mobilitätskonzept ist so groß, dass es bis 2020 europaweit schätzungsweise 15 Millionen Nutzer und Nutzerinnen geben wird. Seit Januar 2015 gibt es einen Gesetzesentwurf des deutschen Verkehrsministeriums, durch den zukünftig Parkzonen für Carsharing (ähnlich den Taxi-Zonen) geschaffen werden sollen.

Welche Möglichkeiten gibt es?

© Nastasia HeroldEs gibt zwei Hauptkonzepte: Das stationsbasierte System und das Free-Floating Carsharing. Bei ersterem gibt es feste Parkstationen für die Autos, also private und öffentliche Parkplätze z.B an Bahnhöfen und anderen wichtigen Knotenpunkten. Vorteile: Die Parkplätze sind fest reserviert man findet dort immer eine Parklücke und kann das Auto schon Tage im Voraus buchen. Einziger Nachteil: Das Auto muss immer an den Abholort zurückgebracht werden. Das Free-Floating-Konzept hingegen ist ein One-Way-Konzept. Hier haben die Autos keinen festen Parkplatz, sondern können in einem vorgeschriebenen Gebiet (z.B. „Stadtgebiet Karlsruhe“) überall auf öffentlich zugänglichen Parkplätzen abgestellt werden. Den Standort findet man dann über die App des Anbieters. Der Vorteil ist hier die Flexibilität, da das Auto nicht zurückgebracht werden muss. Nachteil ist, dass das Auto meist nur max. 15 min im Voraus reserviert werden kann.

Die Vorteile gegenüber einem Privatauto

Sehr entspannend ist, dass man sich beim Carsharing um nichts außer um Sauberkeit kümmern muss. Wenn der Tank leer ist, gibt es eine Tankkarte im Auto. Wartung etc. ist Aufgabe des Carsharing-Anbieters. Ein weiterer großer Vorteil ist die hohe Flexibilität gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr, und dass Carsharing i.d.R. günstiger ist als das Halten eines Privatautos. Je nach Automodell wird in der App ein Grundpreis für die Kurzmiete angezeigt. Bei der Rechnung kommen dann Gebühren für die gefahrenen Kilometer und die Benutzungsdauer hinzu. Außerdem ersetzt ein Carsharing-Auto im Durchschnitt vier bis acht Privat-Pkws, was sich positiv auf den Verkehr auswirkt. So hat Carsharing auch für die Umwelt positive Auswirkungen, da weniger Autos hergestellt werden müssen. Außerdem werden hauptsächlich Neuwagen geteilt, die aufgrund neuwertiger Technologie eine niedrigere CO2-Bilanz haben. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass trotz weltweiter Tendenz der Verstädterung der Verkehr mit einer breiten Carsharing-Nutzung nicht wachsen würde und damit nicht noch mehr Straßen und Parkplätze gebaut werden müssten.

Die Zukunft

© Nastasia HeroldWo führt uns das alles hin? Natürlich war ein erster Aufschrei der Automobilbranche vorprogrammiert, da die Nutzung von Carsharing die Anschaffung eines oder mehrerer Privatautos immer unnötiger macht. Allerdings haben verschiedene Marken auch einen Vorteil für sich entdeckt und eigene Carsharing-Unternehmen gegründet, wie z.B. DriveNow von BMW und Sixt, oder car2go von Daimler. Ich selbst hoffe sehr, dass Carsharing in den nächsten Jahren so stark ausgebaut wird, dass es auch auf Dörfern sharing cars gibt, oder Carsharing dann keine Stadtgebietsgrenzen mehr kennt, in denen ich das Auto abstellen muss.


Vielleicht kann ich ja irgendwann auch mit Carsharing von Deutschland über Frankreich und Spanien bis nach Portugal fahren. Das wünsche ich mir.
Nastasia Herold
‪ studierte Lusitanistik und Französistik in Leipzig. Zu Studienzwecken verbrachte sie einige Monate in Portugal (Universidade de Lisboa) und Québec. Im Oktober 2012, noch während des Masterstudiums, gründete sie die Firma "Culture Mondial". Mit dem Unternehmen hat sich Nastasia auf weltweite interkulturelle Informationsarbeit spezialisiert.
Mehr unter www.culture-mondial.com

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April 2016

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