Sprache und Kultur

Von echten Verwandten und falschen Freunden

© Christian Reiling © Christian ReilingWer kennt sie nicht, die falschen Freunde aus dem Englisch-
unterricht. Als „false friends“ gehörten sie zu den alltäglichen Fettnäpfchen im Schulalltag. Damit sind nicht etwa undankbare Klassenkameraden gemeint, die sich die Hausaufgaben er-
schmeichelten. Vielmehr waren es glasklar erscheinende Übersetzungen, die sich später als falsch entpuppten. Wörter, die man schon zu kennen glaubte und die dann doch wertvolle Punkte beim Vokabeltest kosteten. Es wäre auch zu einfach, wenn „brave“ im Deutschen „brav“ statt „mutig“ hieße und
man „desert“ mit „Dessert“ übersetzen könnte.


Stolperfallen wie diesen begegnet auch, wer sich einbildet, man könne Portugiesisch lernen, indem man sein Spanisch einfach nur modifiziert. Diesen Irrglauben trifft man auch in Deutschland immer wieder an, wenn man berichtet, nach Spanisch nun auch Portugiesisch erlernen zu wollen. Der Kommentar „Ach, das ist ja praktisch das Gleiche“ lässt da meist nicht lange auf sich warten. Bei genauerem Hinsehen ist diese Vermutung jedoch ähnlich weit hergeholt wie die Annahme, Deutsche könnten ohne Probleme Niederländisch verstehen. Zwar gibt es durch-
aus Ähnlichkeiten und viele Beispiele für Vokabeln, die man in Spanien und Portugal gleichermaßen nutzt. Doch wenn man es sich zu einfach macht, kann es schnell peinlich werden. Sogar dann, wenn man eigentlich ein Kompliment aussprechen möchte.

Wer beispielsweise dem Gastgeber oder der Gastgeberin nach einem feinen Abendessen mitteilen will, dass das Essen köstlich war, sollte sich hüten, das spanische Wort „exquisito“ zu verwenden. „Esquisito“ bedeutet im Portugiesischen nämlich „eigenartig“. Und auch beim Nachtisch ist Vorsicht geboten. Wer seinen Flan mit viel Karamellsoße mag und vermeintlich folgerichtig „salsa“ ordert, muss nämlich mit Petersilie auf der Süßspeise vorlieb nehmen.

© Christian ReilingAuch anders herum kann man schnell aufs Glatteis geraten. Die tadellosen Portugiesisch-
kenntnisse als Freibrief zum Spanischsprechen anzusehen, ist nicht bedingungslos empfeh-
lenswert. Gerade, wenn es peinlich zu werden droht, wartet eine tückische Falle: So darf man in Spanien nicht den Fehler machen, das Wort „embaraçada“ in dem Glauben zu benutzen, es hieße auch dort „peinlich berührt“. „Embarazada“ bedeutet auf der östlichen Hälfte der iberischen Halbinsel nämlich „schwanger“. So entsteht schnell eine unfreiwillig komische Verwirrung.

Doch auch innerhalb der lusophonen Welt ist Vorsicht geboten. Zum Beispiel beim Flirten. „És uma rapariga bonita“ heißt in Portugal „Du bist ein hübsches Mädchen“ und kommt bei der Adressatin möglicher-
weise blendend an. Eine Brasilianerin dürfte sich dagegen weniger geschmeichelt fühlen. Schließlich bedeutet „rapariga“ in weiten Teilen Brasiliens „Prostituierte“.

Man kann sich auf viele Arten in die Nesseln setzen, wenn man es sich beim Wechsel zwischen den romanischen Sprachen (und damit sind nicht nur Spanisch und Portugiesisch gemeint) zu leicht macht. Dass eine gewisse Verwandtschaft zwischen diesen Sprachen besteht, ist vollkommen korrekt, wie man schon am gemeinsamen „Sprachfamilien-
namen" erkennen kann. Doch man sollte sie eher als Cousins und Cousinen betrachten denn als Zwillingspaare. Und sie vor allem als das sehen, was sie sind: eigenständige Sprachen. Dann geht man auch den „falschen Freunden“ aus dem Weg.
Christian Reiling
zieht es seit vielen Jahren „gen Süden“. Während seines Studiums der Kulturanthropologie und Politikwissenschaft verbrachte er ein Jahr als Austauschstudent in Kolumbien und lebte eine Weile in Buenos Aires. Von April bis Juni 2014 war er Praktikant am Goethe-Institut Lissabon und erkundete die für ihn spannendste Stadt Südwesteuropas.  Seit er nach dem Abitur ein Praktikum bei seiner Heimatzeitung in Kaiserslautern absolvierte, gibt er regelmäßig dem Drang zum Schreiben nach und berichtet von Sportereignissen, Konzerten oder von seinen Eindrücken aus dem Ausland.

Copyright: Tudo Alemão
August 2014
Originalsprache: Deutsch

     

     
     

    „Mais alemão“

    Werbekampagne des Goethe-Instituts zur Förderung des Deutschunterrichts an portugiesischen Schulen

    Migration und Integration

    Migration verändert Kulturen   

    rumbo @lemania

    © rumbo @lemania
    Auf nach Deutschland!

    FuturePerfect

    © Future Perfect
    Geschichten für morgen - schon heute, für überall.

    Goethe-Institut Portugal

    Willkommen
    auf unserer
    Homepage!