Sprache und Kultur

Flugzeuge und Pfirsiche oder die gewaltige Aufgabe, Deutsch zu lernen

THFO_Einkaufswagen_© Torsten Backofen (MDR) Das Deutsche hat (gelinde gesagt) nicht gerade den Ruf, eine besonders melodiöse Sprache zu sein. Gerade spanischen oder portugiesischen Muttersprachlern fallen in der Schriftsprache zunächst lange, komplizierte Wörter auf, die viel zu viele Konsonanten enthalten. Bei diesen Wörtern gibt es jedoch einen Trick, wie man bei genauerem Hinsehen merkt.

Sie können bedrohlich oder schlichtweg überwältigend wirken (Wann bitte schön darf man Luft holen?), basieren aber auf dem Lego-Prinzip: Es handelt sich um große Strukturen, die aus vielen kleinen Teilen bestehen. Ein langes Wort besteht also aus Teilen oder Fragmenten anderer Wörter. So kann man mit dem Bestandteil -zeug eine Vielzahl von Wörtern bilden: Feuer-zeug, Spiel-zeug und sogar Flug-zeug. Mein persönlicher Favorit ist der Kühl-schrank, aber auch das Riesen-rad gehört natürlich zu meinen Top Ten.

1.

Bis ich mit der deutschen Sprache besser zurecht kam, verwechselte ich häufiger einige Wörter. Das ist ganz normal und passiert vielen Deutschlernenden. Mir passieren solche Verwechslungen auch manchmal in meiner Muttersprache, dem Spanischen, z. B. bei Suiza (Schweiz) und Suecia (Schweden). So sind Mund und Mond in Aussprache und Schriftbild sehr ähnlich. Wenn man sie verwechselt, führt dies nicht zu großen Missverständnissen, vorausgesetzt, der Gesprächspartner orientiert sich am Kontext. Problematischer wurde es, als ich Verwaltung und Vergewaltigung verwechselte, dies hatte mehr als hochgezogene Augenbrauen zur Folge. Am meisten Kopfzerbrechen bereitete mir aber, dass immer Zweifel herauskam, wenn ich eigentlich Zwiebel sagen wollte, und umgekehrt.

Welche Probleme diese Verwechslung verursachte, hing vor allem von der jeweiligen Situation ab. Wenn ich zum Beispiel einen Döner bestellte, sagte ich vollkommen selbstverständlich: „Einen Döner ohne Zweifel zum Mitnehmen, bitte!”. Und der Verkäufer packte mir ebenso selbstverständlich einen Döner ohne Zwiebeln ein, ganz vorsichtig.
„Kein Problem!“ – bis zum nächsten Mal.

Damals gab ich an der Kieler Uni Sprachunterricht, den ich fast die ganze Zeit auf Spanisch hielt. Wenn aber einige Studierende ihr Pokerface aufsetzten, unterbrach ich den Unterricht kurz und fragte, ob jemand Zwiebeln hätte. Natürlich wollte ich wissen, ob jemand Zweifel bezüglich des Stoffs hatte, und nachdem ich feststellen musste, dass mein Hirn zwar eine Sache dachte, aber aus meinem Mund unweigerlich etwas anderes kam, entschied ich mich für die einfachere Formulierung Haben Sie Fragen oder Kommentare?.

(Diese Frage hatte zwar den Vorteil, dass sie richtig war, aber weder für Lacher im Seminarraum noch dafür sorgte, dass die Anwesenden wieder wach wurden. Außerdem haben eigene und fremde Fehler durchaus eine positive Wirkung, wenn man eine Sprache erlernt. Denn wenn die Studierenden merken, dass ihre Dozentin auch nicht perfekt ist, relativieren sie ihre eigenen Schwächen beim Ausdruck und fangen an, flüssig zu sprechen – ein entscheidender Schritt beim Erlernen von Fremdsprachen.)

2.

Heute brauche ich in den meisten Fällen nur eine Tausendstelsekunde, um die richtige Wortwahl zu treffen. Trotzdem gibt es immer noch einige Wörter, die einfach unaussprechbar sind, wie etwa Pfirsich. Ein Albtraum.
Verstanden werde ich nur, wenn ich versuche vierzig zu sagen und mit dem Finger drauf zeige.

Anders klappt es einfach nicht.

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Sol García Prats,
‪ ein Südlicht an der Ostseeküste.

Copyright:rumbo @lemania
August 2014

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen.

     

     
     

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