Verleihung der Goethe-Medaille 2009

Das Goethe-Institut verleiht am 28. August 2009 in Weimar zum 55. Mal die Goethe-Medaille. Erstmals wird in diesem Jahr die Ehrung von Persönlichkeiten, die sich mit um den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben, am Geburtstag des Namenspatrons und nicht an dessen Todestag überreicht. Der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann übergibt den offiziellen Orden der Bundesrepublik Deutschland im Weimarer Schloss an den rumänischen Theaterkritiker und Übersetzer Victor Scoradet, den norwegischen Übersetzer Sverre Dahl und den schwedischen Schriftsteller und Philosoph Lars Gustafsson. Ein Programm in Kooperation mit „pèlerinages“ Kunstfest Weimar bildet 2009 den kulturellen Rahmen des Festaktes.
Mit der Goethe-Medaille ehrt das Goethe-Institut den rumänischen Übersetzer Victor Scoradet. Er erhält die Auszeichnung für seine herausragenden Übersetzungen neuer deutscher Theaterstücke, für deren Inszenierung er sich in Rumänien einsetzt. Es sei vor allem Scoradet zu verdanken, so die Begründung, dass deutsche Theaterstücke das am häufigsten gespielte ausländische Repertoire auf rumänischen Bühnen sei. Scoradet, der seit acht Jahren jährlich im Auftrag des Goethe-Instituts Bukarest drei neue deutsche Theaterstücke ins Rumänische übersetzt, sei aber nicht nur ein wichtiger Partner im Dialog zwischen den Theaterszenen Rumäniens und Deutschlands. Er habe auch auf dem Feld der literarischen Übersetzung durch sein großes Sprachgefühl außerordentliches geleistet, indem er unter anderem Werke von Günter Grass, Martin Walser oder Hans Magnus Enzensberger übersetzt hat.
Ebenfalls mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet wird der norwegische Übersetzer Sverre Dahl für sein Lebenswerk: Dahl befasst sich seit über zwanzig Jahren in bislang 120 Übersetzungen mit deutschsprachigen Werken. „Bemerkenswert sei“, so die Begründung der Auswahlkommission, „die große Vielfalt der übersetzerischen Leistung des Norwegers. „Die Liste seiner Übersetzungen liest sich wie ein ‚Who is Who‘ der deutschsprachigen Dramatik.“ Dahl übersetzte deutsche Klassiker wie Goethe, Novalis und Hölderlin, aber auch moderne Klassiker wie Franz Kafka, Hermann Broch, Robert Walser, Wolfgang Koeppen und Ingeborg Bachmann und Gegenwartsautoren wie Ingo Schulze, Daniel Kehlmann und Lukas Bärfuss sowie philosophische Texte von Max Weber, Norbert Elias und Rüdiger Safranski. Durch seine zahlreichen Übersetzungen bedeutender Autoren aus dem deutschen Sprachraum hat sich Dahl, der sich selbst als „praktischen Übersetzer, nicht als Übersetzungstheoretiker“ sieht, „in herausragender Weise um die Vermittlung deutschsprachiger Literatur und Philosophie in Norwegen verdient gemacht“.
Für sein umfangreiches literarisches Werk, das einen starken Deutschlandbezug aufweist, erhält der schwedische Schriftsteller und Philosoph Lars Gustafsson die Goethe-Medaille. Mit seinen zahlreichen Publikationen in Deutschland habe Gustafsson seit den 70er Jahren das deutsche Schwedenbild jenseits der großen Kinderbuchtradition und der populären schwedischen Kriminalliteratur geprägt, so die Begründung der Auswahlkommission. Seine zahlreichen Aufenthalte in Deutschland spiegeln sich immer wieder in seinen Werken, deutlich zum Beispiel in der Romanpentalogie „Risse in der Mauer“. Darin schickt Gustafsson den Leser auf eine Zeitreise durch die 60er und 70er Schwedens, die präzise und kritisch den Wandel im gesellschaftlichen Wertesystem verfolgt. Teile dieser Zeitreise entstanden Anfang der 70er während eines DAAD-Stipendiums in West-Berlin, wo er enge Kontakte zu den deutschen Autoren Hans Magnus Enzensberger, Max Frisch, Uwe Johnson und Günter Grass knüpfte.
Die Festrede anlässlich der Verleihung der drei Goethe-Medaillen hält die österreichische Kulturjournalistin Sigrid Löffler. Die Laudationes auf die Preisträger halten die mehrfach ausgezeichnete Dramatikerin und Bühnenautorin Dea Loher (Victor Scoradet), der Übersetzer und Professor für Germanistik Per Øhrgaard, Wissenschaftlicher Leiter der „Medienarchiv Günter Grass Stiftung“ (Sverre Dahl) und der Literaturkritiker Heinrich Detering, Direktor des Seminars für Deutsche Philologie und des Zentrums für komparatistische Studien der Universität Göttingen (Lars Gustafsson).
Gemeinsam mit „pèlerinages“ Kunstfest Weimar veranstaltet das Goethe-Institut 2009 erstmals ein kulturelles Rahmenprogramm zur Verleihung der Goethe-Medaille. Am Abend des Festakts findet in der Weimarhalle ein Konzert des Deutschen Sinfonie-Orchesters Berlin unter der Leitung von Ingo Metzmacher statt. In einer Matinee in der Orangerie Schloss Belvedere diskutieren am Samstag, den 29. August, die drei Preisträger über das Umbruchjahr 1989. Die Journalistin Franziska Augstein moderiert das Gespräch, das die ganz persönlichen Erfahrungen der Preisträger nach dem Fall der Mauer in den Mittelpunkt stellt.
Die Goethe-Medaille wurde 1954 vom Vorstand des Goethe-Instituts gestiftet und wurde 1975 von der Bundesrepublik Deutschland als offizieller Orden anerkannt. Von 1992 bis 2008 wurde sie jährlich anlässlich des Todestags Goethes in Weimar verliehen. 2009 findet die Verleihung erstmals am 28. August, dem Geburtstag Goethes, statt. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten aus dem Ausland, die sich um die Vermittlung der deutschen Sprache und den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben. Seit der ersten Verleihung 1955 sind insgesamt 320 Persönlichkeiten aus 58 Ländern geehrt worden. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Andrei Pleşu, Pierre Bourdieu, Jorge Semprún, Sir Ernst Gombrich, György Ligeti, Sir Karl Raimund Popper, Billy Wilder und Daniel Barenboim.
Die Verleihung wird in enger Partnerschaft mit der Klassik Stiftung Weimar und der Stadt Weimar veranstaltet. Das kulturelle Rahmenprogramm findet in Kooperation mit „pèlerinages“ Kunstfest Weimar statt.








