Trends

Mode

Einkaufsbummel in München, © picture-alliance / dpa-Report

Zweimal im Jahr ist in Berlin Fashion Week, immer im Januar und im Juli. Zum größten Modeereignis in Deutschland kommen vor allem Fachleute, aber auch viele Jugendliche interessieren sich sehr für Mode und die aktuellen Trends. Wie wichtig ist Mode für deutsche Schülerinnen und Schüler?

Tara, Florentine, Anton, Laura, Josh und Mara-Tatjana von der Evangelischen Schule Berlin-Köpenick haben für unsere Fotos Kleidungsstücke angezogen, die sie gern mögen, und uns ihre Meinung gesagt.

Tara, 8. Klasse, 13 Jahre

Tara, © www.pasch-net.de; Foto: Stefanie Dörre Meine Kleidung soll schon gut aussehen. Ich will nicht lumpig oder total komisch angezogen rumlaufen. Manchmal denkt man ja selbst von anderen: oh Gott, was hat der da an. Aber ich stehe auch nicht morgens 15 Minuten vor dem Schrank, das Anziehen geht bei mir relativ schnell. In unserer Altersstufe mögen jetzt viele diese Boots, die total gefüttert sind. Ich habe auch solche. Und die Mützen mit einer Bommel oben drauf, die haben auch ganz viele in unterschiedlichen Farben. Ich auch, aber ich setze sie nicht mehr auf, weil ich es nicht so toll finde, wenn alle gleich aussehen. Meine Mutter mag, wie ich mich anziehe. Nur jetzt im Winter habe ich das Problem, dass meine Eltern sagen: Das ist zu kalt, das kannst du nicht anziehen. Und sie wollen, dass ich eine Mütze aufziehe. Aber sonst geht es eigentlich.

Du trägst heute Kleidung, die du gerne magst. Was gefällt dir daran?
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Was magst du an Mode überhaupt nicht?
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Florentine, 8. Klasse, 13 Jahre

Den Schal, den ich anhabe, habe ich mit meiner besten Freundin gekauft, deshalb mag ich ihn. Und die Kette hat sie mir zum Geburtstag geschenkt. Ich mag auch lange Oberteile, weil sie gemütlich sind. Mir ist schon wichtig, moderne Sachen anzuziehen, weil ich nicht doof aussehen möchte. Was modern ist, sehe ich in Zeitschriften und im Fernsehen, und ich rede auch mit meinen Freundinnen über Mode. Bei den Stars mag ich die Sachen von Emma Roberts und Selena Gomez. Ich finde, Mode kann sehr oberflächlich sein. Manche ziehen sich an, als wären sie total reich, und haben gar nicht so viel Geld. Manche Mädchen sehen aus wie Tussis und sind total nett, vielleicht auch schüchtern. Aber andere passen ihre Kleidung dem Charakter an. Wenn sie eher ruhig sind, haben sie Klamotten in ruhigen Farben, wenn sie aufgedreht sind, tragen sie eher bunte Farben.

Wie informierst du dich über Mode?
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Wie wichtig sind Trends für dich?
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Florentine, © www.pasch-net.de; Foto: Stefanie Dörre

Anton, 8. Klasse, 13 Jahre

Anton, © www.pasch-net.de; Foto: Stefanie Dörre Heute habe ich einen Pullover an, der ist bequem und schlicht, und bei meiner Hose ist es genauso. Zu Hause ziehe ich manchmal Sachen an, die ich in der Schule nicht tragen würde, zum Beispiel meine weite rote Hose. Wenn man blöde Kleidung anhat, dann kommt das nicht gut rüber. Das wirkt ungepflegt, so als ob man nicht auf sich selbst achtgeben kann. Die Typen, die cool rüberkommen wollen, haben Hosen an, die ganz tief hängen. Aber ich finde das grauenhaft. Es passt nicht zu mir. Ich finde, dass Mode auch zum Charakter passen sollte. Einer aus unserer Klasse hat so eine tief hängende Hose, und bei dem sieht das gar nicht schlecht aus. Er ist der Typ dafür. Es kommt mir aber nicht so sehr darauf an, wie einer sich kleidet, sondern auf den Charakter, dass es eine nette Person ist, mit der man reden kann.

Wie wichtig ist dir, was du anziehst?
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Gibt es Kleidungsstücke, die in deiner Altersstufe besonders angesagt sind?
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Laura, 12. Klasse, 17 Jahre

Marken sind mir nicht so wichtig. Bei Trends gehe ich schon ein bisschen mit, aber bei meiner Kleiderauswahl kommt es mir vor allem darauf an, wie ich mich an dem Tag fühle und was ich vorhabe. Will ich nur entspannt zur Schule gehen? Will ich mich hübsch machen, weil ich nachmittags noch etwas vorhabe? Ich habe zwei, drei Freundinnen, mit denen ich Klamotten einkaufen gehe, oder mit meiner Mama. Wir haben den gleichen Geschmack, ich borge sogar öfter mal was aus ihrem Kleiderschrank. Früher, bis ich so zehn Jahre alt war, habe ich mir sogar von meiner Mama die Anziehsachen rauslegen lassen, weil ich keine Lust hatte, meine Zeit dafür zu verschwenden. Danach habe ich mich eine Zeit lang stark für Mode interessiert. Heute hat das abgenommen, weil ich viel selbstbewusster bin.

Wie wichtig ist dir, was du anziehst?
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Mitte Januar ist in Berlin wieder Fashion Week. Interessierst du dich dafür?
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Laura, © www.pasch-net.de; Foto: Stefanie Dörre

Josh, 13. Klasse, 18 Jahre

Josh, © www.pasch-net.de; Foto: Stefanie Dörre Es ist nicht so, dass es mir egal ist, was ich anziehe. Meine Sachen sollen zusammenpassen. Mir ist aber wichtig, dass ich nicht mit dem Trend mitgehe und nicht das trage, was alle haben. Deshalb kaufe ich seit einem Jahr überwiegend Secondhandware. Ich bin noch nie darauf angesprochen worden, ich glaube, es fällt den meisten gar nicht auf. Im Secondhandshop gibt es im Grunde auch nur die Ware, die man im Kaufhaus kriegt, nur dass sie schon mal von jemand anderem getragen wurde. Die Sachen sind irgendwann in den Container geschmissen worden, und ich habe sie über 50 Prozent günstiger bekommen. Ich bin kein Mensch, der auf den Satz: „Kleider machen Leute“ anspricht. Mir geht es darum, was den Menschen ausmacht. Leider ist der Modeaspekt in vielen Köpfen so stark drin, dass man nach der Kleidung auswählt, mit wem man sich unterhält. Aber ich gebe mir Mühe, dass es bei mir nicht so ist.

Wie wichtig ist dir, was du anziehst?
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Warum kaufst du Secondhandkleidung?
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Mara-Tatjana, 12. Klasse, 17 Jahre

Wenn ich heute auf Fotos sehe, was sich in der Grundschule für einen Kleidungsstil hatte, denke ich, früher hast du dich so cool gefühlt, sahst aber total Panne aus. Damals war ich Tokio-Hotel-Fan und habe mich entsprechend angezogen. Mit dem Alter entwickelt sich eine persönliche Sicherheit, das schlägt sich auch auf das Modebewusstsein nieder. Mittlerweile habe ich einen sehr eigenen Geschmack. Die Schuhe, die ich heute anhabe, sind neu, die mag ich gerne, weil sie einen kleinen Absatz haben, sehr warm sind und farblich einen Akzent setzen. Ich mache mir nie Sorgen: Sehe ich aus wie andere? Kleidung ist nicht gleich Kleidung. Die Person, die drinsteckt, belebt die Kleidung ganz individuell. Ich würde schon sagen, dass Einkaufen eine Form von Freizeitgestaltung ist. Das macht Spaß, ich bin mit Freundinnen zusammen, wir unterhalten uns über schöne Dinge und bekommen den Kopf von allem wirklich Wichtigen frei.

Wonach entscheidest du, was du anziehst?
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Ist Mode für Mädchen wichtiger ist als für Jungen?
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Mara-Tatjana, © www.pasch-net.de; Foto: Stefanie Dörre


Das Interview führte Stefanie Dörre. Sie ist stellvertretende Chefredakteurin des Berliner Stadtmagazins „tip“.
© PASCH-net

 
lumpig: nicht ordentlich
die Bommel, die Bommeln: ein kleiner Ball aus Wolle an einer Mütze
die Tussi, die Tussis: umgangssprachlich und abwertend für: Mädchen, Frau, hier Mädchen, die zu viel Wert auf Mode legen
schlicht: einfach
ungepflegt: nicht ordentlich oder sauber
rüberkommen: wirken, aussehen
grauenhaft: schrecklich, nicht schön
die Klamotten: Kleidung
borgen: leihen
die Anziehsachen: Kleidung
überwiegend: meistens
total Panne: umgangssprachlich für: doof, nicht gut
mittlerweile: jetzt

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