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Rumäniens Elite wandert aus

Rumäniens Geschichte ist geprägt von Persönlichkeiten der Kunst und Kultur oder der Wissenschaft. Auch in der Politik fehlte es dem Land nicht an wahren Visionären. Menschen, die durch ihre Ambition auch das gegenwärtige Rumänien positiv verändern könnten, suchen heute aber ihre Chance eher im Ausland. Junge Rumänen studieren zunehmend im Ausland, um ihren Horizont zu erweitern und Erfahrung zu sammeln, doch fassen auch Angehörige älterer Generationen nicht selten den Mut, ein neues Leben jenseits der Grenzen zu beginnen. Oft ist auch bei ihnen der Hintergedanke anzutreffen, dass ihre Kinder es später besser haben sollen als sie selbst.

Rumänische Auswanderer in Europa – eine Statistik

Verhältnismäßig stellen Studenten den höchsten Anteil an den rumänischen Zuwanderern in Europa – sie studieren mit oder ohne Stipendium an Universitäten im europäischen Ausland, da ein Top-Abschluss meistens auch eine höhere Garantie für den zukünftigen Traumjob bietet. Nicht wenige bleiben allerdings auch nach dem Studium zumindest für eine bestimmte Zeit im Ausland. Vor dem Hintergrund der Annäherung Rumäniens an die Europäische Union – der Beitritt als Vollmitglied erfolgte zum 1. Januar 2007 - haben über drei Millionen Rumänen die Entscheidung getroffen, ihre Heimat zu verlassen und das Leben im Westen zu genießen. So gingen etwa eine Million nach Italien, eine weitere Million nach Spanien, 400.000 nach Deutschland und 120.000 nach Großbritannien.

Studenten im Ausland

Jedes Jahr verlassen rund 5.000 Jugendliche Rumänien, um weiteres Wissen und Kenntnisse auf bestimmten Fachgebieten zu erwerben. Großbritannien, Deutschland, Holland und Dänemark sind die Länder, die nicht nur für die akademische Ausbildung, sondern auch als neue Heimat am häufigsten gewählt werden. Obwohl die rumänische Universitäten durchaus selbst von Ausländern nachgefragt sind, genügen sie den oft überspitzen Ansprüchen der rumänischen Studenten kaum. In der Auffassung vieler ist das Studium im Ausland ein Trumpf bei der Jobsuche, die Aussichten auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz sind höher als wenn man „nur” den Abschluss an einer rumänischen Uni vorweisen kann. Die meisten jungen Leute räumen offen ein, dass sie auch nach dem Studium ungern nach Rumänien heimkehren wollen. Sie nehmen dabei in Kauf, ihre Heimat und Freunde zu vermissen und verkennen auch die Schwierigkeiten nicht, mit denen das Leben in einem fremden Land verbunden sind. Längerfristig sollte man aber nicht allzu pessimistisch werden. Immerhin kommen einige Studenten zurück, die mit ihrer Eistellung das Land modernisieren wollen. Sie versuchen, die Grundlagen einer stabilen Zukunft für die nächsten Generationen zu setzen, so dass sie nicht gezwungen sein werden, die Heimat zu verlassen, nur um eine Ausbildung zu kriegen.

Arbeitsmigration

Rumänien setzt sich nicht nur mit der Studentenmobilität auseinander, sondern mit einem einer massiven Abwanderung des Fachpersonals. Das belegten auch die Zahlen: Laut einer Untersuchung des Instituts für die Deutsche Wirtschaft haben über 25 Prozent der erwachsenen rumänischen Zuwanderer einen Hochschulabschluss. Das ist mehr als der Durchschnitt in der deutschen Bevölkerung. Unter diesen Zuwanderern befinden sich Spezialisten für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik. Der Trend ist auch bei anderen Industrieländern zu bemerken, die von der Zuwanderung insgesamt profitieren. Diese Länder sichern ihren Fachkräftenachwuchs durch junge qualifizierte Menschen, die keine hohen Gehaltsansprüche stellen. Die Herkunftsländer wie Rumänien leiden dafür zunehmend unter Personalmangel. Das Gesundheitssystem ist am stärksten davon betroffen. Liana Gheorghe, Professorin am Medizinischen Institut Fundeni in Bukarest, sagte der rumänischen Presse, dass sehr wenige junge Mediziner nach dem Studium in Rumänien bleiben, um als Assistenzärzte zu arbeiten. Dabei investiert der rumänische Staat massiv in die Ausbildung, denn diese ist für Studenten weitgehend kostenfrei. Prof. Gheorghe ist alarmiert, denn das Phänomen lähmt das System und sorgt in einigen Teilbereichen für kritische Zustände. So gibt es in den ländlichen Gebieten nur noch einen Kardiologen für eine ganze Kreisstadt, und die Zahl der Ärzte wird immer geringer. 2013 wurden rund 3000 Anträge auf Berufsatteste gestellt – die Bescheinigungen sind notwendig, um im Ausland arbeiten zu dürfen. Während jetzt der Staat rumänischen Ärzten eine Bonuszahlung von monatlich 150 Euro in Aussicht stellt, kommen im Westen selbst Berufseinsteiger auf das Siebenfache. Während Rumänien rein gar nichts gegen den Trend setzt und keine wirksame Methoden zur Bekämpfung des Brain-Drains Auswanderung findet, erkennen Deutschland oder andere Industriestaaten ihr eigenes Interesse und locken fachlich gut qualifizierte Zuwanderer mit attraktiven Angeboten an.

Fazit und mögliche Maßnahmen

Die Bilanz der Migration sieht insgesamt auf keiner Seite gut aus. Obwohl die Industriestaaten sich über die hochqualifizierten Arbeitskräfte freuen sollten, reagiert die jeweilige Gesellschaft in Bezug auf bestimmte kulturelle und soziale Faktoren eher zurückhaltend. Eine „Willkommenskultur“ ist kaum in Sicht. Die Entwicklungsländer kämpfen ihrerseits mit den Folgen der Abwanderung der Elite und des Bevölkerungsschwunds insgesamt. Im letzten Jahrzehnt ist die Bevölkerung Rumäniens um nicht weniger als 1, 5 Millionen Menschen geschrumpft – und das sind nur die amtliche erfassten Zahlen. Auch die Wirtschaft spürt diesen Rückgang. Eine Zukunft hat das Land nur dann, wenn drastische Maßnahmen getroffen werden. Der gegenwärtige Stand der Einwohner kann nur gehalten werden, wenn bessere Lebensbedingungen geschaffen werden. Dazu gehören höhere Löhne und mehr Sozialfürsorge. Vielleicht wird Rumänien dadurch irgendwann selbst zum Zielland für Einwanderer.

Von Sascha Ciupagea, Daniela Racoviță, Johana Burcea, Ruxandra Duță

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