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Tourist im eigenen Leben


Wir reisen oft, ohne es zu merken. Ja. Das ist richtig. Wir reisen, ohne uns tatsächlich von der Stelle zu bewegen. Wir reisen von einem Jahr zum anderen, von einer Stufe zur anderen, durch die Bücher, die wir vor fünf Jahren gelesen haben und durch den Roman, den wir in den letzten Ferien gelesen haben. Es ist wichtig dass uns diese Reise durchs Leben Spaß macht. Während wir durch das Leben reisen, werden wir unbemerkt zu Erwachsenen. Aber unabhängig davon, was Sie tun – eine Sache ist sicher: Sie haben Ihre Reise schon angetreten. Und sie ist weit, sie ist lang und sie ist wunderschön. Aristoteles sagte einmal, dass die Hälfte des Problems schon gelöst ist, wenn Sie wissen, wo Sie ansetzen können: Wahrscheinlich sind also die Hälfte der Probleme in Ihrem Leben bereits gelöst, wenn Sie erkennen könnten, dass Sie sich auf einer Reise befinden und jeder Schritt, den Sie tun, jedes Detail, das Sie beachten, wesentlich sind.

Menschen wünschen sich, sie könnten so intensiver leben. Sie könnten so fühlen, mehr zu bekommen, als was ihr tägliches Leben ihnen schon gegeben hat. Dadurch empfinden sie, dass sie ihren Horizont erweitert haben. Wie konnten sie im Wissen leben, diesen oder jenen Ort nicht gesehen zu haben? Tatsächlich steht uns jede Erfahrung offen, denn wir wissen: Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.

Unabhängig davon, was wir manchmal denken, ist das Leben eine Reise, bei der sich die Landschaften immer verändern. Manchmal genießen wir sie, manchmal nicht, ein anderes Mal stimmt sie uns traurig, aber alles ist immer in Bewegung, und wir passieren viele Phasen, um den Bestimmungsort zu erreichen.

Daher sind wir unsere eigenen Drehbuchautoren, unsere eigene Regisseure und hoffen, dass die Außenwelt und die Welt in unserem Herzen verschmelzen werden.

„In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König und eine Königin, die einen sehr kräftigen und mutigen Sohn hatten. Eines Tages, entschloss er sich in die weite Welt zu gehen, um das Reich vom Drachen zu befreien und die schöne Prinzessin zu retten.“

Und nun, liebe Leser, sind Sie auch zu einer Reise aufgebrochen. Sie werden Gefahren trotzen, anderen helfen und von anderen Hilfe bekommen, neue Freunde gewinnen und Belohnungen erhalten. Kurz gesagt, Sie werden die Welt – so wie sie eben ist – besser kennenlernen. Dafür müssen Sie nicht unbedingt allzu weit reisen. Die Fahrkarten für Superreisen sind viel näher und preiswerter als man denkt; sie stehen in Büchern versteckt, in Märchen, Romanen, Wörterbüchern oder eben Filmen.

„Sind Sie bereit, sich in das Unbekannte zu schwingen?” – „Noch nicht”, würden die meisten antworten. Sie meinen, dass sie noch etwas zu vorbereiten haben, oder dass sie noch manche Sicherheitsmaßnahmen brauchen. Andere würden verschiedene Gründe vorbringen, um die Reise zu stornieren. Es ist aber normal, Angst vor neuen Erfahrungen zu haben. Denn es gibt keine vertrauten Geschichten, Orte, Sprachen, Sitten und Bräuche – nur Sie und eine riesige, ganz andere Welt. Deshalb entscheiden sich viele Menschen, ihr eigenes Universum zu erschaffen. Nun kommt die Einbildungskraft in Spiel. Vor einer Reise stellt man sich vor, wie diese aussehen wird; man denkt an Landschaften, Menschen, Gefühle und eben Handlungen, damit man die Begeisterung im Griff hält. Ebenso geht man mit Büchern vor. Der Titel eröffnet einen Erwartungshorizont; ein Wort oder ein Ausdruck kann Ihre Gedanken zu exotischen Orten auf die Reise schicken. Es kann das Interesse wecken oder gar keine Gefühle aufkommen lassen. Was immer es auch sein wird, bevor Sie eine Reise in Wirklichkeit oder in der Einbildung beginnen, wollen Sie gerne alles im Griff haben. Auf diese Weise, sind Sie der oberste Demagoge und die Kontrolle liegt bei Ihnen.

Dabei sind die Möglichkeiten unbegrenzt. The Sky is the limit – Fantasie kennt keine Grenzen: Nach diesem Motto können Erwartungen ungeahnte Wege folgen. Das beängstigende Unbekannte wird braver und Sie wählen die Variante, die Ihnen am besten passt. Trotzdem bleibt die Frage: was ist zu tun, wenn die Realität Ihren Erwartungen ganz und gar nicht entspricht?

„Jede Reise ist wie ein eigenständiges Wesen, keine gleicht der anderen“. Jede Reise ist ein einzigartiges Erlebnis. Es gibt zwei Faktoren, die im Verbund unseren eingeschlagenen Weg beeinflussen: die Überraschungen, denen wir im Vorlauf des Lebens begegnen und unsere eigenen unmittelbaren Gefühle.

Das Leben ist eine Folge von Ereignissen. Das rationale Denken analysiert zwar fortwährend die bisherigen Umstände, um bestimmte Situationen zu vermeiden und das Gefühl der Kontrolle und Macht zu behalten, doch das Schicksal hat die Macht, uns auf den richtigen Pfad zurück zu drängen, auf den Weg, auf dem wir uns hätten befinden sollen. Genau in dem Moment, wo der Verstand den natürlichen Fluss der Ereignisse zu kontrollieren glaubt, erscheinen auch die Überraschungen.

Auf den ersten Blick können Überraschungen positiv oder negativ sein. Ehrlich gesagt, ist das nur ein Beispiel, das uns zeigt, wie stark die Vernunft das Urteilsvermögen vernebelt. Weil man etwas nicht vorausgeahnt hat, gerät man in Panik und glaubt, die Welt sei gegen uns. Eigentlich geschehen manche Dinge allerdings ganz einfach so. Sie sind weder gut noch schlecht. Es ist nur eine Gewohnheit der Sinne, alles in zwei gegensätzliche, klar getrennte Kategorien zu klassifizieren: Gutes oder Schlechtes, Weiß oder Schwarz, Licht oder Dunkel. Statt nur zu überlegen, müsste man sein Herz öffnen, den Weg sehen, auf den man gebracht wird, und sich entsprechend verhalten. Dinge passieren aus einem bestimmten Grund und man kann nichts tun, um etwas zu ändern. Ja, das Pflaster schnell abzureißen tut weh, aber es ist ein notwendiges Übel. Sonst kann die körperliche oder die geistige Wunde nicht heilen.

Jeder ist die Hauptfigur in seiner eigenen Geschichte. Sie sind der Held. Merkwürdigerweise werden Sie in diesem Leben aber auch den Bösewicht, den Narren und den Lehrer spielen. Sie werden sich wundern: „Wie ist das möglich, ich dachte, ich wäre der Held?“ Die Antwort ist aber ganz einfach: Sie spielen eine andere Rolle im Leben jeder Person, die Sie jemals getroffen haben und in Zukunft treffen werden. Wir sind alle miteinander verbunden. Egal wer Sie sind, Ihre Gefühle bleiben immer dieselben, die Perspektive ist die einzige, die sich verändert. Wenn man in seinem eigenen Leben reist, sieht man alles in seinen eigene Farben. Keiner kann für einen anderen leben - deswegen müssen Sie in vollen Zügen leben.

Reisen ist viel mehr als nur Urlaub machen. Jede Reise zeigt neue Wege vor und öffnet den Blick für Erkenntnisse. Erfahrung mitzubringen ist nicht nötig, sie kann unterwegs erworben werden.

Aber kann eine Reise uns verändern? Auf Reisen können wir neue Menschen kennenlernen, wir können inspiriert werden, Landschaften entdecken und über unser Leben nachdenken.

Wenn wir wieder zu Hause sind, stellen wir Vergleiche an. Flexibilität spielt eine wichtige Rolle. Wenn wir erkennen, dass der Ort, zu dem die Reise führt, unbestreitbar besser ist als der vorherige, dann wollen wir den neuen Platz nie mehr verlassen.

Es gibt etwas, das alle Reisen enthalten: DAS LEBEN.

Das Leben ist eine Reise ohne Landkarte, oder, wie Fougeret de Monbron einst sagte, „ein Buch, von dem man nur die erste Seite gelesen hat, wenn man nur sein Land gesehen hat.“

Das Leben überrascht uns jeden Tag, unsere Reisen eben auch. Auch wenn es angenehme oder unangenehme Überraschungen gibt, die Reise geht weiter. Die Welt ist unbekannt und kann uns erschrecken, aber wir müssen die Hindernisse übertreffen und die Welt weiter erforschen.

Andreea Bădeu, Ioana Ene, Andreea Ilie und Alexandra Şerbu

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