FILM

„Verheiratet bin ich mit meinem Mann“

 
Film: Die Ehe der Maria Braun

Regisseur: Rainer Werner Fassbinder

Genre: Drama

Der Film in einem Absatz
: Hermann und Maria Braun heiraten während des Zweiten Weltkrieges und zwei Tage nach der Hochzeit muss Hermann wieder an die Front. Am Ende des Krieges kehrt Hermann nicht zurück, aber Maria wartet weiter auf ihn, während sie ums Überleben kämpft. Sie trifft die Entscheidung, als Kellnerin zu arbeiten. In der Bar lernt sie einen amerikanischen Soldaten kennen. In der Zwischenzeit erfährt sie, dass Hermann gefallen sei und beginnt eine Beziehung mit Bill, dem amerikanischen Soldaten. Aber Hermann kommt doch zurück und erwischt die beiden im Zimmer. Maria bringt den Soldaten Bill um, aber Hermann nimmt die Schuld der Tat im Gerichtsaal auf sich und muss deshalb ins Gefängnis. Während Hermann im Gefängnis bleibt, findet eine Reihe von Ereignissen in Marias Leben statt; sie hofft, dass sie am Ende ein ruhiges Leben mit Hermann haben kann.

Warum solltest du den Film sehen?
Weil ich glaube, dass Marias Kraft ansteckend ist. Und weil der Film ein ziemlich realistisches Bild über den Alltag der unmittelbaren Nachkriegszeit zeigt – für diejenigen, die daran Interesse haben. Man erfährt mit Maria auch, was „zu viel“ und zu spät bedeutet.

Lieblingsszene
: Der Moment, als Maria Oswald im Zug kennenlernt und als ein amerikanischer Soldat versucht, Maria „anzumachen“. Die ganze Szene ist absolut genial, und in der Szene befindet sich die ganze Kraft, die Maria  in sich hat. In dem Moment zeigt Maria ihr ganzes Potential einer Frau, die lernen kann, die aber auch etwas ablehnen kann, ohne dass sie auf ihre bezaubernde, androgyne Weiblichkeit verzichten muss.

Lieblingssatz:
Es ist schwer zu wählen. Es gibt ein paar Momente im Film, wenn man nur „Ja, so ist es!“ sagen kann, aber ich glaube es gibt einen Satz, der den ganzen Film geleitet hat. Bill zeigt Maria sehr klar, dass er sie heiraten möchte und sie sagt einfach zu ihm: „Verheiratet bin ich mit meinem Mann“. Es ist ein einfacher Satz auf der einen Seite, aber sehr wichtig auf der anderen. Denn ab diesem Moment macht man einen klaren Unterschied zwischen „lieb haben“ und „lieben“ – eine sehr interessante Sache für die Leute, die Deutsch sprechen – schwer ins Rumänische zu übersetzen, die aber man während des Films verstehen kann. Man fängt an sehr stark zu spüren, dass sie zwischen der motivierenden Liebe für ihren Mann und der persönlich entwickelnden Liebe für ihre Liebhaber unterscheiden kann.

Mit wem sollte man den Film sehen?

Ich habe den Film im Urlaub mit einer sehr guten Freundin von mir gesehen. Und ich glaube, ich habe eine sehr gute Entscheidung getroffen. Vielleicht hätte ich ihn auch mit meiner Mama gucken sollen, denn wir sind uns sehr ähnlich :). Aber interessanterweise glaube ich, dass man diesen Film mit den Freundinnen sehen sollte. Ich will die Jungen nicht ausschließen, aber ich fürchte, dass Marias Verhalten sie wütend machen würde.

Der Film ist nicht für dich, wenn
du nicht in der Lage dazu bist, den ganzen Kontext zu verstehen, in dem Maria all diese Sachen gemacht hat. Die unmittelbare Nachkriegszeit ist nicht die „reinste“ Zeit, wir sprechen von einer außerordentlichen Situation, wo die Unsicherheit das Leben geleitet hat, wo die Menschen um das Überleben kämpften, ohne dass sie wirklich lebten, wo das Tauschen etwas sehr Übliches war. Ich glaube, dass wir aus ihrem unglaublichen Charme lernen sollten; natürlich können wir nicht die Tatsache ignorieren, dass manchmal dieser Charme nicht der orthodoxeste war.
Victoria Săuleanu

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