Bunker, Czernowitz


Photos by: Volodymyr Gutsul

Bunker, Czernowitz

Der Bunker ist ein Versammlungsort für moderne Kultur in Czernowitz. Er befindet sich direkt im Zentrum der Stadt im Keller eines alten Gebäudes, welches zu Zeiten der Habsburger Monarchie erbaut wurde. Heute befindet sich hier die Medizinische Universität. Der Einlass in die Universität ist bis 17 Uhr möglich, weshalb man am Abend nur über den Hintereingang in den Bunker gelangt. Außer dem Keller befindet sich hier auch ein abgelegener Innenhof. Ich habe daher auch die Möglichkeit Veranstaltungen im Hof durchführen. In der gesamten Umgebung des Bunkers befinden sich Bildungseinrichtungen, so dass man im Hof Konzerte veranstalten kann, ohne dass sich die Nachbarn gestört fühlen.

Der Bunker wurde am 11. Dezember 2015 mit einem Konzert der Dresdner Gruppe „Leo Hört Rauschen“ eröffnet. Ich hatte gehofft, dass 100 Menschen kommen würden. Es kamen jedoch zwischen 400 und 500 Personen. Der Raum war völlig überfüllt. Einige tanzten sogar auf dem Bürgersteig am Eingang des Bunkers. Glücklicherweise war der Bürgersteig dort breit genug. Im Anschluss begann man vom Bunker als einem Ort für Untergrundkultur zu sprechen.

Ich habe viele Pläne für die Zukunft, wie zum Beispiel die Eröffnung der polnisch-ukrainischen Ausstellung „Imagination. Reality”, die das Ergebnis meiner Zusammenarbeit als Kurator mit der Ljublinski-Galerie Labirynt ist. Die Ausstellung wird nach erfolgreicher Präsentation in Lublin und im Nationalen Kunstmuseum in Kiew im Bunker gastieren.

Das nächste Projekt wird die Ausstellung „Оkkupation" sein, bei der ich als Kurator den für die Ukraine bedeutsamen Terminus in seiner ganzen Vielfalt in den Arbeiten von Santiago Sierra, Oleg Kulik, Vito Acconci, Chris Burden, Mauricio Cattelan und Malki Tesler verfolgen möchte. Im Kontext dieses Projekts soll der deutsche Film „Eine Frau in Berlin” gezeigt werden, flankiert von einem Podiumsgespräch mit den Historikern Timothy Snyder und Volodimir Gryzak. Das Zentrum„Gedankendach“ in Czernowitz wird sich an diesem Projekt beteiligen. So werden die Ausstellungen zu einem Treffpunkt für Diskussionen und Vorlesungen.

Außerdem plane ich Workshops und Kinovorführungen. Als erstes findet der Workshop „Art-Performance“ unter Teilnahme der bekannten polnischen Performance-Künstler Jerzy Onuch, Janusz Baldyga und Waldemar Tatarczuk statt. Auch ein Soloprojekt der Münchner Künstler Susanne Clausen und Pavlo Kerestej ist geplant.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Bunker eine Plattform für eine Gemeinschaft von Menschen ist, die sich für moderne Kultur interessiert. Der Bunker schafft dabei eine Verbindung zwischen qualitativ hochwertigen künstlerischen und bildenden Projekten, die es zum Ziel haben den Bereich der modernen Kunst zu erweitern und als Ort des kulturellen Austauschs in einer Stadt dienen, die keine andere derartige Plattform hat.

Taras Polataiko, Koordinator