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Wissenschaftlerinnen sichtbar machen – AcademiaNet

Logo von AcademiaNet; © AcademiaNetLogo von AcademiaNet; © AcademiaNetUm den Anteil von Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen zu erhöhen, hat die Robert-Bosch-Stiftung gemeinsam mit der Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft das Internetportal AcademiaNet mit Profilen herausragender Wissenschaftlerinnen entwickelt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat geschafft, was vielen Wissenschaftlerinnen nicht gelingen will: eine Führungsposition zu erringen, die der gleich qualifizierter männlicher Kollegen ebenbürtig ist. Deshalb wird ihr als promovierter Physikerin AcademiaNet sicher besonders am Herzen liegen. Ende 2010 schaltete sie das neue Internetportal persönlich frei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltete AcademiaNet frei, © Max Lautenschläger/Robert-Bosch-Stiftung„AcademiaNet bietet den Wissenschaftlerinnen die große Chance, ihre Kompetenzen noch besser und sichtbarer als bisher in den Wissenschaftsbetrieb einzubringen“, sagte Merkel bei der Veranstaltung. In Deutschland gebe es viele herausragende Wissenschaftlerinnen in allen Fachrichtungen. Sie bei ihrer weiteren Karriere zu unterstützen, sei ein wichtiges Anliegen.

Auf AcademiaNet fanden sich zu Beginn die Profile von 500 Wissenschaftlerinnen aus dem deutschsprachigen Raum. Entscheidungsträger aus der Wissenschaft, Headhunter aber auch Journalisten auf der Suche nach Expertinnen können kostenlos in einer Datenbank recherchieren. Suchen lässt sich mit individuellen Begriffen, aber auch nach Fachgebieten. Die einzelnen Wissenschaftlerinnen werden auf einer jeweils eigenen Seite porträtiert: Ihr Lebenslauf, Veröffentlichungen, Projekte und Mitgliedschaften sind für jeden Nutzer sichtbar, die Kontaktdaten nur für angemeldete Besucher.

In der Wissenschaft unterrepräsentiert

Screenshot von AcademiaNet; © AcademiaNetDie Idee zu diesem Portal hatte Dr. Ingrid Wünning Tschol, Bereichsleiterin Gesundheit und Wissenschaft der Robert-Bosch-Stiftung. „Wir möchten die Anzahl der Frauen in entscheidenden Positionen erhöhen“, erklärt sie ihr Anliegen. Studien zufolge sind Frauen in Deutschland auch in der Wissenschaft stark unterrepräsentiert: Laut Wünning Tschol sind nur zwölf Prozent der höchstdotierten Professuren weiblich besetzt, bei Führungspositionen in der außeruniversitären Forschung sogar nur neun Prozent.

In den kommenden fünf Jahren hofft Wünning Tschol, den Anteil der Frauen in solchen Positionen auf 40 bis 60 Prozent zu steigern. Der Wille bei den Wissenschaftsorganisationen sei da, ist sich die Bereichsleiterin sicher: „Alle wollen gute Frauen haben. Aber bisher war es schwer, sie zu finden, weil das Instrument dafür fehlte. Jetzt sammeln wir sie in unserem Portal.“ Prof. Dr. Regina Palkovits, Robert-Bosch-Jungprofessorin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH), pflichtet bei: „Man braucht ein solches Hilfsmittel, um geeignete Frauen zu finden.“

Kandidatinnen werden nominiert

Palkovits gehört zu den ersten 500 Frauen, deren Profile beim Start des Portals zu sehen waren. Weitere 40 kamen in den ersten sechs Wochen hinzu. Das Besondere dabei: Niemand darf sich selbst eintragen, geeignete Kandidatinnen werden von Partnerorganisationen nominiert. Das sind unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie die Max-Planck-Gesellschaft.

Ingrid Wünning Tschol, Erfinderin von AcademiaNet, © privatDiese AcademiaNet-Partner haben hochrangige Vertreter in einen Lenkungsausschuss entsandt und Aufnahmekriterien für die Aufnahme von Wissenschaftlerinnen erarbeitet. Dazu gehören die Publikationstätigkeit, das Einwerben von Drittmitteln, Preise und Stipendien, Fachvorträge, ein eigenes wissenschaftliches Profil sowie die Leitung einer eigenen Forschungsgruppe.

Die Resonanz auf AcademiaNet sei bisher „überwiegend extrem positiv“ gewesen, so Wünning Tschol. Die Klickzahlen seien hervorragend: „Das Portal wird schon unglaublich viel genutzt.“ Und auch die Partnerorganisationen legten ihren Mitarbeitern ans Herz, AcademiaNet bei der Auswahl von Wissenschaftlerinnen für Ausschüsse, Prüfungsgremien oder Fachtagungen zu nutzen. Auf die vereinzelte Kritik junger Wissenschaftlerinnen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und die Aufnahmekriterien noch nicht erfüllen, erwidert sie: „AcademiaNet ist kein individuelles Karriereförderungsinstrument, sondern dient allein dazu, den Anteil von Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen zu erhöhen“.

„Männer sind gut im Networking“

Dass bislang nur wenige Frauen solche Stellen bekommen haben, führt Wünning Tschol auf einen gravierenden Geschlechterunterschied zurück: „Viele Männer sind gut im Networking und denken bei der Vergabe von Posten gerne an ihre männlichen Kollegen.“ Frauen hingegen hielten sich aus solchen strategischen Spielen eher heraus. „Sie tendieren dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen und sind generell weniger sichtbar als Männer“, ist sich Wünning Tschol sicher. Während sich Männer aktiv um ihre Karriere bemühten, warteten Frauen eher ab, dass sie berufen werden.

Wünning Tschol geht nicht davon aus, dass der geringe Frauenanteil in wissenschaftlichen Führungspositionen eine gesamtgesellschaftliche Problematik widerspiegelt: „Ich bin mir sicher, dass die Unvereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere in Deutschland eine gewisse Rolle spielt . Aber es liegt nicht nur daran, denn dieses Problem haben auch Wissenschaftlerinnen, die keine Kinder haben.“

Für die nahe Zukunft haben sich die Robert-Bosch-Stiftung und die Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft, die das Portal gemeinsam betreiben, viel vorgenommen: Der Bestand der Profile soll auf das europäische Ausland ausgeweitet werden – eine Kooperation mit ausländischen Partnern ist bereits besprochen. Wünning Tschol gibt das Ziel vor: „Wir wollen nach dem ersten Jahr unseres Bestehens 1.000 Profile haben.“

Irina Fernandes
arbeitet als freie Journalistin in Bocholt, unter anderem für die Ruhr Nachrichten und den Westfalenspiegel. Ihre thematischen Schwerpunkte sind Bildung, Kultur, Politik, Justiz und Gesellschaft.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Februar 2011

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